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Presseschau vom 12.04.2003

Immer mehr Anarchie in Irak: Dass die Kriegskoalition nichts dagegen tut, wird in allen Zeitungen thematisiert.

Dieser Inhalt wurde am 12. April 2003 - 08:19 publiziert

Völkerrechtlich wären die USA und Grossbritannien dazu verpflichtet, kritisieren die Kommentatoren.

Jetzt herrsche in Irak das Dschungelgesetz, schreibt die BERNER ZEITUNG, denn niemand sorge für Ordnung: Unter dem Titel 'Illusionen und Lügen' kommentiert die BZ:

"Vor drei Tagen noch gelobten Bush und Blair, der UNO eine 'tragende Rolle' bei der Gestaltung der Zukunft des Irak zu übergeben. Jetzt hat Aussenminister Powell klargestellt: Die politische Führung bleibt bei den USA; die UNO darf zahlen, und die Hilfswerke dürfen aktiv werden."

Es gebe derzeit im Land nicht die Spur einer Ordnungsstruktur, und wie in diesem Vakuum eine solche aufgebaut werden solle, sei rätselhaft.

Bagdad für die Aasgeier

"Chaos, Plünderungen, Selbstjustiz - und die Amis schauen tatenlos zu!"

beanstandet der BLICK, und die Genfer Zeitung LE TEMPS titelt:

"Bagdad livrée aux vautours."

Die Hauptstadt werde vor den Augen gleichgültiger US-Soldaten den Aasgeiern - lies Horden von Plünderern - überlassen.

Der Krieg sei noch lange nicht vorbei, heisst es im Berner BUND. Es drohe die Gefahr einer gewaltsamen Zersplitterung der politischen Macht, befürchtet Reinhard Schulze, Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern im Samstags-Interview. Zudem hätten die USA mit ihrer Entscheidung für den Krieg ihre Akzeptanz im Vorderen Orient verspielt, denn:

"Die Araber sind damit konfrontiert, dass wieder jemand anders für sie gehandelt hat. Diese Entmündigung der Araber wird es den Amerikanern schwer machen, als Macht akzeptiert zu werden."

Schlachtfeld der Ideen

Für die BASLER ZEITUNG wurde und wird in Irak nicht nur mit Waffen gekämpft. Das mesopotamische Zweistromland sei in diesen Tagen auch ein 'Schlachtfeld der Ideen':

"Die USA haben den Krieg gewonnen - wo marschieren sie als Nächstes ein?"

Mit scharfen Warnungen an Syrien habe Washington Spekulationen um einen neuen Krieg angeheizt.

"Verführerischer Blitzkrieg"

titelt dazu auch der Zürcher TAGES-ANZEIGER.

"Die US-Streitkräfte verdanken den schnellen Sieg ihrer technologischen Überlegenheit und Flexibilität. Folgen jetzt bald weitere US-Blitzkriege?"

Unter der Regierung Bush habe das Pentagon dem Aussenministerium die Führung entrissen, schreibt der TAGI. Seine Hardliner könnten versucht sein, den Irak-Feldzug als gelungenen Auftakt zu einer ganzen Reihe von Präventivkriegen zu betrachten, mit denen sich die Welt nach US-Interessen neu ordnen liesse. Indes:

"Ob die Welt darob sicherer würde, ist zu bezweifeln."

Kein Imperium Americanum

Ganz andere Ansichten über die amerikanischen Pläne vertritt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Es gebe keine konkreten Anhaltspunkte für präventive Militärinterventionen in Iran oder in Nordkorea:

"Nach der Kraftanstrengung in Irak werden sich 'Hypermacht' und 'Hegemon' ausruhen. Sie werden sich bald der Innenpolitik zuwenden und sich durch Washingtoner Kolumnisten und Verfasser von Artikeln in ehrenwerten Quartalsschriften dabei nicht stören lassen."

Amerikas 'checks and balances' würden nämlich sehr wohl funktionieren, ist die NZZ überzeugt:

"Ein Imperium Americanum gibt es nicht, auch nicht am Horizont, aus dem einfachen Grund, weil die Amerikaner das nicht wollen und sich die übrige Welt damit kaum anfreunden könnte. Wahrscheinlich ist es für alle auch besser so."

swissinfo, Monika Lüthi

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