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Schweizer Kunstikone in Rom Die "italienischen" Farben des Paul Klee



Paul Klee: Mazzarò, Aquarell, 1924.

Paul Klee: Mazzarò, Aquarell, 1924.

Rom feiert einen der wichtigsten Schweizer Künstler, mit einer Ausstellung in der Nationalgalerie für moderne Kunst (Gnam). Allerdings ohne Werke aus dem Berner Zentrum Paul Klee. Das hat zu einer Polemik zwischen den beiden Institutionen geführt.

Einer der wichtigsten Anlässe in der kulturellen Agenda der italienischen Hauptstadt ist auch zum Protagonisten einer Polemik geworden: In der Ausstellung gibt es kein einziges Werk aus dem Zentrum Paul Klee (ZPK) zu sehen.

In jenem Museum in Bern werden fast 40 Prozent des Gesamtwerks des grossen Künstlers aufbewahrt.

Am 9. Oktober sprach der Corriere della Sera deshalb nur von einer "halben Ausstellung". Der Artikel nimmt Bezug auf die "Instrumente, die das Mikroklima im Museum messen". Denn in diesem Punkt konnten sich die beiden Museen nicht einigen. Laut dem ZPK funktionieren die Messgeräte nicht ordnungsgemäss, für das Römer Museum aber arbeiten diese zuverlässig.

Das ZPK habe seine Werke aus Gründen des "Museumsklimas" nicht ausgeliehen, bestätigt Direktor Peter Fischer schriftlich gegenüber swissinfo.ch. "Die gelieferten Daten waren unvollständig und nicht zufriedenstellend." Daher habe das ZPK im Mai einen eigenen Vertreter nach Rom geschickt, "um verlässliche Daten zu erhalten".

Diese hätten "ein absolut unakzeptables Klima" nachgewiesen. "Am 31. Juli haben wir der Gnam schriftlich mit Bedauern mitgeteilt, dass wir unter diesen Umständen keine Werke zur Verfügung stellen können", so Fischer. Das ZPK habe "angeregt, die Ausstellung zu verschieben, um Zeit zur Verbesserung des Museumsklimas zu gewinnen. Eine Antwort oder Stellungnahme aus Rom ist bis heute nicht eingetroffen".

"Das ZPK bedauert, dass aufgrund technischer Unzulänglichkeiten eine wichtige Ausstellung in ihrer Substanz geschmälert wurde", schliesst Fischer seine Stellungnahme.

Kommunikationsprobleme?

Die Messinstrumente für das Mikroklima in den Sälen seien "voll funktionsfähig und im Einklang mit internationalen Standards", erklärt die Römer Nationalgalerie gegenüber swissinfo.ch.

"Andere renommierte Institutionen haben uns problemlos ihre Werke ausgeliehen." Darunter befänden sich das Kunsthaus Zürich, die Wiener Albertina, das Pariser Centre Pompidou und die Guggenheim-Museen in New York und Venedig.

Die Kunsthistorikerin Tulliola Sparagni ist, zusammen mit Mariastella Margozzi, eine der beiden Kuratorinnen der Römer Klee-Ausstellung. Sie hat bereits zwei Ausstellungen mit Werken des grossen Schweizer Künstlers ausgerichtet: 2007 in Italien (Mailand) die Ausstellung "Paul Klee Teatro Magico" und 2009 in Deutschland (Ulm) "Paul Klee und die Romantik".

Die Kuratorin bestätigt gegenüber swissinfo.ch den Besuch des ZPK-Vertreters aus Bern. Laut Sparagni, die bereits früher mit dem Berner Museum zusammengearbeitet hat, könnte es sich auch um "ein Kommunikationsproblem zwischen den beiden Museen handeln".

Zudem erinnert sie daran, "dass es vorkommen kann, dass zwischen zwei derart wichtigen und herausragenden Institutionen Meinungsverschiedenheiten bestehen", ohne dass daraus gleich eine Polemik entstehen müsse. Auch habe der Schweizer Botschafter in Italien, Bernardino Regazzoni, die Vernissage der Ausstellung besucht.

Paul Klee und Italien

Zu sehen gibt es in der Ausstellung "Paul Klee und Italien", die bis zum 27. Januar 2013 dauert, fünf Sektionen: Italienreise 1901/02 – Erfindungen; Zwischen Expressionismus und Futurismus; Die Ferien des Künstlers 1924-32; Die Jahre der Nostalgie. Das Spätwerk 1934-40; Italien und Klee.

"Diese Ausstellung soll ins Licht rücken, wie Italien mit seiner Kultur und seiner Natur Klee inspiriert hat", schreibt Sparagni im Katalog zur Ausstellung. "Archäologie und Exotik spielten dabei eine ebenso wichtige Rolle wie seine ausgedehnten Wanderungen über die gesamte italienische Halbinsel, von Venedig bis Sizilien."

Eine ganze Sektion ist der ersten Italienreise Klees gewidmet: Der Künstler, 1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren, kulturell gebildet aber in Deutschland, war damals 22 Jahre alt. Mit seinem Freund Hermann Haller reiste er im Geiste der Grand Tour auf den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe durch das Belpaese.

Von Oktober 1901 bis Mai 1902 besuchten die beiden Rom, Neapel und Florenz. Klee wird weitere fünf Mal nach Italien zurückkehren und praktisch das ganze Land bereisen. 1924 und 1931 besucht er Sizilien. Dazwischen reist er 1926 auf eine andere italienische Insel, Elba. Und 1930 in die Toskana, wo er seine Zelte in Viareggio aufschlägt. 1932 hat seine letzte Italienreise Venedig zum Ziel.

Jedes Mal, wenn Klee Italien besuchte, wählte er einen Aufenthaltsort und erforschte von dort aus die weitere Umgebung. So konnte er die wichtigsten Zentren sehen, von Florenz und Pisa bis Mailand und Padua.

Doch es gab eine Stadt, die ihm besonders ans Herz gewachsen war: Ravenna, mit ihren goldenen Mosaiken im byzantinischen Stil, die einen grossen Einfluss auf sein Werk hatten.

Gnam

Die Nationalgalerie für moderne Kunst in Rom wurde 1758 gegründet. Sie ist das einzige öffentliche nationale Museum Italiens, das der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet ist.

Im Jahr 2000 wurde das Museum für 13 Mio. Euro renoviert, unter anderem das Gebäude Bazzani und der Annex Cosenza.

Dem Museum gehören Werkevon Canova bis de Chirico, von Van Gogh bis Warhol. Auch ein Gemälde von Paul Klee befindet sich in der Sammlung: Riesenblattlaus von 1923.

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Die Ausstellung von 1970

Vor 42 Jahren fand in der Gnam in Rom zum 30. Todestag von Paul Klee (29. Juni 1940) bereits eine Ausstellung statt.

Die Ausstellung war ein grosses Ereignis. Sie ging in die Geschichte ein als die grösste je in Italien für den Schweizer Künstler ausgerichtete Ausstellung. An der Vernissage war auch sein Sohn Felix anwesend.

Auch wenn sie nur einen Monat lang dauerte (17. April bis 17. Mai), bleibt diese Ausstellung einer der Meilensteine in der Beziehung zwischen Klee und Italien, die bis heute anhält.

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(Übertragen aus dem Italienischen: Christian Raaflaub), Rom, swissinfo.ch


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