Mordstage und Morgenrot

Das Berner Rathaus im Krimi - bereits für Genfer Leserinnen ist das aber nicht mehr die gleiche Region. www.literatur.li

Die Schweizer Krimi-Szene hat mehr zu bieten als die verstorbenen Literaten Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt. Dies zeigen die "Mordstage" und eine neue Anthologie.

Dieser Inhalt wurde am 27. Oktober 2001 - 12:49 publiziert

Alfred Hitchcock soll gesagt haben: "Die Schweiz ist ein wunderschönes Land. Die Seen eignen sich vorzüglich dazu, jemanden zu ertränken, und von den Berggipfeln kann man Unvorsichtige in den Tod stossen."

In 25 Kurzgeschichten zeigen Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftsteller, dass die Phantasie noch viel weiter reicht als zu Seen und Bergen. Sam Jaun, Jürg Weibel, Ulrich Knellwolf, Milena Moser, Peter Zeindler, Alexander Heimann, Roger Graf und viele mehr morden in ihrem soeben veröffentlichten gemeinsamen Buch literarisch mit Hochgenuss.

Dabei sei die Zusammenarbeit keine Selbstverständlichkeit gewesen, berichtet Paul Ott, Herausgeber der Anthologie, gegenüber swissinfo. "Viele kennen einander gar nicht."

Dem wollte Ott, der selber unter dem Pseudonym "Paul Lascaux" verschiedene Krimis veröffentlicht hat, abhelfen. Das Ergebnis: Die Mordstage, ein Treffen von über 40 Schreiberinnen und Schreibern.

Abgrenzung von den Friedrichs

Neben internen Diskussionen über die Zusammenarbeit mit Verlagen und öffentlichen Lesungen - unter anderem an Schulen und in Berner Altstadt-Kellern - geht es auch darum, das eigene Tun zu reflektieren. Denn die Schweizer Krimi-Szene ist noch immer stark beeinflusst von den "Übervätern" Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt.

"Einerseits haben die beiden Friedrichs die Detektiv-Figuren ausserordentlich gut ausgefüllt, es ist schwierig, das heutzutage besser zu machen", sagt Paul Ott. "Andererseits wurde - beispielsweise in Filmen - diese Krimifigur immer wieder aufgewärmt."

Andere Figuren, andere Handlungsweisen, eine andere Art, Texte zu schreiben. Paul Ott selber will sich von der traditionellen "Schiene" der Friedrichs eher entfernen. Gerade wegen der Bekanntheit der "Alten" kein leichtes Unterfangen.

Im eigenen Garten bleiben

Neben den Figuren und der Handlung an sich ist natürlich auch der Ort zentral, an dem die Geschichte spielt. Der Fachbegriff "Regional-Krimi" leuchtet rasch ein. Wenn man als Leserin oder Leser die beschriebenen Hausecken, Dörfer oder Tramstationen kennt, macht das Ganze noch mehr Spass.

Allerdings: Was in Grossstädten Deutschlands durchaus ein lukrativer Markt sein kann, ist in der kleinen Schweiz eher schwierig. Denn für eine St. Galler Leserin ist das Emmental vielleicht weiter weg als Berlin.

Den "Schweizer Krimi" gibt es nicht - dies trotz des Titels der Anthologie "Im Morgenrot", der sich an die Schweizer Nationalhymne anlehnt. Doch die 25 Kurzgeschichten machen klar, dass es dafür viele interessante Schweizer Krimi-Autorinnen und Autoren gibt. Überraschend und individuell.

Eva Herrmann

Im Morgenrot, Hrsg. Paul Ott. Bern, 2001 (ISBN 3-502-51801-7)
Paul Lascaux, Europa stirbt. Bern, 2001 (ISBN 3-935877-11-0)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen