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Spengler Cup: Traditioneller Sportanlass in Gefahr

Dynamo Moskau gewinnt im Final gegen das Team Canada 5:3.

(Keystone)

Der 82. Spengler Cup in Davos, der am Mittwoch mit einem russischen Jubel zu Ende ging, war einmal mehr ein grosser Erfolg. Gewisse Schweizer Eishockey-Clubs stellen jedoch die Legitimität des legendären Eishockey-Turniers in Frage.

Der Spengler Cup ist eine feste Institution: Auch dieses Jahr sind Tausende von Eishockey-Fans aus der ganzen Welt nach Davos im Kanton Graubünden gepilgert, um an den Spielen dabei zu sein, die zwischen Weihnachten und Neujahr für Spannung sorgen.

Während einer Woche verwandelte sich der auf 1560 Metern gelegene weltbekannte Ski- und Kurort Davos zu einem grossen Volksfest. Rund um das Eisstadion und in den Strassen flossen während den sechs Turnier-Tagen reichlich Schnaps und Bier. Ein Duft von Glühwein und Bratwurst lag über der höchstgelegenen Stadt Europas.

Rentables Geschäft

Allerdings wird von verschiedenen Eishockey-Clubs zunehmend Kritik gegen den Spengler-Cup laut, was das rentable Geschäft gefährden könnte.

Für das multinationale Unternehmen IMG, das seit 2007 für die Vermarktung des traditionellen Davoser Hockey-Anlasses und bedeutendsten Eishockeyturnieres für Clubmannschaften zuständig ist, läuft es nicht schlecht: Eintrittskarten gehen weg wie heisse Semmeln, die Zahl der Sponsoren und der verkauften Fernseh-Rechte steigt unablässig. 2008 wurde der Spengler Cup in 46 Ländern am Fernsehen übertragen.

Wie gross der gesamte Umsatz des Spengler Cups ist, bleibt geheim. Bekannt ist lediglich, dass pro Jahr über 2 Mio. Franken in die Kassen des HC Davos, der das Turnier organisiert, fliessen. Das macht rund einen Fünftel seines Budgets aus.

Ohne diesen finanziellen Zustupf könnte der HC Davos nicht in der Elite der Schweizer Eishockey-Clubs mitspielen – und hätte wohl kaum 18 Mal Schweizer Meister werden können.

Dank dem Geldsegen aus dem Spengler Cup kann der HC Davos Talent-Spieler wie Reto von Arx, Michael Riesen und Andreas Ambühl an Bord holen oder behalten .

Der Fall Forster

Zur Verstärkung der Defensive hat der Club kürzlich Beat Forster engagiert, einen der besten Liga-Spieler. Davos hatte nicht gezögert, rund 1 Mio. Franken hinzublättern, um Forsters Vertrag mit den ZSC Lions vorzeitig aufzulösen. Diese Praxis ist nicht gebräuchlich und verärgerte die Zürcher Club-Verantwortlichen.

"Die National-Liga ist die einzige Liga der Welt, die zwischen Weihnachten und Neujahr nicht spielt. Die Clubs verzichten damit auf viel Geld. Und was macht der HC Davos in dieser Zeit? Er hortet über 2 Mio. Franken, um unsere besten Spieler zu kaufen", sagt ZSC-Manager Peter Zahner.

Für den Zürcher Eishockey-Club ist der Davoser Monopolist während den Festtagen nicht mehr haltbar. Er plädiert für die Wiedereinführung von zwei Tagen Meisterschaftsspielen in dieser Zeit.

"Geschichte legt sich"

"Diese Diskussionen gibt es jedes Jahr. Ich verstehe, dass der Fall Forster die Gemüter erregt hat, aber ich denke, dass sich diese Geschichte nach dem Spengler Cup schnell wieder legt", sagt Fredy Pargätzi, der Präsident des Spengler Cups. Zürich sei nicht der einzige Club, der an der Schweizer Meisterschaft teilnehme und er glaube nicht, dass die anderen Clubs auch so denken würden.

Und was denken denn die anderen Clubs? Er habe noch keine bilateralen Gespräche aufgenommen, sagt Fredy Pargätzi. In der Presse unterstützen jedenfalls gewisse Club-Verantwortliche wie der Sportchef des HC Ambri-Piotta, Peter Jaks, die Zürcher Forderung, auch wenn diese eine Sportinstitution in Gefahr bringen würde, die zur Popularisierung des Eishockey in der Schweiz beigetragen hat.

Andere Clubs wie der SC Bern oder Genf-Servette geben sich vorsichtiger, sind sie ab 2010 doch potentielle Kandidaten für den Spengler Cup. Denn ab dann werden nicht mehr fünf, sondern sechs Mannschaften am Turnier teilnehmen.

Volle Agenda

Die Stunde der Wahrheit wird für die Verantwortlichen des Spengler Cups 2011 schlagen. Dann nämlich müssen die Eishockey-Clubs mit der SRG SSR idée suisse über die Weiterführung der Fernseh-Übertragungsrechte für die Meisterschaft verhandeln.

In den Übertragungsrechten ist auch der Spengler Cup eingeschlossen. Schliessen sich die Clubs gegen den Davoser Monopolisten zusammen, könnte dies das Ende für den Spengler Cup bedeuten.

Diese Spannungen sind jedoch nicht das einzige, das den Verantwortlichen des Spengler Cups Sorgen macht. Seit einigen Jahren verzichten die grössten Mannschaften mit ihren oft übervollen Spielkalendern darauf, nach Davos zu fahren. Die neu aus der Taufe gehobene Eishockey-Champions League macht die Sache noch komplizierter.

Fredy Pargätzi bleibt trotz all dieser Herausforderungen zuversichtlich. "Der HC Davos ist zu wichtig in der Schweizer Eishockey-Landschaft, als dass die anderen Clubs ihn zum Verschwinden bringen möchten. Und jedermann weiss, dass der HC Davos ohne Spengler Cup nicht überleben würde."

swissinfo, Samuel Jaberg
(Übertragung aus dem Französischen: Corinne Buchser)

Spengler Cup

Der Spengler Cup ist das älteste Club-Turnier in Europa: Die gleichnamige Siegertrophäe wurde 1923 zum ersten Mal vergeben.

Der Name des Turniers geht auf den Gründer Carl Spengler zurück. Der Davoser Arzt wollte nach dem Ersten Weltkrieg den Dialog zwischen den Nationen fördern.

Es wird jedes Jahr in Davos, im Kanton Graubünden, vom 26. bis 31. Dezember ausgetragen.

Mit einem Budget von rund 8,5 Mio. Franken ist der Spengler Cup nach dem Tennis-Turnier Swiss Indoors in Basel der zweitgrösste Schweizer Sportanlass.

Der Zuschauerrekord wurde 2002 mit 84'480 Eishockey-Fans erreicht.

Dieses Jahr fand die 82. Ausgabe des Spengler Cups statt. Über 100 Clubs aus 18 Ländern haben daran teilgenommen. Dynamo Moskau setzte sich im Final mit 5:3 gegen das Team Canada durch.

Historischer Sieger des Turniers ist der HC-Davos: Der Club gewann den Spengler Cup insgesamt bereits 14 Mal.

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