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Presseschau vom 22.12.2003

Bewährt sich die Bush-Doktrin doch? Trotz der vordergründigen Erfolge in Irak, Iran und jetzt auch Libyen bleibt die Schweizer Presse skeptisch.

Inland-Thema Nummer Eins ist das Debakel der Schweizer Ski-Männer.

"Geht’s noch schlechter?" fragt der BLICK und meint damit die "grösste Schlappe in der Geschichte des Weltcups seit 1967". Nicht einen einzigen Podestplatz hätten die Schweizer Ski-Stars in 13 Weltcuprennen erreicht, beklagt das Blatt. Als Hauptschuldige am Scherbenhaufen sieht der Kommentator des Boulevardblatts die "Ski-Bosse":

"Die Swiss-Ski Direktion liess sich Karl Frehsner andrehen, den man bei den österreichischen Frauen nicht mehr haben wollte. Swiss-Ski wurde vor dieser wenig zukunftsweisenden Lösung gewarnt."

Aber Präsident Duri Bezzola und Direktor Jean-Daniel Mudry hätten die Warnungen in den Wind geschlagen und trügen jetzt die Verantwortung.

Ein mentales Problem

Der Zürcher TAGES-ANZEIGER sieht das etwas anders: Trainerwechsel oder Strukturänderungen in den Verbänden seien nicht die Lösung. Das Problem liege anderswo. Andere Länder hätten weder geografisch noch finanziell bessere Voraussetzungen. Aber in Österreich, Deutschland oder Skandinavien habe der Leistungssport in der Gesellschaft einen viel grösseren Stellenwert:

"Ausländische Beobachter können auch nicht begreifen, wie wichtig es für viele Schweizer ist, dass Wimbledon-Sieger Roger Federer seinen Militärdienst leisten sollte. Das ist unverständlich."

Erfolgreiche Sportler seien ideale Werbeträger für ihr Land und gehörten konsequent gefördert – oder man dürfe keine überhöhten Erwartungen an sie stellen, kommentiert der TAGI. Im Bereich Spitzensport habe die Schweiz vor allem ein mentales Problem, und solange sich dies nicht ändere, sei man hier zu Lande immer auf Ausnahmetalente und auf "lichte Momente" angewiesen.

Für die BASLER ZEITUNG braucht der Schweizer Skisport neue Impulse, denn die Misere treffe mehr oder weniger fast alle Sparten. Die "Zusammenarbeitskultur" müsse stark verbessert werden, zitiert die BAZ Gian Gilli, den Chef Leistungssport von Swiss Ski. Es dürfe nicht sein, dass Machtkämpfe und Protektionismus auf dem Buckel der Athleten ausgetragen würden.

Das überraschende Comeback Ghadhafis

Nichts sei so gross wie die Freude der Gerechten über einen reuigen Sünder, kommentiert die BERNER ZEITUNG, BZ, den Verzicht des Revolutionsführers Muammar Ghadhafi auf Massenvernichtungs-Waffen. In Tat und Wahrheit sei dieser Verzicht aber der "Schlussstein einer Brücke zum Westen", an der Ghadhafi schon seit Jahren baue.

Tripolis verspreche sich von diesem Canossa-Gang den "totalen Ablass", schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, das heisst eine radikale Öffnung des Westens für freundschaftliche Zusammenarbeit und eine regionale Abrüstungsdynamik, welche auch die Nuklearmacht Israel umfassen soll:

"Triebfeder ist anderseits die wohl von Nelson Mandela vermittelte Einsicht, dass Drittweltstaaten mit Massenvernichtungs-Waffen keine Aufstiegschancen in der modernen Welt haben."

Ein "wilder Hund" werde zahm und stärke damit seine eigene Position, berichtet die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Libysche Oppositionelle seien überzeugt, dass der "wundersame Wandel" des exzentrischen Obersten vom radikalen Anti-Imperialisten zum menschenfreundlichen, den Westen umarmenden Staatsmann reine Überlebens-Strategie sei.

Amerikanische Weihnachten

Nach einem beunruhigenden Herbst sei Präsident Bush nun eine aussergewöhnlich gute Woche beschert worden, kommentiert die Genfer Zeitung LE TEMPS:

"Saddam Hussein est à sa merci. La Libye se met à genoux. L'Iran accepte ce qu'il refusait naguère." Saddam Hussein sei in seiner Gewalt. Libyen gehe in die Knie, und Iran akzeptiere, was es zuvor immer verweigert habe.

Da könne man wirklich von amerikanischen Weihnachten sprechen.

Die Welt sei in den letzten Tagen etwas sicherer geworden, aber nicht wegen Bushs Coups gegen Saddam und Ghadhafi, bilanziert der Berner BUND. Am Donnerstag habe die potenzielle Atommacht Iran das Zusatzprotokoll zum Atomwaffen-Sperrvertrag unterzeichnet. Das Ereignis sei kaum beachtet worden – weshalb sei klar:

"So lässt sich weniger gut Propaganda treiben als mit spektakulären 'Schrukenstreichen'".

Eiskalte Machtpolitik

Gut gepokert habe der libysche Diktator, schreibt die AARGAUER ZEITUNG, denn der Geächtete stehe nun vor einem Comeback. Uneigennützig sei das nicht: Washington brauche Partner in der Region, die US-Wirtschaft möchte im libyschen Ölsektor investieren. Und Tripoli brauche Hilfe bei der Ausbeutung seiner Öl- und Gasvorkommen:

"Der einstige Schurke wird zum Verbündeten. So funktioniert eiskalte Machtpolitik. Ghadhafi beherrscht dieses unschöne Spiel offensichtlich besser als Saddam."

swissinfo, Monika Lüthi

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