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Presseschau vom 20.12.2003

Die politische Arbeit der abtretenden SP-Präsidentin Christiane Brunner wird in der Presse wohlwollend gewürdigt.

Den Zeitpunkt für ihren Rücktritt habe die Genferin ebenfalls gut gewählt.

"So wie sie die ganzen Jahre über aufgetreten war, tritt sie ab: nicht laut, aber deutlich, nicht verbittert, aber besorgt, dabei mit einem Lächeln, bei dem man nicht recht weiss, ob es Schüchternheit signalisiert, schlaues Tiefstapeln oder Bescheidenheit", beschreibt der TAGES-ANZEIGER die Ankündigung ihres Rücktritts.

Richtigen Zeitpunkt gefunden

Klar ist, wenigstens für den BLICK: "Der Rücktritt ist ihr letzter Coup." Auch der welsche LE TEMPS titelt zum Abtreten der 56-jährigen Genfer Ständerätin und Gewerkschafterin: "Un départ bien agendé – Ein gut terminierter Abtritt."

Das konstatiert auch der TAGI: "Christiane Brunner hat den Zeitpunkt gut gewählt: Kurz nachdem ihre Partei die Wahlen mit gewonnen hat, der Bundesrat aber überdeutlich nach rechts gerückt ist, kündigt sie ihren Abgang an. Aus persönlichen und politischen Gründen, sagt sie. Übersetzt heisst das: Sie mag nicht mehr, und schon gar nicht in dieser politischen Konstellation."

Sie hatte ihren Rücktritt bereits früher per Ende Oktober 2004 angekündigt, jetzt will sie aber schon am ausserordentlichen Parteitag im kommenden März abtreten. Das war schon länger vermutet worden, ist jetzt aber Gewissheit.

SP vor Richtungs-Entscheiden

Der BLICK zu den Gründen dieses früheren Termins: "Brunner will die Vorwarnzeit für Querschläger in der SP verkürzen, die sie daran hindern könnten, ihr Erbe in ihrem Sinne zu regeln."

Denn der Parteitag wird ein wichtiger werden für die SP, meint die BERNER ZEITUNG: "Es wird entschieden, ob die SP in die Opposition gehen – was von Brunner abgelehnt wird – oder im Rahmen der Konkordanz Widerstand leisten soll."

So kommt der BLICK zum Schluss: "Es war keine überstürzte Frust-Reaktion, sondern ein von taktischem Kalkül geprägter Überraschungs-Coup."

Wohlwollennde Würdigung

Grund für Frust hat sie auch nicht, wenn man die Würdigung ihrer politischen Arbeit anschaut. Der BUND aus Bern schreibt: "Brunner hat ihren Job erfüllt: Der ärgste innerlinke Kannibalismus ist vorbei. Die verschiedenen Grüppchen reden wieder miteinander. Das organisatorische Chaos ist gebannt."

Auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG stellt der Fast-Bundesrätin ein gutes Zeugnis aus: "Ohne die charismatische Genferin wäre nach der internern Schlammschlacht, die schliesslich zum Putsch gegen die Vorgängerin Ursula Koch führte, kaum so rasch Ruhe unter die Genossen eingekehrt. Brunner setzte noch vor Amtsantritt straffere Parteistrukturen durch und suchte sich das Führungsteam quasi im Alleingang aus."

Die Sonnenfrau ist müde

Die BERNER ZEITUNG hätte aber in den letzten Jahren mehr von der Integrationsfigur Brunner erwartet: "Sie hat die Matchbälle, welche die Partei [bei den Wahlen] in diesem Herbst hätten zur stärksten Partei machen können, nicht verwertet. Rezession, Abzocker-Skandale, Hitzesommer: Daraus hätte ein Politfuchs wie [Ex-SP-Parteipräsident] Peter Bodenmann zusätzliche Wählerprozente generiert."

Die BZ zieht das Fazit über die Gewerkschafterin, die am Frauenstreiktag 1991 mit der goldenen Sonne am Revers erstmals nationale Bekanntheit erlangte: "Die einstige Sonnenfrau ist müde."

swissinfo, Philippe Kropf

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