Presseschau vom 23.12.2002

Ein schärferes Waffengesetz ist in der Schweiz offenbar chancenlos. Ein Thema, das von vielen Zeitungen aufgegriffen wird. Auch von gefährlichen internationalen Konfliktherden ist die Rede.

Dieser Inhalt wurde am 23. Dezember 2002 - 10:07 publiziert

Und dann gibt's noch Sport: Um YB geht's und um Simi...

"Waffengesetz - zum Abschuss frei."

So lautet die Schlagzeile in der BERNER ZEITUNG. "Das revidierte Waffengesetz mit seinen strengeren Vorschriften stösst auf breiten Widerstand. Vor allem bei den bürgerlichen Parteien, den Schützen und der Waffenlobby", schreibt die BZ.

"Entwaffnung des Volks": Genau das wollten die Bürgerlichen, die Wirtschaft und die Waffenlobby nicht, heisst es im Berner BUND. "Die Revision des Waffengesetzes stösst auf breiten Widerstand. Den Bürgerlichen ist sie zu scharf, den Linken zu zahm."

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG spricht von einem "Links-Rechts-Graben".

SVP, FDP und Economiesuisse würden den Entwurf der Waffengesetz-Revision zurückweisen, schreibt der Zürcher TAGES-ANZEIGER. Unbestritten sei einzig, dass Imitationswaffen dem Gesetz unterstellt werden. Für den TAGI bleibt das Waffengesetz jedenfalls "heiss umstritten".

Die BASLER ZEITUNG geht einen Schritt weiter. Für sie ist ein schärferes Waffengesetz gar "chancenlos".

Einen anderen Aspekt bringt die Westschweizer Zeitung LE TEMPS. Die Opposition gegen eine Revision des Gesetzes werfe dem Bund vor, sich Kompetenzen anzueignen, die den Kantonen obliegen würden: "Les opposants à la réforme légale en consultation reprochent à la Confédération de s'attribuer des compétences cantonales."

Gefährliche Konfliktherde

Die neusten Entwicklungen in Sachen Irak würden jenen Auftrieb geben, die überzeugt seien, der Krieg sei beschlossene Sache, Bush suche nur noch nach Gründen, um ihn gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, heisst es in der NEUEN LUZERNER ZEITUNG.

Solange keine Bombe eingeschlagen hat, besteht für die NLZ jedoch Hoffnung. Und das Blatt schreibt: "Die traditionellen US-Verbündeten müssen Bush eindeutiger als bisher klar machen, dass ihre Solidarität zwar unverbrüchlich ist, aber nur so lange, wie sich die USA an die Spielregeln der UNO halten."

"Welche Bilder wird uns wohl der Krieg liefern, auf den wir seit längerem vorbereitet werden?", fragt der TAGES-ANZEIGER in seinem Kommentar "Im Schatten der Aktualität". Und damit meint der TAGI die Lage im Balkan, wo schon wieder eine Präsidentenwahl gescheitert ist infolge Verfehlens der nötigen 50-prozentigen Wahlbeteiligung, und zwar in Montenegro.

Der TAGI erinnert daran, dass in der grösseren jugoslawischen Teilrepublik Serbien bereits zwei Anläufe zur Wahl eines Präsidenten an der Mindestbeteiligung von 50 Prozent gescheitert sind. "Der Balkan ist auf der Prioritätenliste der internationalen Politik weit nach hinten gerutscht", schreibt das Blatt und warnt vor "Demokratieverhinderern", die in Südosteuropa "wieder im Schutz des weit gehenden Desinteresses der internationalen Medien und der Politik agieren".

Der TAGES-ANZEIGER schreibt, für die EU sei der Balkan nach der Osterweiterung die nächste aussenpolitische Herausforderung. Dazu brauche es Konzepte, Visionen und eine deutliche Sprache gegenüber den Boykott-Politikern. Allerdings: "Nichts davon ist wirklich erkennbar. So wird der Balkan ein gefährlicher Konfliktherd bleiben."

Mit neuen Leuten in die Zukunft

Für die beiden Berner Zeitungen DER BUND und BERNER ZEITUNG ist der lokale Fussballclub Young Boys ein Thema.

Während sich die zurückgetretenen Fredy Bickel (YB-Sportchef) und Heinz Fischer (YB-Präsident), aber auch die enttäuschten Fans "immer noch die Wunden lecken", werde hinter den Kulissen der Wiederaufbau des Nationalliga-A-Vereins mit neuen Leuten vorangetrieben, darunter EM-Chef Thomas Helbling, schreibt die BERNER ZEITUNG und meint: "Zur Beschwichtigung des YB-Umfelds, insbesondere der Fans, sind nicht nur bernische Lösungen gefragt, sondern auch kompetente Sympathieträger."

Und DER BUND weiss ganz genau, wen sich YB jetzt als Vorbild nehmen sollte: den SCB, den Schlittschuh Club Bern. "Die Valora Holding AG hat den SCB nach der Übernahme (1999) erst knallhart nach wirtschaftlichen Gesetzen kommandiert, inzwischen die Eigenart des Sports, in dem 1 + 1 nicht immer 2 ergibt, gelernt und dem SCB jene Stabilität verliehen, die YB benötigt."

Fliegt nicht mehr

"Simi: Nur noch Kasse statt Klasse?", fragt der BLICK besorgt. Es geht natürlich um "den Doppel-Olympiasieger, den Sportler des Jahres, den Mann des Jahres, den Dauergast in TV-Sendungen, den umschwärmten Werbeträger Simon Ammann", dessen sportliche Leistungen derzeit zu wünschen übrig lassen.

Dieser 21jährige Simon Ammann ist für den BLICK zwar "der Liebling der Nation", der auch noch einen neuen Sponsoring-Vertrag erhalten hat. "Aber er fliegt nicht mehr."

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen