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Schweizer Kultur reist via Genua

Jeden Tag in diesem Jahr finden in Genua kulturelle Anlässe statt.

(Keystone)

In Genua, der Europäischen Kulturhauptstadt 2004, kann sich die Schweiz dieses Jahr in zahlreichen Veranstaltungen in Szene setzen.

Genua sucht die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen. Das Thema "Reise" ist das Leitmotiv. Es passt bestens ins Schweizer Konzept.

"Es ist nicht leicht zu sagen, was es bedeutet, Europäische Kulturhauptstadt zu sein. Leichter ist es zu sagen, was es nicht ist: Es ist keine Olympiade, kein Filmfestival, keine Messe und kein G8-Gipfel." So sehen es die Organisatoren von Genua 04, die für dieses Jahr ein Programm mit Hunderten von kulturellen Veranstaltungen zusammengestellt haben.

Auch wenn nicht alle Erwartungen erfüllt werden können, hat sich die italienische Hafenstadt alle Mühe gegeben, den von der EU erhaltenen Auftrag als Europäische Kulturhauptstadt vorbildlich umzusetzen.

Die EU vergibt den Titel "Europäische Kulturhauptstadt des Jahres" seit 1985. Die Bilanz ist bisher positiv. Sowohl kulturell, als auch touristisch erweisen sich die Veranstaltungen als Erfolg. Deshalb wollen die EU-Mitgliedsländer die Kriterien zur Auswahl der Europäischen Kulturhauptstadt ab 2005 verschärfen.

Schweiz als Gast

Bis anhin konnten verschiedene Städte Europas den Titel als Kulturhauptstadt teilen. So schmückt sich im Jahr 2004 neben Genua auch das französische Lille mit dieser Bezeichnung.

Ab 2005 kann nur noch jeweils eine Stadt aus dem EU-Raum zur Kulturhauptstadt erkoren werden. Die 15 Mitgliedsländer haben die Reihenfolge schon bis 2019 unter sich aufgeteilt, die 10 neuen Mitgliedsstaaten kommen erst danach an die Reihe.

Die Schweiz als Nicht-EU-Land bleibt wie gewöhnlich aussen vor. In diesem Sinne erstaunt es, wie viel Platz den Eidgenossen auf der Agenda der diesjährigen Kulturhauptstadt Genua eingeräumt wird.

"In Genau wurden wir nicht nur warmherzig empfangen, sondern fast schon adoptiert. Mit 16 Veranstaltungen sind wir stärker vertreten als andere ausländische Staaten", sagt Domenico Lucchini, Direktor des Schweizer Kulturzentrums CCS in Mailand, einer Antenne der Pro Helvetia in Italien.

Eine kulturelle Reise

Genua hatte zwei Möglichkeiten: Entweder konzentrierte man sich auf die eigene Geschichte und Kultur oder man konfrontierte sich mit anderen Kulturen. Die ligurische Stadt entschied sich für die zweite Variante, die ihrerseits in der städtischen Tradition von Seefahrern und Forschenden steht.

Es war somit kein Zufall, dass die Veranstaltung als Leitmotiv "Die Reise" wählte. Dieses Thema eignet sich vortrefflich für die Konfrontation mit anderen Kulturen und Kunstformen.

Dieses Thema ist zudem bestens auf die Schweiz zugeschnitten, denn in der Eidgenossenschaft stellt eine Reise durchs Land bekanntlich immer auch eine Reise durch verschiedene Sprach- und Kulturräume dar. Die räumliche Enge der Schweiz hat zudem die Schweizer stets dazu animiert, in andere Länder zu reisen.

Das Motto der Schweizer Präsenz in Genua lautet "Svizzera e (é) altrove". Dieses Wortspiel bedeutet soviel wie "Die Schweiz und die anderen" sowie "Die Schweiz ist woanders". "Damit wollen wir die Aufmerksamkeit auf die Geschichte unseres Landes lenken, das viele Künstler und Kulturschaffende angezogen hat", sagt Domenico Lucchini.

Tanz steht im Vordergrund

Die Schweiz präsentiert an der "Genova 04" unter anderem den Blickwinkel von bekannten Reisenden aus Helvetien. Gezeigt wird beispielsweise eine Fotoausstellung des Kunstschaffenden Nicolas Bouvier, der auf seinen Reisen die entferntesten Winkel erkundete.

Gezeigt wird auch der Dokumentarfilm "Die Männer des Hafens" von Alain Tanner. Der Schweizer Regisseur, der stets von Hafenstädten fasziniert war, drehte diesen Streifen 1984 im Hafen von Genua.

In La Spezia werden Werke des Bildhauers Jean Tinguely ausgestellt, zusammen mit Arbeiten seines italienischen Kollegens Bruno Munari.

Der Schwerpunkt des Schweizer Genua-Programms liegt jedoch im Tanz. Eine Reihe unabhängiger Schweizer Ensembles, die in Italien einen sehr guten Ruf geniessen, werden ihre Produktionen zeigen.

"Die Schweizer Präsenz in Genua stellt für uns ein sehr wichtiges Ereignis dar: Wir können bei einer Veranstaltung vor internationalem und vor allem vor italienischem Publikum ein Schweizer Fenster öffnen", sagt Sabine Schwarzenbach, Mediensprecherin von Pro Helvetia.

Unbekanntes Kulturschaffen

Mehr noch als die Darstellung Schweizer Kunstschaffens steht laut Schwarzenbach in Genua die Förderung eines kulturellen Austauschs zwischen den beiden Ländern im Vordergrund.

Pro Helvetia hat diese Aufgabe ihrer Aussenstation Centro culturale Svizzero (CCS) in Mailand anvertraut. Diese Antenne versucht bereits seit Jahren, auch ausserhalb der lombardischen Metropole aktiv zu werden und so die Vorurteile und das Unwissen gegenüber Schweizer Kulturschaffen abzubauen.

CCS-Direktor Lucchini merkt an, dass die Schweiz in der Vergangenheit nicht viel unternommen habe, um das konservative Image ihres Kulturschaffens im Ausland zu überwinden. Andererseits habe auch Italien, da es über einen enormen eigenen Kulturschatz verfügt, wenig getan, um Kunst und Kultur anderer Länder, darunter der Schweiz, kennen zu lernen.

Genua sollte somit einen Beitrag in Hinblick auf eine gegenseitige Annäherung leisten. Lucchini: "Wir wollen in Italien eine offene, kreative und dialogfähige Schweiz zeigen."

swissinfo, Armando Mombelli
(Übertragung aus dem Italiensichen: Gerhard Lob)

Fakten

2004: Genua (I) und Lille (F) sind die europäischen Kulturhauptstädte.
2005: Cork (Irland)
2006: Patras (Griechenland)
2007: Luxemburg
2008: Liverpool (England)

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In Kürze

Der Titel der Europäischen Kulturhauptstadt wurde zum ersten Mal 1985 von der Europäischen Union auf Initiative von Melina Mercouri, der Schauspielerin und und griechischen Kulturministerin, vergeben.

Die Absicht hinter der Verleihung dieses Titels ist, die europäischen Völker einander näher zu bringen, die Werte und die Unterschiede zwischen den europäischen Kulturen sichtbar zu machen.

Ab 2005 wird nur noch eine Europäische Stadt pro Jahr den Titel als Kulturkapitale erhalten. Die Kulturstädte sind bis 2019 bestimmt.

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