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Schweiz - 2. Weltkrieg: Gegen die "Zigeuner"

Schweizer Politik gegen die Fahrenden. In das gleiche Kapitel gehört die Aktion "Kinder der Landstrasse", bei welcher bis 1972 Fahrenden Kinder weggenommen wurden. Keystone Archive

Die offizielle Haltung der Schweiz vor und während des Zweiten Weltkriegs Roma, Sinti und Jenischen gegenüber war stark vom Prinzip "Abwehr statt Asyl" und von Diskriminierung geprägt. Das die Hauptaussage eines Zusatzberichtes der Bergier-Kommission.

Dieser Inhalt wurde am 01. Dezember 2000 - 18:42 publiziert

Die Schweiz sei darauf bedacht gewesen, ausländische, staatenlose und selbst schweizerische Menschen dieser Bevölkerungsgruppen von der Schweiz fern zu halten. Und zwar unbesehen des Umstands und des Wissens, dass diese Menschen im Falle der Rückweisung nach Nazi-Deutschland in Lebensgefahr schwebten.

Erscheinungsbild massgebend für Asyl

Die Forscher stiessen auf keinerlei Hinweise, dass die Schweizer Behörden während der Nazizeit von den Prinzipien der Abwehr Abstand genommen und Roma, Sinti und Jenischen auf Grund des Wissens über den Völkermord der Nazis Asyl gewährt hätten.

Es sei davon auszugehen, dass Roma und Sinti nur dann Asylchancen gehabt hätten, wenn sie auf Grund ihres Erscheinungsbildes, ihrer Biografie und ihres Bildungsstandes nicht stereotypen Bildern von Fahrenden entsprochen hätten. Jedoch gibt es nur wenige Hinweise, dass Menschen dieser Bevölkerungs-Gruppen überhaupt in die Schweiz flüchten wollten.

Quellenmangel

Die unabhängige Expertenkommission "Schweiz - Zweiter Weltkrieg" unter dem Vorsitz des Historikers Jean-Francois Bergier veröffentlichte am Freitag (01.12.) eine Zusatzstudie zum Bericht über die Flüchtlingspolitik der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs. Die Zusatzstudie hat die "Schweizerische Zigeunerpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus" zum Thema.

Sie ist mit einem eklatanten Quellenmangel konfrontiert, wie die Forscher schreiben. Die Erkenntnisse über das Verhalten der Schweiz gegenüber Roma, Sinti und Jenischen stützen sich deshalb weitgehend auf Fallbeispiele.

Die Kommission führt die enormen Erhebungsschwierigkeiten unter anderem darauf zurück, dass die Schweiz schon seit Beginn des 20. Jahrhundertes eine Politik der verschlossenen Türen gegenüber Roma, Sinti und Jenischen betrieben hatte. Die Schweiz gehörte zu den ersten Staaten, die auf Gesetzesebene die Reisefreiheit für "Zigeuner" einseitig einschränkte und damit diskriminierende Bestimmungen mit sonderrechtlicher Wirkung schuf. Die Grenzsperre für "Zigeuner" wurde erst 1972 aufgehoben.

Die Kommission empfiehlt weitere Forschungen auf diesem Gebiet und namentlich die Auswertung von kantonalen Dokumenten.

Schweizer Regierung drückt Mitgefühl aus

Der Bundesrat hat den Gemeinschaften der Roma, Sinti und Jenischen sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt. Trotz der lückenhaften Quellenlage in Bezug auf die Geschichte dieser Gemeinschaften in der Schweiz und namentlich der schweren Diskriminierungen, denen sie ausgesetzt gewesen seien, trage die Studie der Bergier-Kommission zu einem besseren Verständnis dieser Frage bei, heisst es in der Stellungnahme der Landesregierung.

Wie in zahlreichen anderen europäischen Staaten stelle die Politik der Schweiz gegenüber diesen Gemeinschaften in der Zeit vor, während und selbst nach dem Zweiten Weltkrieg ein schwieriges Kapitel der jüngeren Geschichte dar, sagte der Bundesrat.

swissinfo und Agenturen

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