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Mehr Anerkennung für die Freiwilligenarbeit

A. Burckhardt hilft sehbehinderter Frau beim Ausfüllen von Abstimmungs-Formularen.

(swissinfo.ch)

Sie gehen mit Betagten und Behinderten auf Spaziergänge, machen Spitalbesuche, organisieren den Quartierverein, schneiden Hecken in Parkanlagen oder betreuen Kinder auf dem Spielplatz: Eine von vier Personen übt in der Schweiz eine freiwillige Tätigkeit aus. Im UNO-Jahr der Freiwilligen fordern Organisationen mehr Anerkennung für diese Einsätze.

"Die Freiwilligenarbeit in der Schweiz", sagt alt Nationalrätin Judith Stamm, "ist das Lebenselixier und der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält". Stamm ist Präsidentin des Forums für das UNO-Jahr der Freiwilligen (iyv-forum Schweiz).

Nicht weniger als 41 Prozent der in der Schweiz wohnhaften Personen üben laut Bundesamt für Statistik in irgendeiner Form ehrenamtliche und unbezahlte Tätigkeiten aus. Pro Monat macht das rund 44 Mio. Stunden, berichtet das iyv-forum Schweiz. Das entspreche rund 248'000 Vollzeit-Arbeitsstellen. Müsste man diese Arbeit bezahlen, beliefen sich die Kosten auf fast 20 Mia. Franken - ungefähr fünf Prozent des Bruttoinland-Produktes.

Nichts läuft ohne Freiwillige

"Viele Veranstaltungen und Grossanlässe könnten ohne den Einsatz von Freiwilligen gar nicht durchgeführt werden", erklärt Judith Stamm gegenüber swissinfo. Ohne freiwillige Arbeit würde das kulturelle Angebot und die Lebensqualität für die meisten Menschen abnehmen.

Allerdings sei die Freiwilligenarbeit hierzulande wenig reflektiert: "Man erachtet es als selbstverständlich. Man macht es und spricht selten darüber", betont Stamm. Wahrscheinlich hänge dies mit einer schweizerischen Eigenart zusammen, die man als "Bescheidenheit" bezeichnen könnte.

Sozialzeit-Ausweis soll das Können dokumentieren

Trotz ihrer grossen Bedeutung friste die Freiwilligenarbeit in der Schweiz, verglichen mit anderen Ländern, ein Schattendasein. "Es fehlt oft an Weiterbildungs-Angeboten, an anerkannten Zertifikaten und an fachkundiger Begleitung", legt Stamm dar.

Das soll sich aber mit dem UNO-Jahr der Freiwilligen ändern. Das ivy-forum Schweiz plant die Einführung eines gesamtschweizerischen Sozialzeit-Ausweises. In diesem Ausweis soll nicht nur die Zeit, sondern auch die Qualifikation aufgeführt werden.

Meist erwerben sich Freiwillige bei ihren Einsätzen wertvolles Know-how, das aber bei Stellen-Bewerbungen kaum ins Gewicht fällt. In Form einer Nachweis-Mappe werden die beim freiwilligen Einsatz geleisteten und erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen erfasst und aufgewertet. "Der Ausweis ist somit vergleichbar mit einem qualifizierenden Arbeitszeugnis für bezahlte Arbeit", meint das iyv-forum Schweiz. Dieser Sozialzeit-Ausweis wird im September lanciert.

Die Freiwilligen-Organisationen fordern im weiteren Steuerabzüge und einen AHV-Bonus. Entsprechende Vorstösse wurden dem Parlament unterbreitet.

Forum will neue Impulse setzen

110 Organisationen, von der altgedienten Heilsarmee bis hin zum trendigen Pool-Billard Club, machen beim iyv-forum für das UNO-Jahr mit. Ziel des Forums ist, das Jahr 2001 in der Schweiz zu einer breiten Plattform für die öffentliche Anerkennung und Förderung der freiwilligen und ehrenamtlichen Arbeit zu machen. Zudem sollen neue Projekte initiiert und die wissenschaftliche Forschung zum Thema gefördert werden.

Freiwillige können sich bei "Benevol" melden

In der Schweiz werden Vermittlungsstellen für Freiwillige immer zahlreicher. 1999 wurde "Benevol Schweiz" gegründet. Dieser Interessengemeinschaft gehören 20 Freiwilligen-Organisationen an. Sie setzt sich u.a. für die öffentliche Anerkennung der Freiwilligenarbeit ein.

In diesem Jahr hätten sich bereits viele Freiwillige bei Benevol Bern gemeldet, bestätigt Geschäftsleiterin Doris Ayadi. "Erstaunlich viele Jugendliche sind dabei", fügt sie hinzu. Über fehlende Nachfrage könne sie sich nicht beklagen: "Viele Institutionen suchen Freiwillige, aber auch viele Freiwillige suchen ein Betätigungsfeld", meint Ayadi.

Auch der 65-jährige Andreas Burckhardt leistet seit Oktober Freiwilligenarbeit. Er besucht regelmässig die sehbehinderte Martha Meier in Bern und hilft ihr dort, wo es nötig ist. Für ihn sei dieses Engagement sehr wichtig, erklärt er gegenüber swissinfo. "Freiwillige Arbeit ist für mich selbstverständlich", sagt Burckhardt.

Alina Kunz Popper


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