Swiss: Turbulenzen trotz geringerem Defizit

Kann die Swiss in Richtung schwarzer Zahlen abheben? Keystone

Die Schweiz wartet gespannt auf die Halbjahreszahlen der Swiss, die am Montag präsentiert werden. Die Verluste werden voraussichtlich kleiner ausfallen als budgetiert.

Dieser Inhalt wurde am 13. September 2002 - 16:29 publiziert

Angesichts der zahlreichen Probleme der jungen Airline ist es schwierig, eine Zukunftsprognose zu wagen.

Laut dem Magazin "Facts" hat Swiss im ersten Semester dieses Jahres einen Verlust von 340 Mio. Franken eingeflogen. Der Businessplan rechnet für das gesamte Geschäftsjahr mit einem Defizit von 1,1 Mrd. Franken.

Da das zweite Halbjahr erfahrungsgemäss ertragreicher ist, geben die relativ tiefen Verluste Anlass zur Hoffnung.

Swiss-CEO André Dosé im Bordmagazin der Airline: "Mit über 80 Prozent bei den Interkontinentalflügen und 60 Prozent bei den Europaflügen übertreffen die Auslastungszahlen unsere kühnsten Erwartungen."

Dunkle Wolken am Horizont

Doch damit ist die Schlechtwetterfront, welche die Swiss von schwarzen Zahlen trennt, noch nicht überwunden.

Pannen und gestrichene Flüge sorgten in den letzten Monaten wiederholt für Schlagzeilen.

Das Zusammenführen der beiden Firmenkulturen (Swissair und Crossair) scheint auch schwieriger zu sein, als vom Management optimistisch vorausgesagt.

Schwelender Lohnkonflikt

Ein Knackpunkt ist der Tarif-Konflikt mit der Gewerkschaft Swiss Pilots, der in einen Streik ausmünden könnte. Am Sonntag läuft das von der Swiss gesetzte Ultimatum für die ehemaligen Crossair-Piloten aus.

Sollten sich die Sozialpartner nicht einigen können, droht Swiss-Chef André Dosé mit der Neubesetzung von Pilotenstellen. In einem Interview mit der Wirtschafts-Zeitung "Cash" spricht er von "150 bestens qualifizierten Piloten auf der Warteliste".

Problem Preispolitik

Die Swiss-Preispolitik könnte mittelfristig für Probleme sorgen. Die günstigen Flugtarife werden von einigen Experten als zu tief beurteilt. Es wird befürchtet, dass Swiss über kurz oder lang nicht darum herum kommt, die Flugpreise wieder anzuheben.

Damit kommt die Swiss durch Billig-Airlines noch mehr unter Druck. Verschiedene Billig-Anbieter möchten gerne in Zürich Fuss fassen. Neben der Gesellschaft easyJet, die bereits London anfliegt, wird auch Germanwings ab Herbst von Zürich aus verschiedene Destinationen anfliegen. Hinter Germanwings steht die deutsche Lufthansa.

Kritische Grösse

Die Swiss ist für viele Beobachter zu gross. Um ihr Überleben zu sichern, müsste die Airline ihre Flotte unbedingt verkleinern. Offiziell denkt die Swiss-Führung im Moment nicht an eine solche Massnahme.

Suche nach der richtigen Allianz

Sehr optimistisch äussert sich André Dosé über die Einbindung in eine weltweite Fluggesellschafts-Allianz. Die Verhandlungen mit Oneworld sollen laut Dosé sehr weit fortgeschritten sein.

Swiss hat mit den meisten Mitgliedern der Allianz Oneworld die bilateralen Übereinkommen grösstenteils abgeschlossen. Gegenüber "Cash" sagte André Dosé: "Die Verhandlungen mit British Airways sind noch im Gange."

Über einen Zeitrahmen zum Vollbeitritt konnte oder wollte der Swiss-Konzernchef jedoch keine Angaben machen.

Hub oder nicht Hub

Der Flughafen Zürich ist für die Swiss eine wichtige Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg. Sinkende Passagierzahlen machen es aber schwierig, den Flughafen als Hub zu positionieren.

Die Lufthansa investierte in letzter Zeit grosse Summen in den Flughafen München, um diesen als Hub attraktiver zu machen. Damit lässt sich zum Teil der Passgierschwund in Kloten erklären.

Luftverkehrsabkommen in der Schwebe

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ist der Luftverkehrsvertrag mit Deutschland, dessen Ratifizierung durch das Parlament in Bern in Frage gestellt ist.

Starker Franken

Ein weiteres Problem ist das schwierige wirtschaftliche Umfeld. Damit haben die anderen Fluggesellschaften zwar auch zu kämpfen. Die Swiss wird dabei zusätzlich noch durch den starken Franken belastet.


swissinfo, Etienne Strebel und Agenturen

Fakten

Swiss-Defizit wahrscheinlich kleiner als befürchtet.

Verhandlungen mit Oneworld-Allianz noch nicht unter Dach.

Pannen und gestrichene Flüge sind ein Problem.

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