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Überleben dank intelligenter Nischenpolitik

Fertigung eines Bäckereiofens in der Produktionshalle von Leutenegger+Frei swissinfo.ch

Während die Prominenz aus Politik und Wirtschaft am Swiss Economic Forum über KMU diskutiert, wird bei Leutenegger + Frei in Andwil hart gearbeitet.

Dieser Inhalt wurde am 08. Mai 2003 - 19:29 publiziert

Das Familienunternehmen stellt Bäckereiöfen und Industrieanlagen her.

Die neuesten Konjunktur- und Arbeitslosen-Zahlen zeigen es: Eine wirtschaftliche Erholung ist nicht in Sicht. Davon ist jedoch bei Leutenegger+Frei nichts zu merken. "Gott sei Dank nicht", sagt Firmenchef Erich Leutenegger gegenüber swissinfo. Verschiedene Aufträge aus dem In- und Ausland - darunter eine Durchlauf-Reinigungs-Anlage für Motorradteile - sorgen für Vollbeschäftigung und Überstunden.

Das KMU stellt Bäckereiöfen für die Schweiz und Industrieanlagen für die Metall- und Auto-Industrie im In- und Ausland her. Erich Leutenegger trat vor über 20 Jahren als Monteur in die Firma ein, arbeitete sich sukzessive hoch und wurde vor 15 Jahren nach dem Tod seines Vaters die Nummer 1.

Trotz Wirtschaftskrise musste er in den letzten zwei Jahren niemanden entlassen und - bis auf eine Woche letzten Oktober in der Produktionsabteilung - auch keine Kurzarbeit einführen. Im Gegenteil, seit 8 Wochen laufe es sogar gut. "Bis nach den Sommerferien sind wir voll ausgelastet. 70% unseres Umsatzes steht." Letztes Jahr waren es 20 Mio. Franken, die von den 70 Mitarbeitern erwirtschaftet wurden.

Das Ass im Ärmel: Spezialanfertigungen

Begonnen hat alles 1957. Vater Alois Leutenegger gründete die Firma zusammen mit einem ehemaligen Arbeitskollegen. Ihr Produkt war eine Eigenentwicklung: Ein Elektro-Einschuss-Ofen für Bäcker.

Ein zweites Standbein - Industrieanlagen für die Metall- und Autoindustrie - kam nach der Rezession 1973 dazu. "Wenn man Brot backen kann, kann man auch mit Wärme Farbe einbrennen. Aus dieser Überlegung heraus entstand damals die Industrieabteilung", erklärt Leutenegger.

Interesse aus dem In- und Ausland

Heute trägt die Industrieabteilung zwei Drittel zum Umsatz bei und auch zum Gewinn. Die Produkte aus diesem Bereich sind - im Gegensatz zu den Bäckereiöfen - Einzelanfertigungen, Spezialaufträge. "60% des Umsatzes in diesem Bereich machen wir in Deutschland, Österreich und Norditalien", so Leutenegger.

"Produziert werden die Einzelteile und Komponenten in der Ostschweiz, Monteure bauen schliesslich die Anlagen vor Ort zusammen."

Geradezu spektakulär war etwa die Produktion einer "Waschmaschine" für Zürcher Trams im letzten Jahr. Die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich hatten den Auftrag nach WTO-Richtlinien öffentlich ausgeschrieben, das Rennen machten die Ostschweizer. "Das war unser erster öffentlicher Auftrag."

Aufträge trotz Bäckereisterben

Trotz Bäckereisterben im Inland herrscht auch in der Abteilung Bäckereiöfen Betrieb. Einerseits zeichne sich in der Westschweiz eine gewisse Erholung ab.

Und, so Leutenegger: "Durch eine langfristige Zusage können wir während der nächsten drei Jahre einem Grosskunden jährlich bis zu 6 Spezial-Bäckereiöfen liefern."

