Matthias Hartmann tritt in Marthalers Fussstapfen

Matthias Hartmann (links) und Stadtpräsident Elmar Ledergerber an der Pressekonferenz vom 12.09.2003 in Zürich. Keystone

Die Nachfolge von Christoph Marthaler als Intendant des Zürcher Schauspielhauses ist geregelt: Matthias Hartmann, Intendant am Schauspielhaus Bochum, wird im Sommer 2005 das Amt antreten.

Dieser Inhalt wurde am 12. September 2003 - 21:08 publiziert

Für die Saison 2004/05 wurde eine Interimslösung gefunden.

Nach intensiven Gesprächen mit verschiedenen Kandidaten habe sich der Verwaltungsrat des Zürcher Schauspielhauses für Hartmann entschieden, sagte VR-Präsident Eric L. Dreifuss am Freitag vor den Medien. Er sei glücklich über die Zusage. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Marthaler sei klar geworden, welch grosses Renommee dieser dem Schauspielhaus gebracht habe.

Stadtpräsident Elmar Ledergerber erklärte, Hartmann gehöre zu den Top-Drei der Regisseure im deutschsprachigen Raum. "Ich bin stolz, glücklich und überzufrieden", so Ledergerber.

Bis zu seiner Zürcher Wahl war der 40-jährige Hartmann gleich von drei Seiten umworben: Das Schauspielhaus Bochum, das er seit 2000/2001 leitet und wo er seither Besucherrekorde verbucht, hätte ihn gerne behalten. Und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wurde er bereits fest als Nachfolger von Tom Stromberg gehandelt.

Aufbruch statt Konsolidierung

Das Rennen gemacht hat jetzt aber Zürich, wo Hartmann 1998 am Pfauen Botho Strauss' "Kuss des Vergessens" erfolgreich uraufgeführt hat und wo er zur Zeit am Opernhaus Smetanas "Verkaufte Braut" probt.

Hartmann nannte seine Berufung nach Zürich eine "grosse Ehre". Die Produktionsmöglichkeiten mit Pfauen, Schauspielhaus und Box seien europaweit einzigartig. Zudem glaube er, das Publikum habe nach der Ära Marthaler viel Neugier und "ein gutes Gehör". Er komme nicht als Konsolidierer, sondern wolle den Aufbruch weiterführen.

"Ich mache nicht Theater für die Quote", sagte Hartmann. Wenn das Haus jedoch nicht voll werde, fühle er sich "am falschen Platz".

Auf die Anlaufzeit angesprochen, die er sich gibt, antwortete Hartmann, wenn er es in drei Jahren nicht geschafft habe, dass das Theater funktioniere, dann sei es wohl Zeit, ans Gehen zu denken.

Spardruck auch auf Hartmann

Bis zuletzt war in Zürich neben Hartmann auch Wilfried Schulz, Leiter des Schauspiels in Hannover, im Gespräch. Im Gegensatz zu Hartmann, der bis zuletzt Schweigen wahrte, gab Schulz öffentlich zu Protokoll, "sehr ernsthaft über ein Zürcher Angebot nachzudenken". Ob Schulz nun in Hannover bleibt, ist offen, wird er doch dort mit einschneidenden Sparvorgaben konfrontiert.

Auch Hartmann wird in Zürich sparen müssen. Dass Christoph Marthaler sein Amt als künstlerischer Direktor nicht nach fünf, sondern bereits nach vier Spielzeiten aufgibt, hat keine künstlerischen, sondern ausschliesslich finanzielle Gründe.

Zusammen mit seiner Dramaturgin Stefanie Carp zeigte sich Marthaler vor den Sommerferien nicht bereit, die Sparvorgaben des Schauspielhaus-Verwaltungsrats in Millionenhöhe zu erfüllen.

Spillmann als Interimsleiter

Die Leitung der Spielzeit 2004/2005 übernimmt interimistisch der kaufmännische Direktor des Schauspielhauses, Andreas Spillmann. Spillmann versicherte, Hartmann könne 2005 ein geordnetes Haus antreten. Er wisse, dass er ohne kantonale Beiträge auskommen müsse.

Für die Übergangssaison 2004/05 erarbeitet Spillmann zusammen mit Marthaler und Hartmann einen Spielplan. Im ersten Quartal 2004 will er ihn präsentieren.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Geboren wurde der Kaufmannssohn Matthias Hartmann 1963 in Osnabrück. Seine Theaterkarriere begann er als Regieassistent am Schiller-Theater in Berlin.

Später arbeitete er auch am Münchner Residenz- und am Wiener Burgtheater. Ans renommierte Berliner Theatertreffen eingeladen wurden zwei seiner Inszenierungen: "Emilia Galotti" (1992) und "Der Kuss des Vergessens" (1998).

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen