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Tausende beim Zählen der Wahlzettel

(swissinfo.ch)

Seit 12 Uhr sind die Wahlbüros geschlossen. Die Stimmberechtigten haben ihren Teil zu den Parlamentswahlen beigetragen, jetzt sind Tausende daran, die Wahlzettel auszuzählen.

Typisch für den Föderalismus: Ausgezählt wird je nach Region unterschiedlich.

In den Wahlbüros des Landes hat die Spannung ihren Höhepunkt erreicht. Zwei Zahlen zur Illustration: In der Stadt Freiburg zählen 120 Personen Wahlzettel, in Genf sind 750 zentral für den ganzen Kanton am Auszählen.

Zum Stimmen Zählen kann man verpflichtet werden

Im ganzen Land gilt eine Grundvoraussetzung zum Zählen der Stimmen: Man muss Schweizer Bürgerin oder Bürger und über 18 Jahre alt sein.

Die meisten Kantone verfügen über eine bestimmte Anzahl von Stimmenzählern. Im Kanton Uri zum Beispiel werden jene, die Stimmen zu zählen haben, von den Gemeindebehörden bestimmt, und sie tun dies während mindestens zweier Jahre.

Andernorts, wie in Freiburg, verfügen die Behörden über ein "Reservoir" an Personen, auf die sie zurückgreifen können. Diese werden von den politischen Parteien bestimmt, oder es sind Bürgerinnen und Bürger, die sich für das Auszählen der Wahlzettel interessieren.

Aber für Grossanlässe wie die Wahlen ins Bundesparlament reicht die übliche Anzahl Stimmenzähler meist nicht aus.

Die Behörden können deshalb aufs Geratewohl Bürgerinnen oder Bürger auswählen und sie dazu verpflichten, im Wahlbüro zu arbeiten. Wer sich ohne triftigen Grund weigert, kann gebüsst werden.

Dieses System kennen namentlich die Kantone Waadt, Uri und Bern. Aber es wird ziemlich flexibel gehandhabt.

"Meines Wissens wurden in diesem Zusammenhang noch nie Bussen ausgesprochen", erklärt Bernard Muhl vom Waadtländer Departement für Institutionen und Aussenbeziehungen.

Ein Job für Studierende

Aber nicht in allen Kantonen gibt es diese Verpflichtung. In Freiburg kann man niemanden zwingen, Wahlzettel auszuzählen.

Doch das ist kein Problem. "Wir zahlen 20 Franken pro Stunde für das Auszählen der Stimmen", erklärt Marc Macherel vom Wählerregister der Stadt Freiburg. "Das ist nicht überwältigend, aber viele Studierende sind daran interessiert."

Das wird auch von Hans-Peter Rindlisbacher vom Wahlbüro der Stadt Zürich bestätigt. Auch hier werden 20 Franken pro Stunde bezahlt. "Viele Studierende melden sich freiwillig", erzählt er.

Allerdings bezahlen nicht alle Gemeinden etwas für das Zählen der Stimmen. In kleineren Orten gibt es dafür manchmal eine Mahlzeit.

Konzentration ist wichtig

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Wählerlisten abzuändern (streichen, panaschieren, kumulieren). Und das wird auch getan.

"Seit einigen Jahren werden die Listen immer häufiger abgeändert", erklärt Muhl. "Im Kanton Waadt sind es zur Zeit über 50%, Tendenz zunehmend."

Das erschwert das Auszählen. Die Aufgabe ist aber trotzdem nicht allzu kompliziert. Die Stimmen müssen nur korrekt auf die Blätter mit den Resultaten übertragen werden.

"Es braucht vor allem klare und genaue Instruktionen, und die Aufmerksamkeit darf nicht nachlassen", betont Muhl.

"Ganz wichtig sind genaue Anordnungen", bestätigt auch Macherel. "Wenn man einen Sekretär hat, der seine Arbeit beherrscht und die Leute zum methodischen Arbeiten anhalten kann, ist die Atmosphäre relativ entspannt."

Trotzdem sind Fehler natürlich nicht ausgeschlossen. "Die Resultate werden in einer Art mathematischem Modell formuliert", führt Muhl aus. "Man merkt also, wenn es Ungereimtheiten gibt. Aber die Kontrollen zeigen nicht, wo ein Fehler liegt, und manchmal verliert man viel Zeit, um einen fehlenden Wahlzettel zu finden."

Es kommt auch etwa vor, dass eine Beige Wahlzettel im Wahllokal vergessen wird. Dies kann besonders ärgerlich sein, wenn man es erst merkt, wenn die Stimmenzähler schon entlassen sind.

