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Puigdemont: "Schlaumeier" oder "Kapitän eines sinkenden Schiffes"?

Nach Warnungen aus Madrid und Brüssel: Regionalpräsident Puigdemont verschiebt die Ausrufung der Unabhängigkeit Katalaniens vorerst faktisch. Keystone

Die Schweizer Presse beurteilt den Entscheid von Regierungschef Carles Puigdemont, die Abspaltung Kataloniens vorläufig auf Eis zu legen, unterschiedlich. Einigkeit herrscht darüber, dass dadurch der Konflikt um die Abspaltung der spanischen Region noch lange nicht gelöst ist.

Dieser Inhalt wurde am 11. Oktober 2017 - 10:00 publiziert

Tages Anzeiger (TA) und Der Bund finden, Puigdemont habe "schlau, nicht feige" gehandelt, indem er am Dienstagabend ankündigte, am Ziel einer Unabhängigkeit von Spanien festzuhalten, den Vollzug aber vorerst zu verschieben. "Im letzten Moment trat die katalanische Separatistenregierung auf die Bremse", schreiben die Luzerner Zeitung (LZ) und die Aargauer Zeitung (AZ). Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) spricht von einem "Trauerspiel".

"Das ganze erinnert an den Untergang der 'Titanic'", schreibt die NZZ weiter. "Kapitän" Puigdemont wolle nicht wahrhaben, "dass sein Schiff mit dem Namen 'Independencia' mit einem Eisberg zusammengestossen ist". Während oben im Festsaal noch gefeiert werde, liefen auf dem Deck bereits die Gäste davon, "rette sich wer kann, heisst es nun in Katalonien".

Die Zeitungen Tagi und Der Bund sehen das anders: Puigdemont sei als "Schlaumeier" zu verstehen. Er habe der Versuchung widerstanden, Weltgeschichte zu schreiben und "in die Galerie der katalanischen Nationalhelden" aufzurücken. Vielmehr habe er "mit dem Wechsel der Tonalität" nun "Zeit und freie Bewegung gewonnen".

Die Westschweizer Zeitung Le Temps findet, Puigdemont habe mit seiner Ankündigung zwar "die Form gewahrt, grundsätzlich ändert sich aber nichts". Vielmehr hätten die katalanischen Behörden am Dienstag einen weiteren entscheidenden Schritt Richtung Unabhängigkeitserklärung gemacht. La Liberté schreibt, Puigdemont habe "das schlimmste Szenario verhindert", befände sich nun aber in der Position des Schwachen, zwischen dem Amboss der radikalen Separatisten und dem Hammer von Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Geschickte Diplomaten gesucht

Die Kommentatoren erklären Puigdemonts Ankündigung mit der Angst vor einer drohenden Wirtschaftskrise, dem grossen Druck der EU, der spanischen Regierung, aber auch "der katalanischen Bevölkerung, in der die Separatisten keine klare Mehrheit haben", wie die AZ und die NZ schreiben.

Einig sind sich die Zeitungen auch darüber, dass der Konflikt um die einseitige Abspaltung nun nicht vom Tisch, sondern nur aufgeschoben sei. Gefragt sei nun diplomatisches Geschick von allen Seiten. Um aus der Sackgasse herauszufinden, gelte es kehrtzumachen und zurückzukehren zur "Kunst der Politik", so die Westschweizer Tribune de Genève. "Es ist an der spanischen Regierung, den ersten Schritt zu machen, um den unverzichtbaren Dialog herzustellen."

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