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IKRK erwägt Abzug aus dem Irak

Erstmals in der Geschichte war das IKRK Ziel eines Selbstmord-Anschlags.

(Keystone)

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erwägt, sich nach dem blutigen Anschlag auf das Bagdader Hauptquartier aus dem Irak zurückzuziehen.

Der IKRK-Delegationsleiter sagte im deutschen Fernsehen, dass die internationalen Mitarbeiter evakuiert werden sollen.

"Wir werden am Dienstag damit beginnen, internationale Mitarbeiter auszufliegen und dann sehen, wie wir die Hilfe mit unseren irakischen Mitarbeitern fortsetzen können", sagte IKRK-Delegationsleiter Pierre Gussmann am Montagabend gegenüber dem deutschen Fernsehsender ARD.

Im Genfer Hauptquartier des IKRK wollte man dies nicht bestätigen. "Es ist noch zu früh um zu sagen, was wir machen werden", sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal gegenüber swissinfo. "Wir sind schockiert und können diesen Anschlag nur in aller deutlichster Form verurteilen", ergänzte er.

Das IKRK-Hauptquartier in Bagdad war das Hauptziel mehrerer Anschläge am Montagmorgen. Ein irakisches Ambulanzfahrzeug raste mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Betonpfeiler vor dem Hauptquartier der neutralen Hilfsorganisation. Das Fahrzeug explodierte und setzte weitere Autos in Brand. Kurz zuvor und wenig später detonierten vor vier Polizeistationen in Bagdad ebenfalls Sprengsätze.

Nach Angaben irakischer Behörden starben mindestens 34 Personen, 224 wurden verletzt.

Schweiz verurteilt Anschlag in aller Schärfe

Das Schweizer Aussenministerium EDA verurteilte den Anschlag auf das IKRK in aller Schärfe. "Das IKRK spielt seit Jahren eine zentrale Rolle zugunsten der Zivilbevölkerung im Irak. Ein Anschlag auf diese Organisation kommt einem Angriff auf das irakische Volk gleich", schreibt das EDA.

Das Aussenministerium bekräftigte seine Unterstützung für das IKRK und drückte die Hoffnung aus, dass dieses seine Tätigkeit fortführen könne.

Erster Selbstmord-Anschlag auf das Rote Kreuz

Der Selbstmord-Anschlag auf das Hauptquartier des IKRK in Bagdad war der erste seiner Art in der 140-jährigen Geschichte der humanitären Organisation.

"Wir vertrauten immer darauf, dass unsere humanitäre Arbeit uns beschützen würde", sagte Nada Doumani, IKRK-Sprecherin in Bagdad, gegenüber Journalisten. "Wir dachten, die Menschen kennen uns."

Das IKRK arbeitet seit 1980 ohne Unterbruch im Irak. Es verzichtet auch auf den Schutz durch die Koalitions-Truppen unter der Führung der Vereinigten Staaten. So soll die Neutralität der Organisation gesichert werden.

"Seit über 20 Jahren arbeiten wir im Irak, gleichgültig wer an der Macht ist, wer gewinnt und wer verliert. Die ganze Zeit haben wir als unabhängige Organisation gearbeitet", betont Westphal. "Die Neutralität muss unsere wichtigste Sicherheits-Garantie sein. Humanitäre Hilfe kann nicht mit Waffengewalt durchgesetzt werden."

Belegschaft bereits reduziert

Das IKRK hatte bereits im Juli seine Aktivitäten im Irak reduziert, als ein IKRK-Techniker in einem gezielten Angriff erschossen worden war. Weiteres ausländisches Personal wurde aus Bagdad abgezogen nach dem Anschlag auf die Zentrale der Vereinigten Nationen im August, der 23 Menschen das Leben kostete.

Gegenwärtig sind noch 30 bis 40 internationale Mitarbeiter für das IKRK in ganz Irak tätig. Mehrere hundert lokale Mitarbeiter unterstützen sie.

swissinfo, Anna Nelson und Agenturen

In Kürze

Das IKRK erwägt einen Rückzug aus dem Irak nach dem blutigen Selbstmord-Anschlag auf die Zentrale der neutralen Hilfsorganisation, der rund zehn Menschen das Leben kostete.

Der Anschlag war der schwerste einer ganzen Reihe von Anschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad am Montag, dem ersten Tag des Fastenmonats Ramadan.

Mindestens 34 Menschen wurden getötet, mehr als 200 verwundet.

Das Schweizer Aussenministerium verurteilte den Anschlag auf das IKRK als "untolerierbaren Akt" aufs Schärfste.

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