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Guggenmusik: Lebensader der Fasnacht

"Blächsuger" bringen Langenthaler Fasnacht in Schwung. (Bild: zfg)

(swissinfo.ch)

Seit 26 Jahren bringt die Guggenmusik "Blächsuger" die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler im aargauischen Langenthal in Stimmung. Gross, fröhlich, laut und bunt gemischt ist diese Gugge, wenn sie durch die Gassen zieht. Sie gehört zu den ältesten Fasnachts-Cliquen der Region.

Rund 60 Fasnachts-Cliquen treiben in Langenthal zur Narrenzeit vom 02.03. bis 07.03. ihr Unwesen. 61 Guggenmusikanten im Alter von 16 bis 55 Jahren spielen bei den "Blächsuger". Fast die Hälfte der Mitglieder sind Frauen, erklärt die Leiterin Sibylle Röthlin gegenüber swissinfo. Für die Juristin sind fünf Tage Guggenmusik und Fasnacht "fast wie eine Trance".

Von "Donna Clara" zu starken Rhythmen

Der Sound soll fetzig sein, betont der gelernte Automechaniker Patrick Häusler. Gespielt werde hauptsächlich mit Blas- und Schlaginstrumenten. Eine Guggenmusik sei dazu da, um den Leuten und sich selber Freude zu bereiten. Er könne sich eine Fasnacht ohne Guggenmusik nicht vorstellen.

Das Repertoire der "Blächsuger" umfasst 15 Musikstücke. Der Stil habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, sagt der Guggenmusik-Veteran Andreas Geiser. Er ist seit der Gründung der "Blächsuger" dabei. Jedes Jahr nehme ihre Musik-Kommission etwa drei neue Stücke ins Repertoire auf.

Vor 20 Jahren habe man "Donna Clara", "Wien bleibt Wien" oder "Rotes Gummiboot" gespielt. Das seien alles Ohrwürmer gewesen, bestätigt René Keusen, Mitbegründer der "Blächsuger". Heute sei die Musik an ein jüngeres Publikum angepasst. Jetzt seien mehr Techno-Rhythmen zu hören.

Früher Ofenrohrbass - heute fahrbares Schlagzeug

Guggenmusik wird zum Teil auf selbstgebastelten Instrumenten gespielt. "Früher gab es den Ofenrohr-Bass", erzählt der Kaufmann Andreas Geiser. Ein Ofenrohr-Kollektor sei mit einem Gartenschlauch verbunden worden. Darüber habe man einen Trichter befestigt, aus dem dann dumpfe Bassklänge ertönten, ähnlich einem Sousaphon.

Heute spielen die "Blächsuger" auf professionell hergestellten Guggenmusik-Instrumenten. Originale werde es stets geben, doppelt Patrick Häusler nach. Da es für Guggenmusiker wichtig sei mobil zu bleiben, gebe es zum Beispiel ein fast komplettes Schlagzeug auf speziell angefertigten fahrbaren Gestellen.

Musik aus dem Bauch mit Falschtönen

Falschspielen und schräge Töne - das gehöre zur Guggenmusik, sagen die "Blächsuger". Es reiche, wenn die meisten Musikanten ihr Instrument beherrschen. "Der Rest wird durch die 15 Proben im Jahr von selber auf ein höheres Niveau gehoben", meint Sybille Röthlin. Guggenmusik sei Lebensfreude und "Musik aus dem Bauch".

Dieses Jahr Guggenmusik in Königskostümen

Auch für die "Blächsuger" sind die Kostüme sehr wichtig. "Dieses Jahr tragen wir Königs-Kostüme, weil die fünf Fasnachts-Tage 'königlich' sind", erklärt Sibylle Röthlin. Eine Besonderheit dieser Guggen: Der Stoff wird gemeinsam eingekauft und zugeschnitten. Für das Zusammennähen ist dann jeder selber verantwortlich.

Zudem ist Tradtion, dass die Clique jedes Jahr ein zweites Motto für den Samstag wählt. Die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler basteln sich dafür ein eigenes Kostum, das dieses Jahr ganz in Weiss ist.

"Fasnacht ist Lebensgefühl"

Unterhaltung und Lebensgefühl - das sei Fasnacht für die "Blächsuger". "Für mich ist Fasnacht heiliger als Weihnachten", betont Andreas Geiser. Für seine ganze Familie seien diese fünf Tage Narrenzeit ein fester Bestandteil im Leben.

Riesig sei die Vorfreude jedes Jahr, sagt Sibylle Röthlin. Wenn es dann vorbei sei, würden viele für eine kurze Weile ein wenig depressiv. "Dann sieht man am Mittwochmorgen hier und da Leute weinend auf Trottoir-Ränder sitzen", bestätigt Andreas Geiser.

Alina Kunz Popper


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