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Mit Zapatisten gerechte Geschäfte machen

Joaquin Gonzales zeigt Frank Engler (li) und Hans-Jürg Reber (re) seine Kaffee-Pflanzung. swissinfo.ch

Seit über zehn Jahren kauft eine Basler Rösterei ihren Kaffee zu fairen Preisen in Chiapas ein. Jetzt haben Vertreter der Firma ihre Lieferanten in Mexiko besucht.

Dieser Inhalt wurde am 14. Februar 2005 - 17:33 publiziert

Die Kaffee-Produktion ist für viele Kleinbauern in Chiapas die einzige Möglichkeit, Bargeld zu verdienen.

Das türkisblaue Meer an den Traumstränden von Cancún ist verlockend, doch die Zeit reicht nicht einmal für ein kurzes Eintauchen. Gleich nach ihrer Ankunft im beliebtesten Touristenort Mexikos macht sich die Delegation der Birsfelder Firma Bertschi-Café auf den Weg in den Bundesstaat Chiapas, wo sie im kleinen Dorf Oventic auf rund 2000 Meter über Meer dichter Nebel und Frost erwartet.

"Wir würden auch lieber in Cancún in der Sonne liegen", sagt Frank Engler, der frühere Besitzer und heutige Berater von Bertschi-Café, "aber wir kommen zu Ihnen in die Kälte, weil wir Ihre Freunde sind."

Auf Besuch bei den Rebellen

Die fünf angesprochenen Zapatisten - allesamt Tzotzil-Indianer - schmunzeln unter ihren schwarzen Ski-Masken, die lediglich ihre Augen freigeben.

Als Mitglieder der "Junta de Buen Gobierno" (Rat des guten Regierens) sind sie vermummt, denn sie befinden sich im Widerstand gegen die Staatsgewalt. Die Rebellion der Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee (EZLN ) begann am 1. Januar 1994 und ist noch immer im Gang.

Frank Engler und Hans-Jürg Reber, der jetzige Besitzer von Bertschi-Café, machen in Oventic nur kurz Halt. Sie benötigen bloss eine Bewilligung, um ihre Fahrt nach La Estación fortsetzen zu können, wo die rein zapatistische Kaffee-Genossenschaft Mut Vitz ihren Sitz hat.

Joaquin Gonzalez ist einer von mehr als 600 Genossenschaftern von Mut Vitz und kultiviert seine eigene Kaffeeplantage. Der 34-Jährige führt die Bertschi-Leute auf seine Parzelle, die lediglich 15 Aren umfasst.

Bei der letzten Ernte konnte er der Genossenschaft sechs Säcke à je 60 Kilogramm abliefern. Für ein Kilogramm Kaffeebohnen erhielt er umgerechnet etwas mehr als zwei Dollar. Insgesamt nahm er also rund 800 Dollar ein.

Was ihm nach Abzug der Ausgaben an Gewinn blieb, hat er nicht ausgerechnet. "Seit ich bei Mut Vitz Mitglied bin, bekomme ich ein bisschen mehr Geld für meinen Kaffee", sagt Gonzalez.

Gerechtere Preise

Früher hat er wie fast alle Kleinbauern seine Ernte zu sehr tiefen Preisen an Zwischenhändler, die in Chiapas Kojoten genannt werden, verkauft. Erst seit er organischen Kaffee produziert und Abnehmer wie Bertschi-Café weit mehr als den Börsenpreis bezahlen, verdient er spürbar mehr.

Sein Leben hat sich deswegen nicht grundlegend verändert, er lebt mit seiner Frau und den fünf Kindern nach wie vor in einer ärmlichen Hütte mit Lehmboden. Die Küche befindet sich in einem klapprigen Holzhaus, die Latrine liegt einige Meter unterhalb des Hauses. Die einzige vorhandene Zementfläche dient ausschliesslich zur Trocknung der Kaffeebohnen.

Harte Arbeit

Für Gonzalez ist es das erste Mal, dass ihn Käufer seines Kaffees besuchen: "Es freut mich sehr, dass Sie persönlich vorbeikommen, um meine Parzelle zu besichtigen", bedankt er sich bei den Schweizer Gästen, "schliesslich kann ich nicht in Ihr Land reisen und schauen, wie Sie meinen Kaffee verkaufen, denn das kann ich mir nicht leisten."

Als Gonzalez erfährt, dass ein Kilogramm gerösteter Kaffee in der Schweiz für rund 10 Dollar verkauft wird, erwidert er höflich: "Ich denke schon, dass ich mehr Geld erhalten müsste, denn die Kaffeeproduktion ist sehr aufwändig und anstrengend."

Gonzalez arbeitet nicht nur das ganze Jahr hindurch auf der Plantage, er schleppt auch die 60-Kilo-Säcke auf seinem Buckel bis zu seinem Haus, was eine Stunde Fussmarsch in steilem Gelände bedeutet.

Verbindender Kaffee

Bei Mut Vitz bestellen Frank Engler und Jürg Reber in diesem Jahr keinen Kaffee, dieses Mal sind andere Genossenschaften dran. Zum Beispiel Majomut, eine Kooperative, in der sowohl Zapatisten wie auch regierungstreue mexikanische Indianer organisiert sind.

Während in vielen Dörfern in Chiapas seit dem Aufstand tiefe Gräben zwischen Zapatisten und anders denkenden Indígenas bestehen, zeigt Majomut, dass ein Miteinander durchaus möglich ist. Der Kaffee ist dabei das verbindende Element.

Nachhaltige Unterstützung

Gerechte Kaffeepreise sichern nicht nur das Überleben solcher Genossenschaften. Sie helfen auch, Spannungen abzubauen und die Versöhnung zu fördern.

Bertschi-Café kauft seit 1991 in Chiapas Kaffee ein, damals waren es acht Tonnen, heute sind es über 50 Tonnen. Dass sich die Kontaktpflege und die Besuche bei den Lieferanten lohnen, hat die jetzige Reise erneut bewiesen.

Den letzten Container organischen Kaffee, den Majomut in diesem Jahr anzubieten hatte, haben sich die Birsfelder unter den Nagel gerissen. Und dies nicht zu den Bedingungen, die Majomut ursprünglich gestellt hat, sondern zu den Konditionen von Bertschi-Café.

swissinfo, Martin Jordan, La Estación

Fakten

Rund 25 Mio. Bauern in 70 Entwicklungsländern hängen von der Kaffeeproduktion ab.

Ihr Einkommen hat sich innerhalb von 10 Jahren halbiert.

Allein in Süd-Amerika verloren 600'000 Menschen ihre Stelle.

Brasilien ist mit 30% Marktanteil der grösste Kaffeeproduzent, gefolgt von Vietnam und Indonesien.

1997 war der Rohkaffee-Preis so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Dann verursachten Vietnams Verzehnfachung der Produktion und Brasiliens Erholung von den Missernten ein riesiges Überangebot.

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In Kürze

Vier Grosskonzerne kontrollieren über 40% des globalen Kaffee-Handels.

Im Herbst 2004 haben sie sich auf die Grundprinzipien eines Verhaltens-Kodex geeinigt.

Er umfasst Minimumlöhne, Aufhebung der Kinderarbeit und einen Stopp beim Einsatz von giftigen Pestiziden.

Der Kodex basiert auf ähnlichen Initiativen in anderen globalen Branchen wie der Bekleidungs-, Sportartikel- oder der Diamanten-Industrie.

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