Presseschau vom 28.01.2003

Krieg ja oder nein? Nach der zwiespältigen Irak-Bilanz der UNO-Waffeninspektoren bleibt die Lage für die Zeitungen vom Dienstag weiterhin unklar.

Dieser Inhalt wurde am 28. Januar 2003 - 08:39 publiziert

Die Welt warte auf Amerikas Antwort - und es werde wohl zu einer Gnadenfrist für Irak kommen, vermuten die meisten Kommentatoren

"Viele Verdachtsmomente, aber keine rauchenden Colts", umschreibt die BASLER ZEITUNG das Ergebnis des vorläufigen UNO-Berichts über den Irak. Spektakuläre Funde seien keine gemacht worden. Doch herrsche in der Frage der Produktion und des Verbleibs verbotener Waffen manche Unklarheit, weshalb eine Fortsetzung der UNO-Mission nützlich wäre.

"Mehr Zeit für Inspektionen", wünscht auch die BERNER ZEITUNG, BZ, denn der von Hans Blix und Mohammed el-Baradei vorgelegte Bericht liefere keinen eindeutigen Beweis dafür, dass der Irak noch immer im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Fazit:

"Für einen Krieg auf der Grundlage der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats reichen die Erkenntnisse der beiden Chefinspektoren nicht." Allerdings sei die Kriegsgefahr bloss aufgeschoben und nicht aufgehoben, denn:

"Eine Verlängerung des Mandats der UNO-Inspektoren ist grundsätzlich begrüssenswert, doch damit die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts zu verknüpfen, ist illusorisch", ist die BZ überzeugt.

Wie aus der Sackgasse?

In eine Sackgasse sei die Irak-Politik des Westens geraten, kommentiert der BUND aus Bern:

"Die jetzt geführte Debatte ist, genau besehen, die Fortsetzung jener, die seit Mitte der Neunzigerjahre geführt wird: Wie kann Saddam Hussein gezähmt werden? Das im August 1991 verhängte Embargo erwies sich als Fehlschlag, und die 1996 von Bagdad akzeptierte Lockerung hat vermutlich das Regime gestärkt."

Für den Zürcher TAGES-ANZEIGER wäre ein Weg aus der Sackgasse Vertrauen in die Vereinten Nationen: "UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat der gemeinsamen Sorge einen Nenner gegeben. Wo sich alle bedroht sehen, gelte es, das System der kollektiven Sicherheit zu stärken. Annan redet damit einem rationalen Weg der Friedenssicherung das Wort."

Der UNO vertrauen

Den UNO-Inspektoren im Irak die Zeit zu geben, die sie zur Ausräumung der Zweifel brauchten, bedeute auch, das kollektive Sicherheitssystem zu stärken. Der TAGI weiter:

"Vertrauen jetzt - und zwar in die UNO, möchte man deshalb Colin Powell zurufen."

Es dürfe keinen Krieg geben ohne Beweise, fordert die AARGAUER ZEITUNG und kommt zum Schluss: "Bei aller Gefährlichkeit der Irak-Krise - sie ist auch eine Chance für die UNO, sich als legitimierte Konfliktbewältigerin zu beweisen."

Ähnlich argumentiert die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Es stehe nirgends geschrieben, dass der einzige Ausweg aus der Krise ein sofortiger Angriffskrieg sei. Den UNO-Inspektoren sei es schliesslich schon einmal gelungen, einen Grossteil von Saddams Waffen unschädlich zu machen. Das scheine vergessen:

"Wohl, weil dies allein die Vorherrschaft der USA im Mittleren Osten nicht sicher stellt."

Börse oder Krieg?

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG betont die Talfahrt an Europas Börsen als Folge der Kriegs-Angst. Auch der BLICK titelt: "Es kracht an den Börsen". Die Irak-Krise sei schuld an der Misere.

Wozu denn ein Krieg gegen Irak gut wäre, fragt die Genfer Zeitung LE TEMPS. Um ein unerträglich gefährliches Regime zu stürzen, sei nur die rationelle, offizielle Begründung. Es gebe da noch eine andere - emotionale und perverse -Logik: Ein Krieg werde jeden Tag wahrscheinlicher, weil "die Märkte" gegen Ungewissheit allergisch seien und entsprechend reagierten.

Aber zu glauben, dass ein Krieg einen aussichtsreicheren Neubeginn ermögliche - das sei vielleicht der grosse Trugschluss:

"Croire que la guerre permettra de repartir de plus belle en 2004, c'est peut-être ça le grand leurre."

swissinfo, Monika Lüthi

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