Natürlich 'schenke das ein', aber damit sei natürlich auch eine gewisse Abhängigkeit verbunden. Ausserdem könne ein Grosskunde durch seine Marktmacht natürlich auch andere Preise verlangen als eine Durchschnittsbäckerei. Trotzdem: Preisdumping gibt es bei Leutenegger+Frei nicht.

Wenig Konkurrenten, harter Preiskampf

Im Bereich Bäckereiöfen gebe es in der Schweiz keine Konkurrenz. Allerdings würden etwa 7 Händler ähnliche Produkte aus Deutschland, Frankreich und Italien vertreiben. Dazu der KMU-Chef: "Andere Anbieter sind bis zu 50% billiger, wir bieten dafür eine andere Qualität. Es kann Jahrzehnte dauern, bis eine Anlage ersetzt werden muss."

Im Bereich Industrieanlagen gebe es in der Schweiz zwei Konkurrenten und in Deutschland etwa 8 Mitstreiter. Auch hier herrsche ein harter Preiskampf.

Konkurrenz aus Asien und Übersee sind laut Leutenegger keine Gefahr. "Die Transportkosten wären viel zu teuer." Ausserdem sei er nicht in einem Massenmarkt tätig.

Wieder investieren

Nach zwei Jahren Investitions-Stopp hat Leutenegger im laufenden Jahr wieder eine grössere Investition getätigt: Eine Stanzmaschine für rund 400'000 Franken. In guten Zeiten werde durchschnittlich 800'000 Franken pro Jahr investiert.

Die nächste grössere Ausgabe betreffe die EDV. "Die ständige Auf- und Umrüstung der Computer verschlingt Umsummen", klagt der Firmenchef. So wird die Renovation seines eigenen Büros - seit drei Jahren überfällig - wohl ein weiteres Mal verschoben. Denn, so Leutenegger: "Mein Büro bringt schliesslich auch keinen Umsatz."

Schmutzige Hände und Kommunikation

Was hat sich in seiner Zeit als Unternehmenschef am meisten verändert? "Es hat eine Öffnung gegenüber dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung stattgefunden. Wir informieren auch die Mitarbeiter regelmässig über den Geschäftsgang."

Das sei bis in die späten 90er Jahre ganz anders gewesen. Nach dem Tod seines Vaters hätte er jeweils mit seiner Mutter zusammen den Geschäftsgang besprochen. Heute sei Kommunikation und Öffnung nach aussen sehr wichtig.

Leutenegger+Frei bildet auch Lehrlinge aus, zur Zeit einen Konstrukteur. Es sei schwierig, Nachwuchs zu bekommen. "Die jungen Leute wollen sich nicht mehr die Hände schmutzig machen."

Aber, da ist sich der KMU-Chef sicher: "In 10 Jahren wird ein Schlosser gleich viel verdienen wie heute ein Informatiker, weil es nämlich immer weniger von ihnen geben wird."

swissinfo, Elvira Wiegers

Fakten

KMU steht für: Kleine und Mittlere Unternehmen.

Ein KMU beschäftigt bis zu 250 Personen.

99% aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU, also rund 300'000 Betriebe.

Rund zwei Drittel aller Beschäftigten in der Schweiz arbeiten in einem KMU, also rund 2,6 Mio. Personen.

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In Kürze

Leutenegger+Frei aus dem St. Gallischen Andwil ist ein klassisches Beispiel für ein Schweizer KMU.

L+F beschäftigt 70 Personen und erwirtschaftete 2002 einen Umsatz von 20 Mio. Franken.

Der Familienbetrieb stellt Bäckereiöfen und Industrieanlagen für die Metall- und Autoindustrie her und exportiert auch.

Als grösste Veränderung in seiner langjährigen Tätigkeit als KMU-Chef bezeichnet Erich Leutenegger die Kommunikation und Öffnung nach aussen, also gegenüber Mitarbeitern, Geschäftsleitung und Verwaltungsrat.

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