Presseschau vom 18.08.2003

Die erleichterte Einbürgerung von Ausländern der zweiten und dritten Generation und das vom Ständerat abgelehnte Rekursrecht bei der Einbürgerung sind zwei Hauptthemen vom Mittwoch.

Dieser Inhalt wurde am 18. Juni 2003 - 09:21 publiziert

Viel zu schreiben gibt auch der angekündigte Abgang des Zürcher Schauspielhaus-Intendanten Christoph Marthaler.

Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat Erleichterungen bei der Einbürgerung zugestimmt. Dies wurde von allen Zeitungen positiv aufgenommen.

Dass das Volk aber Ausländern weiterhin das Bürgerrecht aus reiner Willkür verweigern darf und diesen kein Rekursrecht zusteht, wird von mehreren Kommentatoren zum Teil scharf kritisiert. Das Schweizer Bürgerrecht müsse etwas ganz besonderes sein, heisst es im Zürcher TAGES-ANZEIGER:

"In der Schweiz gibt es keinen Schutz vor willkürlichen und diskriminierenden Entscheiden. Einbürgerungs-Kandidaten dürfen ohne Angabe von Gründen abgewiesen werden, auch wenn sie alle gesetzlichen Bedingungen erfüllen, seit Jahren hier leben und gut integriert sind. Hat das Volk bei Einbürgerungen das letzte Wort, darf es rassistischen Gefühlen freien Lauf lassen."

Der Verzicht auf ein Beschwerderecht sei falsch, findet auch der Berner BUND:

"Dass in Emmen oder Schwyz Bosnier, Albaner und Türken oft nur Aussicht auf den roten Pass haben, wenn sie vom Stimmvolk irrtümlicherweise für Italiener gehalten werden, ist rechtsstaatlich nicht vertretbar."

Taktischer Beschluss?

Dennoch sei der Entscheid der kleinen Kammer verständlich, schreibt der BUND weiter. Damit werde das Einbürgerungspaket vermutlich auf das Volksverträgliche zurückgestutzt.

"Die SVP mit ihrem Instinkt für den Volkszorn würde im Referendumskampf die angebliche Beschneidung der Volksrechte gnadenlos auszuschlachten wissen. Wenn der Ständerat mit dem Verzicht den Einbürgerungs-Erleichterungen für Kinder und Jugendliche effektiv zum Durchbruch verhilft, ist der fehlende Willkürschutz zu verschmerzen."

Vorsicht sei angebracht, schreibt die AARGAUER ZEITUNG. Denn: "Ausländerpolitik - egal in welchem Bereich - ist in der Schweiz mit Minen gepflastert. Eine banale Tatsache - sie zu ignorieren, führt aber regelmässig zum Schiffbruch. Manchmal sogar dann, wenn vorsichtig gefahren wird."

Laut der BASLER ZEITUNG wurde mit dem Streichen des Rekursrechts das "Herzstück herausgebrochen". Taktisch möge der Entscheid zwar nachvollziehbar sein:

"Das Bürgerrecht ab Geburt für Personen der dritten Ausländer-Generation, das ius soli, könnte sich in der Volksabstimmung schon als genug hohe Hürde erweisen. Also wollte man das Fuder nicht überladen."

Marthaler geht

Das Fuder endgültig überladen ist offenbar am Zürcher Schauspielhaus. Was noch vor einem Jahr abgewendet werden konnte, tritt nun doch ein: Marthaler verlässt, aus "gesundheitlichen Gründen" wie er sagte, das Schauspielhaus.

"Jetzt geht Marthaler doch. Nicht weil ihn der Verwaltungsrat rausschmeisst, sondern aus eigenem Entschluss. Verrät er damit nicht die vielen, die sich für ihn lautstark und witzig eingesetzt haben?", fragt der TAGES-ANZEIGER.

Marthaler sei gescheitert, weil das Zürcher Schauspielhaus unter dem "international längst gefeierten Theaterzauberer" eigentlich von Anfang an über die Verhältnisse gelebt habe, schreibt die AARGAUER ZEITUNG:.

"Aber auch ein Marthaler soll und kann als künstlerischer Direktor mit einem keineswegs unbescheidenen Etat hervorragendes Theater machen."

Schwierige Zukunft

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG bangt nach dem angekündigten Abgang des schillernden Direktors um die Zukunft:

"Ein Nachfolgeteam für die vakante Intendanz zu finden, wird nicht einfach sein. Schon droht das Gespenst einer 'Sanierungsfigur', die ihren Einstand mit Personal-Entlassungen feiern müsste. Kein verlockender Posten."

Nicht gerade zart angepackt wird der scheidende Direktor vom Boulevard-Blatt BLICK: Marthaler sei ein Regisseur, aber kein Intendant:

"Ein Intendant ist auch ein Gastgeber, der sein Publikum mag und der selber greifbar ist. Marthaler ist das Gegenteil. Er hat um sich und seine Clique eine Hülle der künstlerischen Unantastbarkeit gewoben. Aus dieser Position heraus ist es leicht, immer neues Geld zu fordern."

Laut dem BLICK ist nun der Verwaltungsrat gefordert. Er müsse nun einen Intendanten auswählen, der auch Gastgeber sei und sein Publikum möge:

"Denn Zürich kann auswählen. Die Konditionen am Schauspielhaus sind für deutsche Verhältnisse traumhaft."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

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