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Schweiz sucht behutsame Annäherung an Indien

Micheline Calmy-Rey trifft Präsidentin Pratibha Devisingh Patil (rechts) und Premier Manmohan Singh.

(Keystone)

Micheline Calmy-Rey zeigt sich sehr zufrieden mit der Entwicklung der schweizerisch-indischen Beziehungen. Sie und die indische Präsidentin Pratibha Patil wollen die Freundschaft zwischen den beiden Ländern vertiefen.

Laut der Bundespräsidentin müssen Schweizer Experten nun die Themen für die bilateralen Beziehungen evaluieren, bevor Diskussionen über eine privilegierte Partnerschaft aufgenommen werden.

Nächstes Jahr begehen die Schweiz und Indien den 60. Jahrestag des Freundschaftsabkommens, das die beiden Länder 1948 unterzeichnet hatten, kurz nachdem Indien unabhängig geworden war.

Auch die Prioritäten bei den bilateralen Beziehungen sollten bis nächstem Jahr klar aufgezeichnet sein. Erst dann möchte sich Indien entscheiden, die privilegierte Partnerschaft mit der Schweiz in einer Absichtserklärung festzulegen.

Die Schweizer Aussenministerin betonte den "gemeinsamen Willen" beider Seiten, ein Abkommen zu realisieren, dass die bilateralen Beziehungen in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Wissenschaft, Technologie, Forschung und Tourismus stärkt.

"Indien entwickelt sich zu einer grossen Macht und deshalb sehen wir Möglichkeiten, unsere bilateralen Beziehungen zu festigen und auszubauen", sagte die Vorsteherin des Departements für auswärtige Angelegenheiten in Neu Delhi gegenüber swissinfo.

Mehr Struktur im politischen Dialog

"Wir werden Expertentreffen organisieren, um die gemeinsamen Prioritäten bei der Entwicklung der gemeinsamen Beziehung aufzuzeigen."

Es brauche mehr Struktur im politischen Dialog, und mehr periodisch stattfindende Gespräche, so Calmy-Rey. Das sei auch das Ziel einer privilegierten Partnerschaft.

Sie wünscht sich auch mehr Koordination unter den verschiedenen Departementen, was deren Indien-Aktivitäten betrifft. "Es ist wichtig, dass die Schweiz nicht über zwei oder drei Kanäle mit so einem grossen Partner wie Indien kommuniziert", sagte sie nach dem Treffen mit der indischen Präsidentin Pratibha Devisingh Patil und dem Premierminister Manmohan Singh.

Freihandel: Erst Nr. 4 unter den asiatischen Ländern

Die Bemühungen der Schweiz, ihre bilateralen Beziehungen zu Indien zu ordnen, folgen ähnlichen Bestrebungen gegenüber den USA, China und Russland. Die Aussenministerin betonte auch die Wichtigkeit der Freihandels-Gespräche, die gegenwärtig zwischen Indien einerseits und den EFTA-Staaten Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein andererseits laufen.

Vor Calmy-Rey hatte im August die Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard Neu Delhi besucht. Sie legte dort die Basis für die nächsten Verhandlungen, die nächsten Monat in Genf weitergeführt werden.

Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern erreichte letztes Jahr 2,5 Mrd. Franken, und dennoch verbleibt Indien unter den asiatischen Ländern als Handelspartner der Schweiz auf der vierten Stelle.

"Dies ist der Grund, weshalb wir trotz allem Erreichten die Rahmenbedingungen verbessern müssen", so Calmy-Rey. "Zu diesem Rahmen gehört auch ein Freihandels-Abkommen. Wir hoffen, Ende Jahr die ersten Verhandlungen aufnehmen zu können."

Veränderte Beziehungen

Grosse Schweizer Unternehmen wie Holcim oder Novartis sind gut in Indien etabliert. Doch die Aussenministerin wünscht sich für diesen Markt auch mehr mittlere und kleine Unternehmen.

Ihr Besuch in Neu Delhi markiert deshalb einen wichtigen Schritt in der Neuausrichtung der Beziehungen der beiden Länder. Die Schweiz hat in den letzten 50 Jahren mehr als eine Milliarde Franken Entwicklungshilfe in Indien platziert, sucht nun aber eine Partnerschaft unter gleichen.

"Unsere Länder haben viele Gemeinsamkeiten", sagt Calmy-Rey. "so ist Indien die grösste Demokratie, und die Schweiz die älteste. Ich denke, dass diese privilegierte Partnerschaft für beide Seiten von Nutzen ist."

swissinfo, Matthew Allen in Neu Delhi
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander P. Künzle)

Fakten

Indien ist mit über 1 Milliarde Einwohner ein bevölkerungsreiches Land mit einem demografischen Wachstum von 1,7% seit 1990.

Das Bruttosozialprodukt hat dieses Jahr die 1-Billion-Dollar-Marke überschritten (1,15 Bio. oder 115'000 Mrd. Franken), bei einem Wachstum von mehr als 9% in den letzten beiden Jahren.

Doch leben in diesem von starken sozialen Kontrasten geprägten Land 80% der Bewohner mit weniger als 2 Dollar pro Tag.

Ende 2006 lebten 707 Schweizer in Indien, und fast 7000 Inder in der Schweiz.

Die Schweiz war 1948 das erste Land, das nach der Unabhängigkeit mit Indien einen Freundschaftsvertrag schloss.

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Besuch in Indien

Bundespräsidentin und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey ist am Mittwoch vormittag im indischen Präsidentenpalast mit militärischen Ehren empfangen worden.

Begrüsst wurde sie von der Präsidentin Pratibha Devisingh Patil und Premierminister Manmohan Singh.

Nach der Kranzniederlegung an der Rajghat-Gedenkstätte von Mahatma Gandhi begannen die offiziellen Gespräche.

Am Dienstag hatte Calmy-Rey das weltberühmte Baudenkmal Taj Mahal besucht, und sich in Hyderabad ein von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit begleitetes Mikrokredit-Institut zeigen lassen.

Dort unterzeichnete sich auch eine Absichtserklärung mit dem CII Green Business Centre, das die Umwelteffizienz im Unternehmens-Sektor erforscht.

Am Montag besuchte sie die Büros der Direktion für Zusammenarbeit und Entwicklung und traf den Solartaxi-Fahrer Louis Palmer auf seiner Weltreise.

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