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"Stars and Stripes" Tessiner Spuren in Amerika

Zwischen Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert wanderten zehntausende Tessiner – sei es aus Tradition oder weil sie arm waren – in die USA aus. Die Fotografin Flavia Leuenberger begab sich auf Spurensuche und konnte mehreren Nachkommen dieser Auswanderergeneration begegnen, darunter einigen, die noch Tessiner Dialekt sprechen oder am 1. August die Schweizer Fahne schwingen.

Zu Beginn des Projekts waren es einfache Briefe. Flavia Leuenberger verbirgt nicht, dass sie ziemlich gerührt war, als sie die Erzählungen der Tessiner Emigranten nach Kalifornien las, die vom Historiker Giorgio Cheda in den 1980er-Jahren publiziert worden waren. So kam es, dass sie beschloss, selber Nachforschungen zu erstellen.

Kein einfaches Unterfangen, angesichts der geografischen Distanz und den fehlenden Informationen. "Ich machte eine Liste mit den Familiennamen der Auswanderer, die in den Büchern von Cheda und in anderen Dokumenten vorkamen. Dann suchte ich in den US-Telefonbüchern nach diesen Namen. Ich verschickte mindestens 60 Briefe, aber nur wenige antworteten mir", erzählt die 31-Jährige, die von Swiss Press Photo 2015 in der Kategorie "Porträt" ausgezeichnetexterner Link worden ist.

Wir treffen sie in einer alten Bar im historischen Zentrum von Balerna, einem Tessiner Städtchen, wo sie wohnt, nur einen Katzensprung von der italienisch-schweizerischen Grenze entfernt. Der Kontakt mit den Emigranten und deren Nachkommen sei einfach gewesen, sagt sie. "Die Leute waren begeistert, mich zu treffen. Einige nahmen Tagebücher, Fotografien oder die Koffer von damals hervor." Die meisten der Leute, die sie traf, haben noch immer eine starke Verbindung zum Kanton Tessin, geblieben ist auch die Sprache. "Zu hören, wie sie den Dialekt der Tessiner Täler mit einem englischen Akzent sprechen, ist schon seltsam."

Laut Schätzungen wanderten Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert rund 27'000 Tessinerinnen und Tessiner alleine nach Kalifornien aus, um dort als Melker von Kühen oder als Bauern zu arbeiten. Viele von ihnen konnten später Land erwerben, wie man auf den Bildern von Falvia Leuenberger sehen kann.

Die Porträts, zu sehen im Museum Casa Pessina von Ligornetto, sind das Ergebnis von zwei Reisen in die USA in den Jahren 2013 und 2015.

(Text: Stefania Summermatter, swissinfo.ch; Bilder: Flavia Leuenberger)