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Spuren der Al Kaida führen auch in die Schweiz

Terrorgelder flossen auch über Schweizer Konten.

(Keystone Archive)

In drei Fällen hat sich der Verdacht auf Finanzierung oder logistische Unterstützung des Terror-Netzwerks erhärtet. Die Bundesanwaltschaft leitet die Verfahren nun zur Vorabklärung weiter.

Dennoch habe die Schweiz bei den Taten der Al Kaida keine zentrale Rolle gespielt.

Die Bundesanwaltschaft hat am Donnerstag vor den Medien Bilanz über die Terrorermittlungen gezogen. Die Schweiz sei nach den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 international sofort unter den Verdacht geraten, ein Hort terrorismusverdächtiger Gelder zu sein, sagte Bundesanwalt Valentin Roschacher.

Die Bundesanwaltschaft habe vier Tage nach den Anschlägen aus eigenem Antrieb Ermittlungen in der Schweiz eröffnet. Dies, um den Verdacht von Verbindungen zwischen den Anschlägen und den Vorgängen in der Schweiz, namentlich den Transit eines Attentäters, Mohammed Atta, durch Zürich-Kloten abzuklären.

In drei Fällen hat sich der Verdacht auf mutmassliche Delikte im Bereich der logistischen Unterstützung und der Finanzierung erhärtet.

Drei Schwerpunkte

Die Schwerpunktverfahren werden in den kommenden Wochen an das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt (URA) zur Voruntersuchung überwiesen. Die Ermittlungen hätten aber gezeigt, dass die Schweiz keine zentrale Rolle bei den kriminellen Aktivitäten des Terrornetzes Al Kaida gespielt habe.

Ein erhärterter Verdacht besteht gegen zwei Verantwortliche der inzwischen liquidierten Tessiner Finanzgesellschaft Nada/Al Taqwa. So sollen über von ihnen eingerichtete Finanzkanäle Gelder zur Unterstützung terroristischer Aktivitäten in und aus der Schweiz geflossen sind.

Bei einer am 7. November 2001 mit Italien und Liechtenstein koordinierten Aktion war eine riesige Menge von Dokumenten, zum Teil in Arabisch, sichergestellt worden, wie der stellvertretende Bundesanwalt Claude Nicati sagte. Die beiden im italienischen Campione wohnhaften Männer befinden sich auf freiem Fuss.

20 Millionen gesperrt

Ebenfalls abgeschlossen wurden die Ermittlungen gegen einen saudischen Staatsbürger, der von Saudiarabien aus Verbindungen in die Schweiz und in die USA unterhielt. Er soll als ehemaliger Vorsitzender einer Wohltätigkeits-Stiftung über Schweizer Bankkonten Vermögenswerte in Millionenhöhe an eng mit dem Netzwerk Al Kaida verbundene Personen transferiert haben. Dabei habe er deren Verbindungen zu Al Kaida nicht übersehen können, sagte Nicati.

Die Bundesanwaltschaft sperrte in der Folge rund 20 Millionen Dollar bei einer Genfer Bank. Der in Saudiarabien auf freiem Fuss lebende Beschuldigte bestreitet jegliche Verbindung zum Terrormilieu. Es wurden verschiedene Rechtshilfegesuche gestellt.

Schweizer Telefonnummern in Riad

Ein dritter Schwerpunkt bei den Terrorermittlungen war der Anschlag vom 12. Mai 2003 in Riad, bei welchem 35 Menschen, darunter ein Schweizer, getötet wurden.

Bei verschiedenen Personen, welche enge Kontakte mit den Attentätern unterhielten, wurden in Riad insgesamt 36 Schweizer Telefonnummern gefunden.

Zehn Personen wurden daraufhin zwischen Ende 2003 und Anfang 2004 festgenommen, wie Nicati sagte. Diese seien zwar nicht direkt in die Anschläge in Riad verwickelt gewesen, hätten aber Kontakt mit den Attentätern gehabt.

Die Gruppe habe teilweise aus Jemen stammende illegale Einwanderer, darunter auch solche die terroristischen Gruppen nahegestanden seien, in die Schweiz geschleust und sie mit falschen Papieren ausgestattet. Danach seien diese entweder untergetaucht oder in andere europäische Länder weiterverschoben worden.

Von den ursprünglich zehn Verhafteten befinden sich noch sechs in Untersuchungshaft. Vier seien auf freiem Fuss, weil keine Kollusionsgefahr mehr bestehe. Sie stünden aber weiter unter Verdacht.

Djerba, Istanbul, Bali...

Zwar steht die Bundesanwaltschaft in ihren Ermittlungen in Sachen 11. September kurz vor dem Abschluss. In anderen Fällen laufen die Ermittlungen jedoch weiter, wie Bundesanwalt Roschacher erklärte.

Demnach wird nach wie vor ermittelt, ob von den mutmasslichen Attentätern, die Mitte November mehrere verheerende Anschläge in Istanbul durchführten, Spuren in der Schweiz zu finden sind.

Andere Untersuchungen stellte die Bundesanwaltschaft dagegen inzwischen ein, so im Zusammenhang mit dem Attentat von Djerba im April 2002 oder dem Attentat von Bali im Oktober gleichen Jahres.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Schweizer Bundsanwaltschaft hat ihre Untersuchung zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 abgeschlossen.

Fazit der Ermittler: Zwar habe die Schweiz in den Aktivitäten des Terrornetzwerks Al Kaida bislang keine zentrale Rolle gespielt, jedoch sei sie im Bereich der logistischen Unterstützung und Finanzierung mitbetroffen.

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