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Rauchverbot verdirbt Spiellaune

Zigaretten- und Zigarrenverbot beim Pokern: Für Casinos schlimmer als Bankenkrise. Keystone

Erstmals seit der Konzessionierung verzeichnete der Schweizer Casino Verband einen Rückgang des Spielertrags. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Ertrag 2008 in der Schweiz um 3.5% zurück. Mitverantwortlich dafür sind die Rauchverbote.

Dieser Inhalt wurde am 14. Mai 2009 - 12:58 publiziert

"Die Wirtschaftskrise, die Internet-Glücksspielangebote und die Pokerturniere Dritter haben ebenfalls zur Reduktion der Umsätze in den Casinos beigetragen", meint der Präsident des Schweizer Casino Verbandes, Daniel Frei zum Umsatzrückgang von 31,6 Millionen Franken im letzten Jahr. An den Umsatzstatistiken vom letztem Jahr könne man jedoch klar erkennen, dass die Rauchverbote einen grossen Einfluss hätten. "Von dem Zeitpunkt an, als die Rauchverbote eingeführt wurden, gingen die Umsätze zurück", sagt Frei.

Als Beispiel nimmt er den Kanton Tessin, wo seit April 08 ein Rauchverbot in Spielcasinos gilt. Im Spielcasino von Mendrisio nahm der Umsatz um 15.4% ab, in dem von Lugano gar um 23.3%. In den Spiellokalen des Kantons Graubünden, wo im März 08 ebenfalls ein Rauchverbot eingeführt wurde, wirkte es sich laut dem Geschäftsbericht des SCV weit weniger stark aus. In St. Moritz ging der Umsatz nur um 0.9% zurück, in Davos um 5.1%.

Verschiedene Gäste in verschiedenen Casinos

Es liege an der Zusammensetzung der Klientel, dass sich die Rauchverbote so unterschiedlich auswirken, erklärt Christian Aumüller, der Geschäftsführer des Grand Casino Kursaal Bern AG. "Nicht alle Casinos haben die gleiche Kundschaft. Der Markt in der Schweiz ist ganz unterschiedlich, es gibt Lokale, die mehr von touristischen Besuchern und solche, die von Gästen aus der Agglomeration leben."

"Die grenznahen Casinos in der Schweiz haben von der Einführung der Rauchverbote im Ausland profitiert", vermutet Aumüller. "Nun, mit der Einführung der Rauchverbote in einigen Kantonen der Schweiz relativiert sich das wieder." Dass die Rauchergesetzgebung in der Schweiz in jedem Kanton anders geregelt ist, verzerrt nach seiner Ansicht den Wettbewerb.

Auch Daniel Frei sieht in den verschiedenen kantonalen Gesetzgebungen ein Problem:"Wir warten auf eine gesamtschweizerische Lösung." Für die Casinos gilt in jedem Fall die strengere Regelung.

Verbandspräsdent Frei weiss, dass in Frankreich und in Deutschland die Bruttospielerträge nach der Einführung der Rauchverbote um rund 30 Prozent eingebrochen seien. "Im Freistaat Bayern wird deshalb jetzt darüber diskutiert, das Rauchverbot in den Casinos wieder aufzuheben."

Nichtraucherschutz und Spielerschutz

"Erhebungen in unseren Lokalen haben ergeben, dass durchschnittlich über 50 Prozent der Gäste rauchen", sagt Aumüller. Dies bestätigt auch der Präsident des SCV: "In der ganzen Gesellschaft sind es hingegen nur 29 Prozent, die rauchen. Raucher sind offenbar motivierter als Nichtraucher, in einem Casino um Geld zu spielen."

Inwieweit die eine Sucht zu einer anderen führen kann, ist nicht belegt. Dass jedoch auch das Spielen um Geld zur Sucht werden kann, ist den Verantwortlichen wohl bewusst. Der Spielerschutz werde aus diesem Grund ernst genommen, betont Aumüller. "In Bern verhängen wir pro Jahr rund 400 Spielersperren. Drei Viertel davon sind von den Gästen selbst gewünscht."

Wenn die Mitarbeitenden der Spielbetriebe den Verdacht haben, dass ein Gast zuviel Geld verspielt, können sie seine letzten drei Lohnausweise verlangen, um seine finanzielle Situation einzuschätzen. "Nirgends ist der Spielerschutz so weit ausgebaut wie in der Schweiz", findet Aumüller.

Vorbereitung aufs Rauchverbot

Wenn im Kanton Bern ab dem 1. Juli 09 ein Rauchverbot eingeführt wird, erwartet Aumüller für sein Lokal keinen Umsatzrückgang, denn "zwei Drittel unserer Räume sind seit Jahren rauchfrei". "170 der insgesamt 280 Spielautomaten befinden sich jetzt schon im Nichtraucherbereich." Neu wird der Nichtraucherbereich mit Glasscheiben vom Fumoir abgetrennt.

Er werde wahrscheinlich weniger häufig ins Casino kommen, wenn das Rauchverbot in Kraft sei, meint ein Spieler im Berner Kursaal dazu. Er spielt üblicherweise in der Raucherzone. Doch er relativiert: "Man wird sich daran gewöhnen. In Las Vegas, dem Eldorado aller Glücksspieler, ist es schliesslich auch verboten, in den Casinos zu rauchen. Dort ist es ganz normal."

Eveline Kobler, swissinfo.ch

Fakten

Spielbanken (gemäss Bundesgesetz über Glücksspiele und Spielbanken):

Bei den Spielbanken handelt es sich um Grand Casinos oder um Kursäle.

Grand Casinos haben eine Konzession A.

Kursäle haben eine Konzession B.

Jeder Spielbank muss über eine Standort- und über eine Betriebs-Konzession verfügen.

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Glücksspiele online

Gemäss geltendem Spielbankengesetz ist die Internet-gestützte Durchführung von Glücksspielen in der Schweiz verboten.

Trotzdem nehmen illegale Angebote von Glücksspielen von ausländischen Anbietern in der Schweiz zu.

Gestützt auf eine Konzession sollen die virtuellen Glücksspiele künftig legal angeboten werden können. Die Eidg. Spielbanken-Kommission (ESBK) hat im April entsprechende Vorschläge gemacht.

Diese sollen das bestehende Verbot lockern und eine Änderung der Rechtsgrundlage prüfen.

Gleichzeitig soll mittels geeigneter technischer Massnahmen das illegale Angebot wirkungsvoller eingeschränkt werden.

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