Rechtsstreit um bin Laden-Buch

Co-Autor Jean-Charles Brisard mit seinem Buch "Die verbotene Wahrheit". Keystone

Trotz Auslieferungs-Stopp und Millionenklagen will der Zürcher Pendo-Verlag am Bestseller "Die verbotene Wahrheit" festhalten.

Dieser Inhalt wurde am 30. Januar 2002 - 21:34 publiziert

"Wir wollen mit allen Mitteln dafür kämpfen, dass dieses wichtige Buch überall verbreitet werden darf", sagte Ernst Piper, Verleger des Pendo-Verlags, an einer Medienkonferenz am Mittwoch. Wegen einer einstweiligen Verfügung, die am letzten Freitag von einem Genfer Gericht erlassen wurde, ist die Auslieferung des französischen Bestsellers in der Schweiz vorläufig nicht mehr erlaubt. Dagegen will nun der Pendo-Verlag Rekurs einlegen.

Bekämpft wird das Buch von Yeslam bin Laden, einem in der Schweiz lebenden Halbbruder Osama bin Ladens. Das Buch "La vérité interdite" handelt in erster Linie von den Verstrickungen der USA mit Osama bin Laden. Die Autoren Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié, die sich auf Geheimdienst-Informationen stützen, beschreiben aber auch das weitverzweigte wirtschaftliche Umfeld der Familie bin Laden. Anlass genug für den in Genf lebenden Yeslam bin Laden, sich mit juristischen Mitteln zu wehren. Er streitet jegliche Beziehungen zu seinem Halbbruder ab.

Problematische Geschäftsbeziehungen

Direkte Verbindungen zwischen dem Terroristenführer und seinem seit 1985 in der Schweiz lebenden Halbbruder werden zwar nicht behauptet. Laut Brisard und Dasquié reichen aber die Geschäftsbeziehungen der Genfer Saudi Investment Company (SICO) von Yeslam bin Laden und der saudiarabischen Saudi Binladin Group (SBG) weit hinein in das terroristische Umfeld von Osama bin Laden.

Die SBG unterhielt Geschäftsbeziehungen mit Khalid bin Mahfouz, einem einflussreichen Bankier und Financier von Osama bin Laden, wie Ko-Autor Brisard an der Medienkonferenz in Zürich erklärte. "Was wir behaupten, können wir auch beweisen", sagte er. Brisard zeigte sich empört über die einstweilige Verfügung aus Genf, die nichts anderes als Zensur sei. "Trotzdem werden wir weiter die Wahrheit sagen", lautete die Kampfansage von Brisard.

Bis das Gericht in Genf über den Rekurs gegen die einstweilige Verfügung entschieden haben wird, dürften laut dem Verleger Ernst Piper mehrere Wochen vergehen. Gleichzeitig ist am Kantonsgericht Zug eine Klage wegen übler Nachrede und Verleumdung hängig. Yeslam bin Laden und der Zuger Anwalt Jürg Brand fordern Schadenersatz von rund 22,5 Mio. Franken. Brand vertritt nicht nur Yeslam bin Laden, sondern ist mit ihm auch geschäftlich verbunden.

Buch trotzdem im Handel

Das Buch "Die verbotene Wahrheit. Die Verstrickungen der USA mit Osama bin Laden" darf zwar vom Pendo-Verlag vorläufig nicht ausgeliefert werden, ist aber in mehreren Buchhandlungen erhältlich. Vor dem Entscheid des Genfer Gerichts hatte der Verlag bereits rund 10'000 Exemplare in den Schweizer Handel gebracht. Im deutschsprachigen Raum wurden 20'000 Bücher ausgeliefert. In Frankreich ist "La vérité interdite" ein Bestseller.

swissinfo und Agenturen

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