Pakistan: Proteste fordern Tote

Anti-Amerikanische Demonstration in Karachi/Pakistan vom Freitag. Keystone

Nach einer kämpferischen Rede von US-Präsident George W. Bush vor dem Kongress haben in Pakistan Tausende von Moslems gegen die USA protestiert. Bei Zusammenstössen wurden dabei mindestens vier Menschen getötet. Mit einer "starken politischen Botschaft" wollen die EU-Staats- und Regierungschefs ihre Solidarität mit den USA und ihre Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus zum Ausdruck bringen. Angesichts des drohenden Angriffs der USA auf Afghanistan bereiten internationale Organisationen umfassende humanitäre Hilfsaktionen in den afghanischen Nachbarländern vor.

Dieser Inhalt wurde am 21. September 2001 - 20:40 publiziert

Bush bezeichnete in seiner in der Nacht zum Freitag vor dem Kongress gehaltenen Rede Osama Bin Laden mit aller Deutlichkeit als Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September. Er forderte die sofortige Auslieferung durch die Taliban-Regierung in Afghanistan

Die US-Streitkräfte seien in Alarmbereitschaft, "und es gibt einen Grund: Die Stunde naht, in der Amerika handeln wird", sagte Bush. Die Regierungen in aller Welt stellte der US-Präsident vor die Wahl: "Entweder seid Ihr mit uns oder mit den Terroristen."

Ausschreitungen in Pakistan

Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, sagte, die Taliban würden Bin Laden niemals ausliefern. "Wir würden den Islam beleidigen, wenn wir Osama an Amerika übergeben oder aus Afghanistan ausweisen würden", sagte Saif. Sie seien bereit zum "Heiligen Krieg" gegen jeden, der den Islam beleidige.

In Pakistan gingen am Freitag Tausende von Moslems auf die Strasse, um gegen die USA und den pakistanischen Militärherrscher, General Pervez Musharraf, zu protestieren. Bei den zum Teil gewalttätigen Zusammenstössen mit Polizei und Sicherheitskräften kamen mindestens vier Menschen ums Leben.

Rücksicht auf Zivilbevölkerung

Mit einem ausserordentlichen Gipfeltreffen wollten die Staats- und Regierungschefs der EU am Freitagabend ihre Geschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus demonstrieren.

Auch der Schweizer Bundesrat bekräftigte am Freitag seine Entschlossenheit, gegen den Terrorismus resolut vorzugehen und dabei eng mit der internationalen Staatengemeinschaft zusammenzuarbeiten. Ein Missbrauch des schweizerischen Finanzplatzes durch Terroristen werde nicht geduldet.

Gleichzeitig erwartet der Bundesrat, dass bei militärischen Schlägen gegen terroristische Ziele auf die Zivilbevölkerung Rücksicht genommen wird. "Vergeltungsschläge dürfen nicht zu einer Gewaltspirale führen", heisst es in einer Erklärung.

Vorbereitung humanitärer Aktionen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte am Freitag mit, es habe Pläne, um Kriegsverletzte in verschiedenen Nachbar-Ländern zu behandeln und den afghanischen Roten Halbmond bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) will nach Aussage eines Sprechers Unterkünfte für 30'000 Menschen in die Grenz-Regionen bringen. Das Kinderhilfswerk UNICEF kündigte an, dass es Arznei, Zelte und Wasserreinigungs-Tabletten nach Turkmenistan bringen werde. Ähnliche Transporte seien auch nach Pakistan, Tadschikistan und Usbekistan geplant.

Zahl der Opfer steigt

Die Zahl der Vermissten der Anschläge auf das World Trade Center in New York erhöhte sich inzwischen auf 6'333, wie Bürgermeister Rudolph Giuliani mitteilte. Bislang seien 233 Leichen geborgen worden.

Damit stieg die vermutete Gesamtzahl der Anschlagsopfer auf über 6'500. Zuvor war von 5'400 Vermissten ausgegangen worden, für die kaum noch eine Überlebens-Chance besteht. Grund für die deutlich höheren Zahlen sind laut Giuliani die nach und nach eintreffenden Informationen zu den vermissten Ausländern.

Noch immer 70 nicht kontaktierbare Schweizer

Nach Angaben des Schweizer Aussenministeriums (EDA) liegt die Zahl der nicht kontaktierbaren Schweizer Staatsangehörigen weiterhin bei 70. Bei 17 Personen wird befürchtet, dass sie den Anschlägen in den USA zum Opfer gefallen sind.

swissinfo und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen