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Presseschau vom 13.12.2003

Was hat der Genfer Informationsgipfel gebracht? Mehr als erwartet, bilanzieren die Kommentatoren.

Man dürfe auf die Fortsetzung in Tunesien gespannt sein.

Einer habe sich monatelang mit voller Kraft für den Gipfel eingesetzt, schreibt der Berner BUND: nämlich Marc Furrer, der Direktor des Bundesamts für Kommunikation. Ihm sei es ein grosses Anliegen gewesen, die Konferenz zu einem Erfolg zu führen, und er habe dazu nicht einfach den bequemsten Weg gewählt, sondern sich dafür eingesetzt, dass die Vertreter der Nichtregierungs-Organisationen bei der Vorbereitung aktiv mitwirken konnten:

"Er pochte darauf, dass Meinungs- und Pressefreiheit thematisiert wurden. Beide Punkte haben Eingang in die Schlusserklärung gefunden."

Zwar seien Kernpunkte wie die Finanzierung von Radio, Telefon und Internet in den Entwicklungsländern auf später verschoben worden, und vieles andere bleibe vorläufig offen, relativiert der BUND:

"Wenn man aber an die letzte WTO-Konferenz denkt, ist es bereits ein Erfolg, dass in Genf überhaupt eine Erklärung zustande kam. Der Start zum Weltinformationsgipfel ist geglückt. Es bleibt zu hoffen, dass er im November 2005 in Tunis eine erfolgreiche Fortsetzung findet."

"Wenn Wissen Luxus ist"

Wissen sei Macht, zitiert die BASLER ZEITUNG ein bekanntes Diktum. Doch schon die Folgerung, dass, wer viel wisse, zwingend mächtig sein müsse, sei falsch. Es komme eben darauf an, was man wisse und wie man das Wissen einsetze. Und so, wie Macht umstritten sei, würden auch um Wissen Kriege geführt, das sei nicht erst seit James Bond bekannt. Der tiefe Graben zwischen Reich und Arm habe sich auch in der Informationsgesellschaft aufgetan:

"Während wir in den Industrieländern am liebsten nichts mehr wüssten von Hunger, Kriegen, Krankheiten und rasch weiterzappen, schauen die Menschen in den Entwicklungsländern noch ganz genau hin. Doch fast überall, wo sie hinhören, zuschauen, surfen, strömt ihnen eine westlich dominierte Kultur entgegen."

In Genf habe man sich nun darauf einigen können, dass bis 2015 über die Hälfte der Weltbevölkerung Zugang zu modernen Kommunikations-Technologien haben soll. Doch, so die BAZ:

"Über den Sinn solcher Absichtserklärungen lässt sich streiten. Heute hungern weltweit mehr Leute als im Jahr 2000, als der UNO-Millenniumsgipfel unter vielem anderem festschrieb, den Hunger bis 2015 halbieren zu wollen."

Trotzdem seien solche Konferenzen wichtig:

"Sei es auch nur, damit in unserer Informationsgesellschaft der Blick für die ernüchternden Realitäten geschärft wird."

Magna Charta statt Minimalkonsens



Davon ist auch die BERNER ZEITUNG, BZ überzeugt. Es sei höchste Zeit, dass die Diskussion um die Informationsgesellschaft endlich begonnen habe, und mit der Teilintegration von Nichtregierungs-Organisationen sei ein zukunftsträchtiges Modell eingeführt worden. Aber nur mit einem "beherzten Effort aller" könne in Tunis statt eines dürftigen Kompromisses eine "Magna Charta der Wissensgesellschaft" entstehen.

Die Bilanz des Gipfels sei eher befriedigend, findet die Genfer Zeitung LE TEMPS; aber sie vermöge die noch zu meisternden Herausforderungen nicht zu verdrängen. Einige grosse Fragen seien offen, aber:

"Au moins la planète a décidé de s'y confronter" – die Welt habe wenigstens beschlossen, sich ihnen zu stellen.

Bis zur Überwindung der digitalen Kluft sei noch ein weiter Weg zu gehen, schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Es brauche eine differenzierte Analyse der möglichen Aktionen, und man dürfe besonders auf die Fortsetzung des Gipfels in Tunis gespannt sein:

"Es ist nämlich ein offenes Geheimnis, dass es in diesem Land um die Meinungs- und Pressefreiheit desolat bestellt ist. Da die Herstellung dieser Menschenrechte zu den Kernforderungen des Informationsgipfels zählt, wird Tunis eine wichtige Nagelprobe für die hehren Absichtserklärungen sein."

swissinfo, Monika Lüthi

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