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Italien, ein verdienter Weltmeister

Italien, Campione del Mondo.

(swissinfo.ch)

Italien war im Penaltyschiessen nervenstärker als die Franzosen: So sah die Schweizer Presse den Final der Fussball-Weltmeisterschaft am Sonntag in Berlin.

Negativer Höhepunkt war die rote Karte gegen das französische Genie Zidane. Die Bilanz auf dem Rasen fällt wegen des dominierenden Defensivfussballs zwiespältig aus.

"Italia campione", titelt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). "Die Squadra Azzurri gegen die stärkeren Franzosen die besseren Penaltyschützen." Im 5:3 gewonnenen Elfmeterschiessen hätten sich die Italiener als kaltblütiger erwiesen.

"Ein Wermutstropfen war der gerechtfertigte Platzverweis für den überragenden (französischen) Captain Zidane", fand die NZZ.

"L'Italie au Paradis" – Italien im Paradies, schreibt die Tribune de Genève in grünen, weissen und roten Lettern. "L'Italie savoure son triomphe" – Italien kostet seinen Triumph aus, notiert die Freiburger Zeitung La Liberté.

Unwürdiger Abgang des Genies

"L'Italie gagne le titre et Zidane perd la tête", resümiert 24 Heures aus Lausanne, Italien gewinnt den Titel und Zidane verliert den Kopf.

Mit seinem Kopfstoss gegen den Italiener Materazzi habe die französische Fussball-Ikone ihren Abschied von der Fussballbühne vermasselt: "Les adieux ratés de l'icône du foot français", so die Tribune de Genève.

Der Tessiner Corriere del Ticino mag nicht in das Lob der deutschschweizer Kollegen einstimmen: Am Schluss zählt nur das nackte Resultat. Der Final, gewonnen von einem glanzlosen Italien, werde mangels spielerischer Höhepunkte kaum in Erinnerung bleiben. Italien habe die schwächste Leistung an der WM gezeigt - "Alla fine resta dunque il ri­sultato, nudo e crudo: pochi si ricorderanno di una fina­le scialba e noiosa, vinta d­a un'Italia stavolta opaca. For­se la più brutta di tutto il Mondiale."

Trauma überwunden

"Italien besiegt Fluch der Penalties", heisst es in den Freiburger Nachrichten in Anspielung darauf, dass die Südländer zuletzt an Welt- und Europameisterschaften fast immer im Elfmeterschiessen versagt hatten. In diese Kerbe schlug auf der Tages-Anzeiger, indem er Italien zum "Weltmeister der Nerven" kürte.

Auch der Blick liess sich von der Euphorie mitreissen: "Grande Italia Weltmeister!" Und auch die Boulevardzeitung sah in der Disziplinlosigkeit des französischen Ausnahmekönners die wichtigste Szene des Finals: "Zidane drehte durch!"

Deutschland zweiter Sieger

"Italien hat unter dem Strich den besten Turnierfussball gespielt", so die Berner Zeitung (BZ). Sie hätten die Kräfte am besten dosiert und im richtigen Moment zugeschlagen, wie mustergültig im Halbfinal gegen Deutschland vorgeführt.

Für die Neue Luzerner Zeitung gibt es an der WM zwei Sieger und einen Verlierer. Dieser heisst Zidane und werde "als Genie, das sich nie beherrschen konnte", in die Fussballgeschichte eingehen.

Neben Italien zählt für die Innerschweizer Zeitung auch Deutschland zu den Gewinnern, dies sowohl auf dem Rasen als Gewinner des kleinen Finals um den dritten WM-Rang als auch als Gastgeber dank einer beeindruckenden Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. "Die Welt dankt Freunden", wandelte die LNZ das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" ab, mit dem der Veranstalter die Fussball-Welt eingeladen hat.

Zu viel Defensive, zu wenig Spektakel

Trotz der Jubelfeier für die Sieger wurde der Gehalt der gebotenen fussballerischen WM-Kost kritisch beurteilt: "Was es war: Eine wunderbare Sommerparty mit vielen schönen Erinnerungen. Was es nicht war: grosser Fussball", so der Tages-Anzeiger.

"Schach auf Rasen", so die WM-Bilanz des St. Galler Tagblatts. "Die Anhänger des Offensivfussballs sind an der Endrunde in Deutschland nicht auf ihre Kosten gekommen." Es sei eine WM der Defensivspieler gewesen.

"Es war keine WM der Stars (Zidane war in einigen Spielen die Ausnahme, die die Regel bestätigte), sondern eine WM des vorab defensiv orientierten Kollektivs", analaysiert der Bund.

Mehr Mut für die Trainer

Das lag aber laut St. Galler Tagblatt weder an den Spielern noch an den Regeln, sondern an den Trainern: "Sie müssen ihre Mentalität ändern. Sie müssen wieder bereit sein, Risiken einzugehen und auf Sieg zu spielen." Erst dann werde eine WM-Endrunde wieder zu einem Spektakel.

Getreu dem Motto 'Nach dem Spiel ist vor dem Spiel' blickt die Basler Zeitung in die Zukunft: "Am Ende von vier Wochen WM in Deutschland lautet die schönste Botschaft: In zwei Jahren ist Europameisterschaft." Diese findet in der Schweiz und in Österreich statt.

Der WM-Gastgeber Deutschland habe eine gute Organisation geboten und "unbeschwerte Bilder voller Fröhlichkeit" in die Welt geliefert. "Das nachzuahmen wird für die Schweiz und Österreich die höchste Hürde werden", so die BAZ.

swissinfo, Renat Künzi


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