Bergleben

Renaissance der Bergdörfer

Seit Jahren leiden Bergdörfer in der Schweiz und im übrigen Europa unter Abwanderung. Schulen müssen schliessen, weil Schüler fehlen, und Wohnhäuser werden zu Ferienhäusern.

Dieser Inhalt wurde am 12. März 2020 - 11:06 publiziert
Corinna Staffe (illustration)

Dies könnte sich jedoch ändern. Dank der Digitalisierung könnten wieder mehr Menschen zurück aufs Land und in Randregionen ziehen. Dort ist die Lebensqualität höher, und die Lebenskosten sind niedriger. Und die Pandemie zeigte, dass viele Bürojobs problemlos auch von zuhause erledigt werden können.

"Seit 30 Jahren prognostizieren Forscher eine breitflächige Einführung von Telearbeit, auch weil sie Lösungen für einige Probleme im Zusammenhang mit der Mobilität bietet," sagte Vincent Kaufmann, Professor für Stadtsoziologie und Mobilitätsanalyse an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), in einem Interview mit swissinfo.ch zur Pandemie. "Jetzt erkennen sowohl Arbeitnehmende als auch Unternehmen und öffentliche Dienste, dass es funktionieren kann."

Umfragen zeigen, dass die Beliebtheit von Homeoffice drastisch gestiegen ist. Vor der Pandemie haben wir im Rahmen einer Reportage mit einigen Menschen gesprochen, die das Stadtleben hinter sich gelassen haben und auf dem Land leben.

“Weg vom Trubel arbeitet man konzentrierter als in der Stadt, wo man über Mittag rausgeht und jemanden trifft - und plötzlich ist es halb drei," fügt der Dokumentarfilmer Reto Caduff an, der in der Ostschweiz hoch über dem Walensee lebt.

"Anfänglich hatten wir nur die Hälfte des Einkommens, das wir früher in Basel erzielten, und dennoch blieb uns nach Abzug der Kosten etwa dasselbe," sagt Martin Hoch, ein Journalist, der nun in Laax, Graubünden, lebt, im Rahmen einer Reportage gegenüber swissinfo.ch.

Hoch und Caduff konnten sich beide dank der Digitalisierung von den Bergen aus eine berufliche Existenz aufbauen.

Neue Bewohnerinnen und Bewohner wie Hoch und Caduff sind für entlegene Orte hoch willkommen. Denn sie sind meist gut ausgebildet, verdienen gut und sind auch an der Integration in kleineren Dorfgemeinschaften interessiert.  

So suchen abgelegene Dörfer nach Wegen, um neue Einwohnerinnen und Einwohner anzulocken.

Gemeinden bieten niedrige Steuern, subventionierte Energie- und Transportabonnements, Zuschüsse für Versicherungen und Rabatte in Dorfläden. Die Gemeinde Gambarogno im Kanton Tessin erregte letztes Jahr Aufsehen, als sie rustikale, alte Steinhäuser für 1 Franken anbot, um den Dorfkern von Monti Scìaga wieder zu beleben.

Die Walliser Gemeinde Albinen versprach Neuzuzügern 25’000 Franken pro erwachsener Person und 10’000 pro Kind. Es gab natürlich einige Haken: Die Familie musste mindestens 200’000 Franken vor Ort investieren und mindestens zehn Jahre dort leben.

Andere Orte versuchen ihr Glück mit Unternehmen. Dem kleinen Ort Gondo, auch im Wallis, ist es gelungen, dank des niedrigen Strompreises das Rechenzentrum einer Computerfirma anzulocken und dem Unternehmen Kühlräume in der alten Zivilschutzanlage zur Verfügung zu stellen.

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Einen Grund, den er kürzlich unter die Lupe nahm, ist der zunehmende Mangel an Arbeitskräften vor Ort als Folge der Abwanderung. So richteten sich Unternehmen des Kantons Wallis im Vorjahr eine Website valais4you.ch ein, um nach potentiellen Mitarbeitenden zu suchen. Zu vergeben waren ungefähr 1000 Facharbeiter-Stellen. Sie suchten Ingenieurinnen, Köche, Pflegerinnen und Kellner.

Aus unserem Archiv: Fotogalerie Leben in den Schweizer Alpen

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