Praktisch am Mittag bereit

Immer weniger Leute begeben sich für die Wahlen ins Wahllokal. In den Kantonen Waadt und Genf zum Beispiel wählen 90% der Bürgerinnen und Bürger per Post.

Aber auch das ist nicht in allen Kantonen gleich. So können im Tessin laut dem kantonalen Gesetz über die Wahlen in den Ständerat (die kleine Kammer) nur Personen brieflich abstimmen, die im Gefängnis oder im Militärdienst sind.

Deshalb lag dort bei den Parlamentswahlen von 1999 die briefliche Stimmabgabe bei lediglich 3,18 %.

"Bei uns geht man noch aus Tradition an die Urne", erklärt Maria Elena Guidotti vom kantonalen Stimm- und Wahlbüro. "Aber auch im Tessin werden die Leute mobiler, und ich denke, dass wir das Gesetz bald ändern werden."

Dank der brieflichen Stimmabgabe kann ein Teil der Wahlzettel vor Schliessung der Wahllokale am Sonntag um 12 Uhr bereits ausgezählt werden. Die Kantone Waadt und Genf zum Beispiel tun dies. Damit ist der grösste Teil der Arbeit zu diesem Zeitpunkt bereits erledigt.

Aber auch hier gibt es Unterschiede. In Freiburg, Bern, Uri und Zürich müssen alle Wahlzettel gleichzeitig ausgezählt werden. Diese Forderung wird mit Sicherheitsgründen erklärt.

"Es besteht immer die Möglichkeit von Lecks", erklärt Marc Macherel. "Es könnte vorkommen, dass man es bestimmten Parteien mitteilt, wenn sich ihre Stimmenzahl an der Grenze befindet, damit sie am Sonntag Morgen ihre Truppen aufbieten können."

Zu kompliziert für Maschinen

Dank der Technik können die Auszählung und die Analyse der Resultate schneller erledigt werden. In vielen Kantonen wird die Zahl der Stimmen und der Listen heute im Computer erfasst. Eine Software berechnet dann automatisch die Verteilung der Sitze.

Auch die Auszählung selber kann maschinell erfolgen. In der Stadt Zürich zum Beispiel werden die Wahlzettel von einer Maschine ausgezählt, mit der Banknoten gezählt werden. Im Kanton Bern wird die Zahl der Zettel mittels einer Waage bestimmt.

Aber Maschinen können nur unveränderte Listen zählen. Die anderen müssen nach wie vor von Hand ausgezählt werden.

"Eine maschinelle Auszählung ist wegen der zahlreichen Möglichkeiten, die den Wählenden zur Abänderung ihrer Wahlzettel offen stehen, unvorstellbar", erklärt Muhl. "Ich glaube, von Hand geht es trotz allem noch am besten", bestätigt auch Macherel.

Der Kanton Genf ist seiner Zeit voraus und setzt bei Abstimmungen bereits Zählmaschinen ein. Aber auch der Generalsekretär der Kantonskanzlei, Claude Bonnard, bestätigt, dass bei Wahlen eine Auszählung von Hand unumgänglich ist.

"Bei Abstimmungen antwortet man nur mit ja oder nein", führt er aus. "Maschinen können diese Antworten leicht lesen." Die abgeänderten Wahlzettel dagegen sind zu komplex, als dass sie mechanisch gelesen werden könnten.

Und vermutlich wird es auch nie soweit kommen. "Angesichts der Perspektiven der elektronischen Abstimmung ist klar, dass die Gemeinden nicht in ein solches System investieren", schliesst Bernard Muhl.

Noch kein e-voting

Zuhause vom PC aus abstimmen (e-voting) ist vielleicht die Lösung der Zukunft. Der nächste grössere Test findet im November in der Genfer Gemeinde Coligny statt.

Aber noch müssen viele Probleme gelöst werden, namentlich was die Sicherheit angeht, bevor das e-voting allgemein angewendet werden kann. In den nächsten zehn Jahren wird den Zählern und Zählerinnen der Wahlzettel die Arbeit wohl kaum ausgehen.

swissinfo, Olivier Pauchard
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Die Wahlen sind für die Gemeinden nicht kostenlos. Die Parlamentswahlen von 1999 kosteten beispielsweise die Stadt Freiburg gut 66'000 Franken.

Der grösste Teil davon (48'072 Franken) wurde für die Arbeit des Stimmenzählens ausgegeben (20 Franken pro Stunde).

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