Hoffen auf ein neues Amerika

Die Schweizer Zeitungen setzen grosse Hoffnungen auf den neuen Präsidenten. swissinfo.ch

Der unbeliebte Texaner ist Geschichte, sein Nachfolger vereidigt. Am Tag nach der Wende im Weissen Haus sind die Schweizer Zeitungen voller Lob und Vorschusslorbeeren für Barack Obama. Sie warnen aber vor zu hohen Erwartungen. Auch er sei nur ein Mensch und ein Politiker.

Dieser Inhalt wurde am 21. Januar 2009 - 08:15 publiziert

"Getreu der Tradition hat Amerika an diesem frostigen Januartag sein Ritual der Erneuerung zelebriert", schreibt die Neue Zürcher Zeitung.

"Sie setzten damit ein Zeichen, dass ihr Land trotz Krise und Kriegen noch immer zu Aufbruchstimmung fähig ist."

Und niemand, so die NZZ weiter, verkörpere diese Erneuerung besser als Obama, der in seiner Ansprache daran erinnerte, "dass ein Schwarzer vor einem halben Jahrhundert in manchen Restaurants nicht einmal bedient worden wäre, geschweige denn ein solch hohes Amt hätte erringen können".

Eine Rede? Nein, dies sei vielmehr "ein Eid der Hoffnung, eine Predigt für eine Zäsur" gewesen, kommentiert die Genfer Le Temps Obamas Antrittsrede.

Für die Südostschweiz beginnt in den Vereinigten Staaten nun "ein neuer Morgen". Es herrsche "pure, pure Freude". Barack Hussein Obama, der Sohn einer weissen Mutter aus Kansas und eines Kenianers, verkörpere die Rückkehr des amerikanischen Traums.

"Im Moment der tiefsten Krise der Supermacht seit dem Zweiten Weltkrieg setzt die Nation auf das 'dürre Kerlchen mit dem komischen Namen', wie Obama das Wunder von Washington selber beschreibt."

Das Prinzip Hoffnung

"Acht dunkle, verschwendete Jahre sind vorbei. Die USA haben ihren neuen Präsidenten. Und Barack Obama verspricht, nicht nur dem eigenen Land, sondern auch der Welt jene Hoffnung und jenes Selbstverrauen zurückzugeben, das zu lange eine schmale Elite für sich allein beanspruchte", heisst es im Zürcher Tages-Anzeiger.

Die Menschen in den USA schauten der Amtszeit von Barack Obama nicht nur voller Hoffnung, sondern richtiggehend mit Begeisterung entgegen, ist auch im Berner Bund zu lesen.

"Die Amerikaner erwarten vom ersten schwarzen Mann im Oval Office, dass er mit seiner Politik die wahren Probleme der Bevölkerung wieder ins Zentrum rückt, und sie wünschen sich eine Politik, die weniger ideologisch verbrämt ist als diejenige seines Vorgängers George W. Bush."

"Endlich, nach langem Warten, der Hoffnungsschimmer", titelt die Westschweizer Zeitung 24 heures. In seiner Rede habe Obama den Willen geäussert, "Vertrauen, Frieden und Prosperität herzustellen und eine bessere Welt zu schaffen. Die Zyniker machen sich bereits lustig. Lassen wir sie, ihre Zeit ist abgelaufen", schliesst 24 heures ihren Kommentar.

Hohe Erwarungen

"Machen wir uns nichts vor", warnt der Zürcher Tagi. Obama stehe vor einer schweren, fast unmenschlichen Aufgabe. "Die Finanzindustrie ist am Boden, es fehlt an Millionen von sicheren Jobs, das Bildungswesen ist ungenügend, die Gesundheitsversorgung für viele unerschwinglich. Von den internationalen Krisen ganz zu schweigen."

Zu Geduld ruft auch der Bund auf, denn früher oder später würden die Anhänger Obamas Enttäuschungen erleben: "Barack Obama mag ein ausserordentlich talentierter Politiker sein, aber er ist dennoch nur ein Politiker. Das bedeutet in der Praxis: Er wird längst nicht alle in ihn gesteckten Hoffnungen erfüllen, und er wird die Vereinigten Staaten nicht über Nacht in ein anderes Land verwandeln können."

Appell an Verantwortung

Die Rede Obamas komme quasi einem Regierungsprogramm gleich, schreibt die Basler Zeitung. Schonungslos habe der neue Präsident die Probleme benannt und auf das Versagen seines Vorgängers hingewiesen. Zudem habe er klar gemacht, dass er der starke Mann in Krisenzeiten sein wolle.

"Wer geglaubt hat, Obama inszeniere sich wie ein Popstar, der Illusionen verkauft, aber reale Probleme nicht lösen kann, muss auf die Entzauberung hoffentlich noch eine Weile warten", mutmasst die BAZ.

Anders sieht das die Luzerner Zeitung: Obamas Rede sei kein programmatischer Neuanfang gewesen, sondern eine Rückbesinnung auf "die Ideale der Gründerväter, die heute noch die Welt erleuchten: Arbeit und Ehrlichkeit, Mut und Fair-Play, Toleranz und Neugier, Loyalität und Patriotismus".

Mit seiner Forderung nach Verantwortung- und Pflichtgefühl habe er klar gemacht, dass auch er nicht an die Allmacht des Staates glaube.

Amerika habe in den letzten Jahren mit einem Präsidenten leben müssen, der seine Ideale zu stark der eigenen Person untergeordnet habe, so der Tages-Anzeiger.

"Obama dagegen sieht sich zunächst und vor allem als Pragmatiker, als Problemlöser, als Macher. Politik ist für ihn nichts Persönliches. Und wie die grossen Präsidenten vor ihm – Lincoln, Roosevelt, auch Kennedy und Reagan – weiss er, dass Amerika immer dann über sich hinauswachsen kann, wenn das Dunkel am tiefsten ist."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

Barack H. Obama

Barack Obama, 1961 in Honolulu auf Hawaii geboren, ist Jurist. Ab 2004 war er Senator für Illinois.

Barack Obama ist mit Michelle verheiratet und hat zwei Töchter, Sasha und Malia.

Am 10. Februar 2007 verkündete er vor 18'000 Zuhörern in Springfield (Illinois) seine Präsidentschafts-Kandidatur.

In den Vorwahlen gewann Obama in 29 der 50 US-Bundesstaaten. Dass sich seine Hauptkonkurrentin Hillary Clinton dennoch bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihm lieferte, lag vor allem daran, dass Obama in den meisten bevölkerungsreichen Staaten schwächer abschnitt als sie.

Am 3. Juni 2008 erreichte Obama die notwendige Zahl von Delegiertenstimmen, um sich eine Mehrheit für die Nominierung zum Präsidentschafts-Kandidaten seiner Partei zu sichern.

Am 4. November 2008 gewann Obama die US-Präsidentenwahl gegen den Republikaner John McCain.

Er ist der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten.

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