Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Starker Held vor gewaltiger Kulisse

Wilhelm Tell (Roland Koch) hält Ausschau nach seinem Widersacher Gessler. (Milan Schijatschky)

Wilhelm Tell auf dem Rütli: exotisch, phantasievoll und doch erdverbunden. Eine aussergewöhnliche Jubiläums-Vorstellung auf der historischen Schweizer Wiese.

In einem Multimedia-Special erforscht swissinfo die Tell-Legende und zeigt Tells Werdegang zum weltbekannten Freiheitshelden.

Endlich, nach über 700 Jahren, hat er es doch noch geschafft: Der Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell wirkt auf dem Rütli – bis am 29. August. Vor 200 Jahren wurde das Schauspiel "Wilhelm Tell" von Friedrich von Schiller in Weimar uraufgeführt.

Um diesen Anlass gebührend zu feiern, bringt die Truppe des Nationaltheaters von Weimar das Schweizer National-Epos auf der Rütliwiese, die erstmals für eine Theaterproduktion zur Verfügung steht, zur Aufführung.

Andrang der Prominenz

Die Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft liess sich die Jubiläumsfeier nicht entgehen. Bundespräsident Joseph Deiss war mit seiner Gattin anwesend, auch der Schweizer Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Vortag erst freigesprochen beim Mannesmann-Prozess. Dabei war auch der Schweizer Dichterfürst Adolf Muschg und sogar Weltstar Klaus Maria Brandauer.

Abwesend war der grösste Mäzen der Aufführung, Bundesrat Christoph Blocher, der Produzent Lukas Leuenberger mit finanziellen Zuschüssen unterstützt hat und auch mit einer Defizitgarantie bei einem möglichen Misserfolg geradesteht.

Packende, archaische Szenerie

Die Szenerie beeindruckt nur schon wegen ihrer landschaftlichen Lage. 2500 Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen auf einer steil ansteigenden Tribüne, vor sich die von Wald umrahmte Rütliwiese, darunter der vom Gebirge umfasste See. Im Hintergrund die Lichter des Fremdenverkehrsortes Brunnen.

Und hier, auf dieser gewaltigen Bühne, wird in rund zwei Stunden die Geburt der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Szene gesetzt, personifiziert durch Wilhelm und Walterli Tell, den alten Attinghausen, Herr und Frau Stauffacher und natürlich den hinterhältigen Landvogt Gessler.

Günther Uecker, ein deutscher, international bedeutender Künstler hat trutzige, archaisch wirkende Bühneskulpturen aus Baumstämmen aus dem Seelisberger Wald und Felsbrocken aus der Gegend erstellt.

Die 26 Skulpturen stehen auf der Rütliwiese, je eine stellvertretend für jeden Kanton. Eine Referenz also auch für das Rütli als mythischen Geburtsort der Eidgenossenschaft.

Kleider machen Leute

Bereits vor der Premiere gaben die Kostüme zu reden. Das Schauspiel wurde gar als Pyjama-Party verunglimpft. Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die grellen Kostüme ja schon.

Sie besitzen aber einen unbestreitbaren Vorteil: Auf der riesigen Bühne sind die Darsteller und ihre Gruppenzugehörigkeit (Urner, Unterwaldner, Schwyzer, Österreicher) gut zu unterscheiden.

Und dank seinem neon-grünen Pullover setzt sich Wilhelm Tell auch am abgelegensten Ort der Bühne jederzeit perfekt in Szene.

Und irgendwie passen die abstrakte Bühneninstallation und die Kostüme doch zusammen, bilden eine Einheit.

Breite, ein wenig reservierte Zustimmung

Die meisten deutschen Zuschauerinnen und Zuschauer waren vor allem von der Gesamtszenerie beeindruckt. Die Aufführung fand lobende Anerkennung, aber auch vorsichtige Kritik.

Einen eigens aus Weimar angereisten Premierengast hat die Vorstellung jedenfalls nicht vom Stuhl gerissen. Gewisse Figuren waren ihm fremd: "Die Bertha war total hysterisch, ich kann das nicht nachempfinden."

Das Rütli jedoch versöhnte die meisten Besucherinnen und Besucher mit den kleinen Ungereimtheiten und Unebenheiten der Interpretation. Eine Weimarerin brachte es auf den Punkt: "Die Kulisse, die Berge und das Wasser, das erleben wir nie wieder."

Tell multimedial im swissinfo-Special

Wilhelm Tell lebt auch heute noch. Nicht nur auf der Bühne! Über keine Figur der Schweizer Geschichte ist so viel geschrieben worden wie über Wilhelm Tell.

Das ist erstaunlich, denn in Fleisch und Blut existierte der mittelalterliche Armbrustschütze, das personifizierte Schweizer Freiheitssymbol, wahrscheinlich nie.

Historischer Fakt oder Fantasieprodukt? Tatsache ist, dass der heroische Kampf eines Gebirgsvolkes gegen die Unterdrückung durch Friedrich von Schillers Schauspiel zur internationalen Ikone der Freiheit wurde.

swissinfo folgte der Legende durch die Jahrhunderte, grub nach ihren Wurzeln und begleitete sie von ihren bescheidenen Anfängen in einem Gebirgsdorf bis zu ihren grossartigen Auftritten auf den Bühnen des Theaters und der Weltpolitik.

swissinfo, Etienne Strebel auf dem Rütli

Fakten

Spielzeit:
Vom 23. Juli bis 29. August 2004 (33 Aufführungen)
Di – Sa: 19.45 bis 22.00, So 16.00 bis 18.15
Eintrittspreise zwischen 38 und 118 Franken.
Das Rütli ist – ausser zu Fuss von Seelisberg aus – nur mit dem Schiff erreichbar.
Eintrittskarten berechtigen zu einer Hin- und Rückfahrt von allen Stationen am Urnersee sowie ab Treib, Gersau und Beckenried.

Infobox Ende

In Kürze

Unter der künstlerischen Leitung des Generalintendanten des Weimarer Nationaltheaters, des Schweizers Stephan Märki, führt das mit Gästen ergänzte Weimarer Ensemble auf dem Rütli Schillers "Wilhelm Tell" auf.

Hauptrollen:
Roland Koch (Burgschauspieler) als Wilhelm Tell.
Walo Lüönd als Attinghausen.
Thomas Thieme (Schauspieler des Jahres 2000) als Gessler.

Infobox Ende


Links

×