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Phonak-Fahrer Floyd Landis mit positiver Dopingprobe

Floyd Landis: Grosser Sieger? Sünder in Gelb? Oder beides?

(Keystone)

Der amerikanische Radrennfahrer Floyd Landis, der für das Schweizer Team Phonak am Sonntag die Tour de France gewonnen hat, ist mit einem zu hohen Testosteron-Wert getestet worden.

Sollte sich der Verdacht gegen Landis in der B-Probe bestätigen, droht ihm die Aberkennung seines Tour-Sieges.

Die Schweizer Radsport-Fans haben sich nicht lange über den Sieg des Phonak-Leaders im grössten und wichtigsten Radrennen der Welt freuen können: Nur vier Tage nach dem Gewinn der "Grande Boucle" hat die Schweizer Equipe bekannt gegeben müssen, dass Sieger Landis positiv auf Testosteron getestet worden war.

"Es ist eine Enttäuschung für die Mannschaft, fürs Image des Velosports und für das Image der Tour de France", sagte John Lelangue, Manager und Sportlicher Leiter des Phonak-Teams, am Donnerstag.

Gegenanalyse

Die Probe, die Landis nach seinem fast wundersamen Sieg der 17. Etappe in Morzine abgegeben hatte, habe einen ungewöhnlich hohen Wert des männlichen Hormons Testosteron ergeben, wie das Team Phonak am Donnerstag auf seiner Internetseite mitteilte. Die Schweizer Equipe sei am Mittwoch vom Welt-Radsport-Verband (UCI) informiert worden.

"Landis ist sehr enttäuscht, aber er wird sich zu Wehr setzen", so Lelangue. Der Fahrer werde in den nächsten Tagen eine Gegenanalyse vornehmen lassen, um "zu beweisen, dass dieses Resultat von einem natürlich Prozess herrührt oder ein Fehler in der Auswertung gemacht wurde".

Sensation mit Fragezeichen

Mit seinem Solo-Parforce-Ritt über mehrere Berge versetzte Landis nicht nur seine Konkurrenten, sondern die gesamte Radsportwelt ins Staunen. Denn nur einen Tag zuvor hatte er in der Schlusssteigung nach La Toussuire hinauf einen fürchterlichen Einbruch erlitten.

Dabei hatte er sich im Gesamtklassement einen Rückstand von über acht Minuten eingehandelt. Experten und Fachpresse hatten ihm danach jegliche Chancen abgesprochen, in Paris als Sieger einzufahren.

Es ist das erste Mal in der Geschichte der Tour de France, dass der spätere Sieger während der Rundfahrt positiv getestet wurde. Sollte die B-Probe die Ergebnisse bestätigen, dürfte dem 30-jährigen US-Radprofi in Schweizer Diensten der Sieg aberkannt werden.

Vertrauen, noch...

John Lelangue will erst die Gegenanalyse abwarten, bevor er Floyd Landis verurteilt. Der Belgier sprach dem Fahrer sein Vertrauen aus, wird aber den Ethik-Code der ProTour anwenden und Landis entlassen, falls sich der positive Befund bestätigt.

Gemäss diesem Regelwerk ist Landis bereits jetzt vom Rennbetrieb ausgeschlossen, denn dafür reicht das Verdachtsmoment aus. Im Falle einer positiven B-Probe droht ihm zudem eine zweijährige Sperre, welche gleichbedeutend mit dem Karrieren-Ende sein könnte.

Der Rückzug

Lelangue lieferte auch die Erklärung, weshalb Landis ohne Angabe von Gründen am Mittwoch den Start an einem Rennen in Holland platzen liess, und auch am Donnerstag einem Kriterium in Dänemark fernblieb.

"Als ich die Nachricht erhielt, zog ich ihn sofort vom Rennen zurück, an dem er starten sollte", so der Belgier. "Wir haben viel gesprochen. Jetzt können wir nur noch abwarten." Gemäss Lelangue wird Landis in die USA zurückkehren.

Erholungsfördernd....

Im Peloton sind Testosteron-Pflaster, die sich die Fahrer über die Nacht auf die Hoden kleben, bekannt. Sie ergeben im Dopingtest häufig kein positives Resultat.

Das Hormon Testosteron fördert unter anderem die Regenerationsfähigkeit der Muskeln und vermindert die Anfälligkeit des Körpers auf Infekte, eine der grössten Gefahren für die Fahrer während einer grossen Rundfahrt.

Affaire à suivre

Sollte die B-Probe von Landis die Ergebnisse der ersten Analyse bestätigen, bleibt Landis noch eine Chance: Er muss sich einer Untersuchung unterziehen, um abklären zu lassen, ob der zu hohe Wert des Sexualhormons bei ihm allenfalls natürliche Ursachen hat.

Es sei bekannt, dass ein hoher Wert von vielen natürlichen Parametern herrühren könne, sagte dazu Lelangue. Aber dies müssten die Wissenschafter beurteilen, was einige Zeit in Anspruch nehme.

Tatsächlich ist es schon vorgekommen, dass positiv getestete Athleten nach Erbringung eines solchen Nachweises rehabilitiert worden sind. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass sich nicht nur die Mediziner und Biochemiker mit dem Fall Landis zu beschäftigen haben, sondern auch die Juristen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

In seiner siebenjährigen Geschichte gab es bei Phonak-Equipe bisher 14 Dopingfälle. Involviert waren neun Stars und fünf unbekanntere Fahrer.

2004 "traf" es nicht weniger als drei Phonak-Grössen: den Schweizer Oscar Camenzind, den Amerikaner Tyler Hamilton sowie den Spanier Santiago Perez.

Danach führte Phonak ein strenges Kontrollsystem ein. Die Dopingfälle rissen jedoch nicht ab. 2005 wurde der Spanier Santos Gonzales nach auffälligen Werten entlassen.

Am 2. Juni 2006 suspendierte das Phonak-Team Santiago Botero und den Giro-Zweiten José Enrique Gutierrez, wie später auch dessen Brunder José Ignacio Gutierrez, vom Rennbetrieb.

Der Kolumbier und die Spanier werden mit der spanische Dopingaffäre um Manolo Saiz und den Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht.

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