Schweizer Chinesen zwischen Erdbeben und Olympia

Die Demonstration in Lausanne. swissinfo.ch

Vor dem Olympischen Museum in Lausanne demonstrierten am Sonntag rund 800 Chinesen und Chinesinnen aus der ganzen Schweiz. Sie zeigten Solidarität mit den Erdbebenopfern von Sichuan und ihre Unterstützung für die Olympischen Spiele.

Dieser Inhalt wurde am 29. Mai 2008 - 13:00 publiziert

Es war die bis anhin zahlenmässig grösste chinesische Kundgebung seit je in der Schweiz. 2008 hätte für China ein Jahr der olympischen Freude werden sollen, doch bisher war es für die Chinesen und Chinesinnen eher ein Jahr des Unglücks und der Katastrophen.

Zu Jahresbeginn gab es grosse Schneefälle, im März wurde der olympische Fackellauf durch die Unruhen und Proteste um Tibet überschattet, im Mai bebte in Sichuan die Erde mit einer Stärke von 8 auf der Richterskala.

Dies alles wurde zum Auslöser für den friedlichen Marsch an den Ufern des Genfersees.

Eine bunte Gruppe, die sich da vor dem Olympischen Museum versammelt hatte: Bänder aus grüner Seide symbolisierten die Unterstützung für die Erdbebenopfer in Sichuan.

Kleine und grosse Fahnen und Transparente, wie die chinesische Nationalflagge, die Schweizer Nationalflagge und "Olympia 2008"-Fahnen flackerten im Wind.

Grosse Spruchbänder mit Parolen auf Englisch und Chinesisch gaben den Ton an: "China wir lieben dich", "Gemeinsam sind wir stark", "Olympia - eine Welt, ein Traum", "Peking heisst dich willkommen", "Hopp China, Hopp Peking".

Auch wenn vor dem Beginn der Demonstration alle Teilnehmer solidarisch eine Schweigeminute für die Opfer des Erbebens befolgten, so war für alle klar, dass der Hauptzweck der Kundgebung in der sichtbaren Unterstützung der Olympischen Spiele in Peking lag.

Erfolgreiche Organisation

In der Schweiz muss für Versammlungen, die eine Teilnehmerzahl von hundert Personen übersteigen, bei der Polizei ein Antrag eingereicht werden. Eine solche Bewilligung darf zudem nicht von einer natürlichen Person beantragt werden, sondern nur von einer Organisation.

Also gründeten die zwei Dutzend Initianten kurzerhand den "Verein zur Förderung der Schweizerisch-Chinesischen Freundschaft" und stellten in dessen Namen bei der Polizei in Lausanne einen erfolgreichen Antrag für eine Demo.

Gegenüber swissinfo erklärten die Organisatoren, dass sie von der Idee bis zur Demonstration gerade mal einen Monat Zeit gebraucht hätten.

Zu den Initianten gehörten nicht nur chinesische Studenten in Lausanne, sondern auch junge Chinesen und Chinesinnen aus der übrigen Schweiz, die hier leben und arbeiten.

Angesichts der Turbulenzen um den Olympischen Fackellauf, hervorgerufen durch Chinas Tibet-Politik, der zahlreichen Pro-Tibet- und Anti-China-Demonstrationen auch in der Schweiz und den Aufrufen für einen Olympia-Boykott wollten sie dem Chor der allgemeinen Proteste gegen China eine differenziertere Note entgegensetzen und ihre Ansicht zu den Ereignissen öffentlich kundtun.

Verständnis und Ablehnung zugleich

Unterschiedliche Ansichten zur ganzen Problematik waren aus den Reaktionen der Zuschauer der Demo herauszuhören.

Die Passanten hielten inne, hörten dem Gesang der chinesischen Nationalhymne zu, lasen die Parolen auf den Transparenten: "Hopp China!", "Hopp Peking!", "Hopp Sichuan!", "Allez la Chine!".

Einige lächelten wohlwollend oder hielten anerkennend den Daumen hoch, andere verzogen verärgert das Gesicht. Ein Passant mit einem Hund an der Leine rief der Menge ein paar zweideutige Worte nach.

Ein Schweizer Kind erhielt von einem Demonstranten ein kleines China-Fähnchen, aber dessen Vater bestand mit Nachdruck darauf, dass es das Fähnchen wieder zurückgebe.

Enttäuschung der Organisatoren

Nach der Veranstaltung zeigten sich die Organisatoren swissinfo gegenüber mit dem Ausgang der Demonstration zufrieden. Ihre Enttäuschung über das mangelnde Medieninteresse konnten sie aber nicht verbergen.

Auf die Frage von swissinfo, wie es mit Chinas aktuellen Problemen stehe, meinten die in der Schweiz lebenden, jungen Chinesen, dass China zweifellos einige Probleme habe. Aber sie zu lösen brauche Zeit.

Im täglichen Leben würden sie alle mit einem ähnlichen Problem konfrontiert: Auch mit guten Freunden aus dem Westen komme es immer wieder zu heftigen Streitgesprächen wegen des Tibet-Problems.

Ganz allgemein misstraue man im Westen den Informationen von chinesischer Seite. Dabei sei gerade beim Thema Tibet die gemeinsame Suche nach gegenseitigem Verständnis wichtig.

Deshalb, so zeigten sich die Initianten der Kundgebung überzeugt, sei es notwendig, auch ihren Ansichten und Überlegungen Gehör zu verschaffen. Nur so könnten Vorurteile ab- und gegenseitiges Verständnis aufgebaut werden.

swissinfo, Xudong Yang

Schweizer Bundespräsident bei Olympia dabei

Der schweizerische Innenminister und diesjährige Bundespräsident, Pascal Couchepin, wird an der Eröffnungszeremonie der Olympischen Sommerspiele am 8. August in Peking teilnehmen.

Die Schweiz ist Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und weiterer Sportverbände. Daher sei es völlig natürlich, dass der Bundespräsident an der Eröffnungsfeier der Spiele dabei ist, sagte Couchepin.

Der Bundespräsident hatte bereits im Januar - vor der Unterdrückung der Unruhen in Tibet - angekündigt, er werde an der Zeremonie teilnehmen.

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Menschenrechte, Sport und Politik

In der Schweiz finden zur Zeit immer wieder kleinere und grössere Kundgebungen für Tibet und gegen China statt.

Samuel Schmid, Schweizer Sportminister, hat die Wirksamkeit eines Boykotts der Olympischen Spiele angezweifelt. Die Erfahrungen der letzten zehn Jahre hätten gezeigt, dass Boykotte in der Regel weniger Wirkung zeigten als Kontakte, Austausch und Begegnung.

Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard sprach bei ihrem kürzlichen Chinabesuch mit ihrem Amtskollegen auch über die Tibet-Frage. Sie äusserte sich positiv zu den Gesprächen zwischen der chinesischen Regierung und Gesandten des Dalai Lama.

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