Presseschau vom 03.09.2002

Die heisse Schlussphase des Weltgipfels in Johannesburg findet breite Beachtung in den Zeitungen vom Dienstag. Auch die Schweiz und ihr Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung werden gewürdigt.

"Nicht zu klein, um zu handeln", ist der Zürcher TAGES-ANZEIGER überzeugt. Es sei falsch zu denken: Die Schweiz inmitten der mächtigen Staaten dieser Erde: Was kann der Zwerg da schon ausrichten? Die Schweiz, so das Blatt, könne mehr als nur eine Statistenrolle spielen. In der Vorkonferenz zum Gipfel habe eben diese Schweiz den ökologischen Umgang mit Chemikalien auf den Verhandlungstisch gebracht.

Auch Zwerge versetzen Berge

Dieser Inhalt wurde am 03. September 2002 - 09:09 publiziert

"Und gestern verhinderten die Schweizer Delegierten einen folgenschweren Kuhhandel zwischen der Europäischen Union und den Entwicklungsländern, der zu Gunsten des Weltmarktes, aber gegen die Umwelt gewesen wäre", betont der TAGI. Auch Zwerge könnten unter Umständen Berge versetzen.

"Deiss votiert für weltweiten Schulterschluss", titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG im Inlandteil und hebt die positive Zwischenbilanz des Schweizer Aussenministers am Weltgipfel hervor. Auch die Schweizer 'Partnerschaftsinitiative Berge', die Deiss am Montag in Johannesburg lancierte, wird thematisiert.

Das Projekt solle den seit dem Rio-Gipfel vor zehn Jahren unternommenen Anstrengungen neuen Anstoss geben und anderen Ländern eine Plattform bieten, um von den Erfahrungen der Schweiz im Bereich der nachhaltigen Entwicklung in Bergregionen zu profitieren.

"Die Schweiz bleibt dran", schreibt die BASLER ZEITUNG. Der Umweltgipfel Rio sei eine Konferenz der Visionen gewesen, und die Schweiz bemühe sich, mit dem Aktionsplan 'Umwelt und Gesundheit' eine dieser Visionen umzusetzen. Nach Einschätzung eines von der BAZ zitierten Forscherteams sind die Ansätze ermutigend.

Fromme Wünsche

Für die Boulevardzeitung BLICK bietet der Erdgipfel bloss eine gute Nachricht: den Umstand, dass Iraks Vize-Ministerpräsident Tarek Asis in Johannesburg die Rückkehr von UNO-Inspektoren in sein Land nicht mehr ausschloss.

Als "Redenreigen und Formelfeilschen" fasst der Berner BUND die Schlussphase des Gipfels zusammen. "Im Konferenzsaal jagen sich die Erklärungen der Regierungsvertreter; hinter den Kulissen bemühen sich Delegierte je nach Interessen, möglichst viel oder möglichst wenig Substanz in die Schlusserklärung zu bringen, die für Mittwoch geplant ist."

Die Genfer Zeitung LE TEMPS hält nicht viel von den Absichtserklärungen der Staats- und Regierungschefs. Sie seien im Endeffekt nicht mehr als "paroles prudentes et voeux pieux" - vorsichtige Aeusserungen und fromme Wünsche.

Zu einem umstrittenen Kapitel des zu verabschiedenden Aktionsplans, in dem es um Gesundheit und Menschenrechte geht, nimmt die AARGAUER ZEITUNG Stellung: Eine "unheilige Allianz" habe sich nach Aussagen eines deutschen Delegationsmitglieds in der Frage der Bewertung von Abtreibung und der Klitoris-Beschneidung von Frauen herausgebildet. Und zwar von "Fundamentalisten" aus "islamischen Ländern, dem Vatikan und Washington". Hier, so die Zeitung, wäre die Umsetzung des Aufrufs von Kofi Annan zu mehr politischem Mut wünschenswert.

Die BERNER ZEITUNG lässt einige der Kinder zu Wort kommen, die den versammelten Staats- und Regierungschefs in Johannesburg am Dienstag die Leviten lasen:

"Die meisten Politiker hören nicht zu", beschwerte sich etwa die 14-jährige Analiz Vergara aus Ecuador. Oder: "Wir sind enttäuscht, weil zu viele Erwachsene sich mehr für das Geld als für die Umwelt interessieren", sagten die 11-jährige Chinesin Liao Mingyu und der gleichaltrige Justin Friesen aus Kanada vor mehr als hundert Spitzenpolitikern aus der ganzen Welt.

"Ist es denn so schwer, Leute, die die Umwelt kaputt machen, ins Gefängnis zu sperren?", fragte Analiz und erhielt dafür Applaus.

Monika Lüthi

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