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Zum Tod von Claude Nobs "Ich will die Künstler glücklich machen"



Juni 2006: Claude Nobs on seinem Chalet.

Juni 2006: Claude Nobs on seinem Chalet.

"Künstler sind oft nicht wegen dem Geld treu. Sie lieben es, sich wie ein König zu fühlen." – Das war das Credo von Claude Nobs, dem Gründer des Montreux Jazzfestival. Ein Interview, in dem Nobs auch über seinen eigenen Tod redete.

Er war mit Musiklegenden wie Miles Davis, Freddie Mercury, David Bowie, Carlos Santana oder B.B. King befreundet. Der im Alter von 76 Jahren verstorbene Claude Nobs hat mit seinem 1967 gegründeten Jazzfestival die Stadt Montreux auf der ganzen Welt bekannt gemacht.

swissinfo.ch hat ihn 2006 in seinem Chalet oberhalb von Montreux getroffen.

swissinfo.ch: Wie hat das Abenteuer "Montreux" begonnen?

Claude Nobs: 1967 träumte ich davon, meine kleine Stadt in den USA bekannt zu machen. Wir haben mit einem bescheidenen Budget begonnen. Meine Vorbilder waren die Festivals von Newport und Rhode Island. Zu dieser Zeit zog Newport jeden Abend 10'000 Personen an, während dem wir bereits mit 600 zufrieden waren. 2005 hatten wir insgesamt 240'000 Besucher.

Zu Beginn konzentrierten wir uns ausschliesslich auf den Jazz, doch mit der Zeit öffneten wir auch andern Musikarten ein Fenster. In den 1970er-Jahren fühlten sich die Jazz-Puristen verraten, weil ich auch andere Musik programmiert habe. Seither laden wir glücklicherweise jedes Jahr mehr Musiker mir andern Horizonten ein.

swissinfo.ch: Was ist Ihr Geheimnis. Sind es die Gagen?

C.N.: Die Magie von Montreux gründet auf den Begegnungen zwischen den Musikern. Es gibt immer wieder einmalige Ereignisse, die sich nicht wiederholen. Die Idee ist, dass die Musiker ihre gewohnten Pfade verlassen. Statt ihr gewohntes Repertoire zu spielen. Die Musiker kommen nicht in erster Linie wegen dem Geld nach Montreux. Im Gegenteil, die andern Festivals unterbreiten ihnen oft die höheren Gagen.

Aber hier behandeln wir sie wie Könige und wir bieten ihnen die besten Bedingungen punkto Ton- und Bildaufnahme-Technologien. Bereits 1968 hat der Pianist Bill Evans mit seinem Montreux Live Album einen Grammy gewonnen.

swissinfo.ch: Ein Teil Ihrer Arbeit besteht darin, die Wünsche der Musiker zu befriedigen. Vor allem über Miles Davis gibt es eine ganze Reihe von Anekdoten.

C.N.: Miles liebte eines meiner Hemden. Also habe ich es ihm eines Tages geschenkt. Ein anderes Mal wollte er unbedingt ein Ferrari Cabriolet haben. Wir fanden eines in Rot, er wünschte sich jedoch ein schwarzes Modell. Solche Details zeigen, was mich wirklich interessiert: Ich will die Künstler glücklich machen.

swissinfo.ch: Haben sie spezielle Erinnerungen an die Freundschaft mit ihm?

C.N.: Miles kam oft zu mir nach Hause, um Musik zu hören. Ich wählte immer Jazz. Eines Tages fragte er mich, ob ich keinen Rock and Roll oder Funk hätte. Ich fragte ihn überrascht, ob er Jazz nicht liebe. Er hat mir gesagt "Jazz ist Scheisse".

Miles war eine einmalige Persönlichkeit. Alle hatten Angst vor ihm. Eines Tages willigte er ein, eine Pressekonferenz abzuhalten. Ich hatte ihn persönlich darum gebeten. Er kam ganz in schwarz gekleidet und mit seiner obligaten Sonnenbrille. Die dreissig anwesenden Journalisten waren dermassen beeindruckt, dass sie keine Frage zu stellen getrauten.

swissinfo.ch: Welche Bilanz ziehen sie nach all den Jahren als Vater des Festivals?

Für mich heisst das, das Leben geniessen und jeden Tag arbeiten. Mit dem Alter hat die Passion dafür sogar noch zugenommen, auch wenn es nicht immer einfach ist, den Rhythmus zu halten.

swissinfo.ch: Niemand ist unsterblich. Was passiert mit dem Festival, wenn Sie einmal nicht mehr da sind?

C.N.: Die Nachfolge ist gesichert. Ich bin umgeben von jungen Talenten, die sich um das Festival kümmern werden. Es wäre traurig, wenn sie die freundschaftlichen Beziehungen nicht weiter pflegten, die ich aufgebaut habe. Doch alles kann sich ändern, denke ich.

swissinfo.ch

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