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Nicht jeder will den Bären in der Schweiz

Ist ein Zusammenleben von Bär und Mensch in der Schweiz möglich?

(Keystone)

Das neue Bärenkonzept des Bundes wird von Bergregionen, Schafzüchtern und Bauern kritisiert. Für Meister Petz sei schlicht kein Platz

Die Umweltverbände hingegen begrüssen die Bemühungen, den Bären nach über 80 Jahren Abwesenheit in der Schweiz wieder heimisch zu machen.

Dass sich der Bär in der Schweiz wieder niederlassen könnte, stösst nicht überall auf grosse Begeisterung. Das neue Konzept Bär wurde im vergangenen Sommer in Angriff genommen, nachdem erstmals seit über 80 Jahren wieder ein Bär in der Schweiz gesichtet worden war. Es basiert auf dem Grundsatz, dass ein konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Bär in der Schweiz möglich ist.

Im Detail wird sodann festgelegt, wie Konflikte mit Tierzüchtern vermieden werden sollen, wann Problembären vergrämt oder geschossen werden können und wer für allfällige Schäden aufkommt.

Probleme befürchtet

Diesem Regelwerk ist nun in der Vernehmlassung (Konsultationsverfahren) einige Skepsis entgegengeschlagen. Die Wiederansiedelung von Grosskarnivoren in der Schweiz führe nur zu Problemen, die auch mit gut gemeinten Konzepten nicht lösbar seien, schreibt etwa die Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete, der alle Bergkantone und viele Berggemeinden angehören.

"Ein Mit- oder Nebeneinander von Wolf, Bär und Mensch ist in unserem Land eine Illusion", heisst es in ihrer Stellungnahme.

Peppino Beffa, der Präsident des Schweizer Schafzuchtverbandes, sagte im Schweizer Fernsehen, in der dicht besiedelten Schweiz sei schlicht kein Platz für den Bären.

Sehr skeptisch äussert sich auch der Kanton Wallis. Er lehnt namentlich die vorgeschlagene Einteilung der Tiere in unauffällige Bären, Schadbären, Problembären und Risikobären ab, wobei gemäss dem Konzept nur letztere geschossen werden dürfen.

"Sobald ein Bär auffällig wird, ist er zu entfernen", fordert der Walliser Staatsrat. Der Kanton Graubünden, in dem der Bär letztes Jahr verschiedentlich Nutztiere riss, liess sich noch nicht vernehmen.

Hohe Kosten?

Mehrere Vernehmlassungsteilnehmer meldeten Bedenken bezüglich der Kosten an, welche das Bärenmanagement mit sich bringt.

So pocht der Bauernverband darauf, dass die öffentliche Hand vorbehaltlos für alle Schutzmassnahmen sowie für allfällige Bärenschäden aufkommen soll. Das Prinzip der Zumutbarkeit wird abgelehnt.

Zustimmung von Jagd- und Umweltverbänden

JagdSchweiz, der Dachverband der vier Schweizer Jagdverbände, steht im Grundsatz ebenfalls hinter dem Konzept, wie Sekretär Marco Giacometti sagte. Die Jäger fordern aber Anpassungen, darunter eine Ausweitung der Kriterien für einen Abschuss. Ein Abschuss müsse auch möglich sein, wenn ein Jäger von einem Bär bedroht werde.

Pro Natura ist überzeugt, dass ein konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Bär auch hier zu Lande möglich ist. Zentraler Punkt sei dabei, dass die Bevölkerung informiert werde, wie sie sich dem Bären gegenüber korrekt zu verhalten habe.

Heinrich Haller, Direktor des Schweizerischen Nationalparks, bezeichnet das Konzept als Weg zu einem "pragmatischen Umgang des Menschen mit dem Bären".

Der WWF begrüsst die schnelle Reaktion des Bundes auf die Einwanderung des Braunbären ins Bündnerland. Die Umweltorganisation vermisst aber im Konzept eine klare Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit.

Zustimmung auch vom Schweizerischen Tourismus-Verband: Die Gefahr für Anwohner, Touristen und Nutztiere müsse aber mit professioneller Information und Risikomanagement auf ein Minimum beschränkt werden.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Rund 80 Jahre nachdem zum letzten Mal ein Bär gesichtet worden war (1923 im Oberengadin) und 100 Jahre nach dem letzten Abschuss (1. September 1904 im Val S-charl im Unterengadin) hat der Bär 2005 wieder in die Schweiz zurückgefunden: ein Fakt, der enormes Interesse im ganzen Land hervorrief.

Aus dem italienischen Nationalpark Adamello Brenta her kommend, legte der "Schweizer Bär" während mehrerer Monate lange Distanzen im Dreieck Österreich - Italien - Schweiz zurück.

Am 25. Juli 2005 wurde er zum ersten Mal in der Schweiz in der Gegend des Ofenpasses beim Münstertal gesichtet

Am 30. September 2005 wurde "Lumpaz" zum letzten Mal in der Schweiz gesehen.

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