swiss-Start: offene Fragen

Droht der swiss zum Auftakt ein Streik bei den Piloten? Keystone Archive

In wenigen Tagen soll die neue Schweizer Airline swiss den Betrieb aufnehmen. Doch noch ist nicht alles geklärt, mit den Piloten gibt es Probleme.

Dieser Inhalt wurde am 24. März 2002 - 16:47 publiziert

Dem Abheben der neuen Airline steht eigentlich nur noch der GAV für die rund 1000 Crossair-Piloten im Weg. Der Vorstand der Crossair Piloten-Gewerkschaft (CCP) droht mit Kampfmassnahmen und das Crossair-Management spricht von gezielter Falschinformation.

Eine Woche vor dem geplanten Start der swiss berichtet die "SonntagsZeitung", dass die Crossair-Piloten mit Streik drohten. Am vergangen Freitag hätten bei einer Konsultativ-Abstimmung der CCP von 600 anwesenden Crossair-Piloten nur gerade fünf dem von den Swissair-Piloten bereits gutgeheissenen GAV zugestimmt. Das Nein zum neuen swiss-Vertrag in der Urabstimmung sei somit vorprogrammiert.

Unbegründete Ängste

Es wundere ihn nicht, dass an der Veranstaltung der CCP eine negative Stimmung geherrscht habe, sagte swiss-Mediensprecher Sacha Wigdorovits am Sonntag. Der CCP-Vorstand habe lediglich von den negativen Seiten des neuen GAV gesprochen und damit bei den Piloten unbegründete Ängste geweckt.

Der CCP-Vorstand begründet die Ablehnung des GAV mit Benachteiligungen gegenüber den von der Swissair zur swiss stossenden Piloten. So würden die Crossair-Piloten, da sie im Durchschnitt jünger seien als die Swissair-Piloten, bei Engpässen zuerst entlassen. Zudem würden sie bei der Karrieregestaltung eindeutig benachteiligt.

"Erhebliche Verbesserungen"

Diese Einwände sind nach Auffassung von swiss-Sprecher Wigdorovits "eindeutig falsch". Der neue GAV beinhalte für die Crossair-Piloten im Gegenteil erhebliche Vorteile: Höhere Löhne, mehr Ferien, frühere Pensionierung.

Auch das Argument, dass die Swissair-Piloten im Gegensatz zu den Crossair-Piloten in den Genuss eines Bonus-Systems kommen sollen, lässt Wigdorovits nicht gelten. Die Swissair-Piloten hätten Lohneinbussen von 15 bis 35 Prozent akzeptiert.

Darüber hinaus seien sie laut GAV zu weiteren Lohnkürzungen in den Jahren 2002 und 2003 verpflichtet. Diese zusätzlichen Kürzungen würden ihnen nur zurückerstattet, wenn die swiss 2003, resp. 2004 schwarze Zahlen schreibe. Demgegenüber seien die Löhne der Crossair-Piloten in ihrer Höhe garantiert.

Laut dem neuen GAV sind die Saläre abhängig vom Einsatzbereich, das heisst Kurz-, Mittel- oder Langstrecke, vom Dienstalter und der Funktion (Co-Pilot oder Captain).

Management auf Informationsmarathon

Das Crossair-Management orientiert nun die CCP-Piloten auch an eigenen Veranstaltungen. Eine erste wurde am Samstag in Basel durch geführt, zwei weitere standen am Sonntag in Zürich und eine am Montag in Genf auf dem Programm.

Daniel Schatzmann, seit sieben Jahren bei der Crossair und gegenwärtig Jumbolino-Kapitän, war an der CCP-Veranstaltung vom Freitag wie an jener des Managements am Samstag. Danach sagte er, es sei "eigentlich eine Frechheit", wie einseitig der CCP-Vorstand am Freitag informiert habe.

Er habe weder etwas über die verbesserte Ferienregelung, noch über die höheren Löhne oder das tiefere Pensionsalter etwas gehört. Die Stimmung sei völlig anders gewesen. An einen Streik glaube wohl nur der Vorstand selber, zumal die CCP ans Stillhalten gebunden sei, solange die Verhandlungen vor dem Arbeits-Schiedsgericht nicht abgeschlossen seien.

Viel Zeit für eine einvernehmliche Regelung vor dem Abheben der neuen Airline bleibt nicht mehr. In einer guten Woche sollte es soweit sein.

swissinfo und Agenturen

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