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Presseschau vom 26.11.2002

Der temporäre Waffenstillstand beim Briefpost-Zentren-Konflikt zwischen der Chef-Etage des "Gelben Riesen" einerseits und den Gewerkschaften und Regionen andererseits, beschäftigt die Schweizer Presse.

Dieser Inhalt wurde am 26. November 2002 - 10:50 publiziert

Abstimmungsnachwehen und die Hitparade der reichsten Schweizer füllen weitere Zeitungsspalten.

"Postspitze hat nichts gelernt", urteilt der BUND. Er spricht dabei auf den vor drei Jahren angekündigten Abbau von Poststellen an, der wie die jüngst bekannt gegebene Reduzierung der Briefzentren einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatte.

"Die Gewerkschaften sehen sich als Sieger. Die Post-Spitze ist heute die Verliererin - weil sie die Wirkung ihres Projektes falsch einschätzte."

Den wirklichen Verlierer ortet der BUND aber beim Bund: "Wenn die Politik der Post im Interesse der Regionen unrentable Strukturen aufzwingt, muss höchstwahrscheinlich der Bund eines Tages dafür bezahlen."

Nicht ohne leise Bewunderung schreibt die BASLER ZEITUNG: "Man wird den Verdacht nicht los, dass der gewiefte Taktiker Gygi zunächst mal den Finger in den Wind hielt, um die Temperatur zu messen. Eine postalische Vernehmlassung im öffentlichen Raum sozusagen."

Das "Aber" schiebt die BAZ denn auch gleich nach: "Besonders elegant wirkt das nicht, und es ist doch erstaunlich, wie schnell die scheinbar unaufschiebbare Reform portionenweise zurückgenommen wurde."

Die Genfer LE TEMPS urteilt: "Le Patron de La Poste, Ulrich Gygi, a provoqué une onde de choc dans tout le pays. Ce n'était peut-être pas innocent, car cette onde de choc a déclenché un débat national qui dépasse le cadre strict de la distribution du courrier." - Post-Chef Ulrich Gygi hat eine Schockwelle im ganzen Land ausgelöst. Er hat das vielleicht mit Absicht getan, damit diese Schockwelle eine nationale Debatte auslöst, die weit über den starren Rahmen der Briefpost hinausgeht.

Sonderfälle und Sonderlinge

Die knappe Verwerfung der Asyl-Initiative vom vergangenen Wochenende steckt immer noch in den Hirnen gewisser Kommentatoren. Der TAGES ANZEIGER blickt über die Grenze: "Im Urteil andere Länder mutierte die Schweiz längst vom Sonderfall zum Sonderling."

Der TAGI meint weiter, dass dies aus der nationalkonservativen Sicht der SVP überhaupt keine Rolle spiele: "Mit dem Chauvinismus von Stammtischrunden hält man sich an den Leitspruch: Was kümmert es den stolzen Eidgenoss, wenn andere ihn kritisieren?"

Ein dickes und dankerfülltes Lob schickt der TAGI über den Röstigraben: "Immerhin, am Wochenende hat die Schweiz nochmals funktioniert. Dank ihrer Vielfalt. Dank der Romandie, die noch nicht nationaler Bockbeinigkeit anheim gefallen ist. Für ihr entschiedenes Nein sagt jener Teil der Deutschschweiz, der in die Minderheit versetzt wurde, herzlich Danke schön."

Gestern reich - heute arm

Glücklicherweise berichtet die Presse nicht nur von den Niederungen der Realpolitik. Alljährlich tritt das Wirtschafts-Magazin BILANZ mit der Liste der 300 reichsten Schweizer an die Öffentlichkeit.

Die AARGAUER Zeitung schreibt: "Ein 'Möbelverkäufer' liegt an der Spitze"

Gemeint ist damit IKEA-Gründer Ingvar Kamprad. Die AZ hat weiter herausgefunden, dass es den Superreichen an den Gestaden des Genfersees am wohlsten ist.

Die Titelseite des BLICK ziert die fette Schlagzeile: "Udo Jürgens stinkreich - Martin Ebner mausarm".

Das Boulevardblatt stellt fest, dass die wirklich Reichen nun wieder unter sich sind. "Martin Ebner und andere Börsen-Gewinnler fielen aus der Hitparade der reichsten Schweizer".

Die BLICK-Wirtschaftschefin hat sich sogar hingesetzt und gerechnet: "Die 300 Reichsten in der Schweiz besitzen pro Kopf über 1,1 Milliarden Franken. Dafür muss eine Verkäuferin oder ein Schreiner 2500 Jahre arbeiten"

Gewisse "Möbelverkäufer" schaffen das jedoch in bedeutend kürzerer Zeit.

swissinfo, Etiennne Strebel

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