Umweltschutz mit Abfall

In Monthey, Kanton Wallis, befindet sich eine der 30 Abfallverwertungs-Anlagen in der Schweiz. Satom

Ein Betreiber einer thermischen Kehrichtverwertungs-Anlage will mit seinem Werk künftig "auf eine positive Auswirkung auf die Umwelt abzielen". Wie soll das gehen?

Dieser Inhalt wurde am 18. August 2020 - 11:00 publiziert

Aus dem grossen Fenster seines Büros im vierten Stock kann Daniel Baillifard die Rhone und die Gipfel der Waadtländer und Walliser Alpen bewundern. Wendet er seinen Blick aber nur leicht nach links, sieht er ein weniger attraktives Panorama: ein Hof mit Diesel-LKW, die Tonnen von Abfällen transportieren.

Baillifard ist Generaldirektor der Kehrichtverwertungs-Anlage (KVA) Satom SA in Monthey, Kanton Wallis. In seiner Anlage landet namentlich der Abfall von rund 80 Gemeinden. Den Angestellten mangelt es nicht an Arbeit. Schliesslich zählt die Schweiz zu den Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Abfallquoten der Welt: Hierzulande produziert eine Person über 700 kg Haushaltsabfälle pro Jahr

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Verringerung der Umweltbelastung durch Abfall

"Die Abfallmenge nimmt von Jahr zu Jahr zu. Wir müssen regelmässig Lieferungen von Privatkunden ablehnen", sagt Baillifard. "Die Gesellschaft muss unbedingt weniger Ressourcen verbrauchen und ihr Abfallvolumen reduzieren. Aber bis dahin ist unsere Aufgabe, die uns anvertrauten Abfälle bestmöglich zu verwerten."

Die Bürger und Bürgerinnen zu ermutigen, alle wiederverwertbaren Materialien zur Deponie zu bringen, sei der falsche Weg, sagt er. "Sammelstellen funktionieren sehr gut für Glas, Papier, Karton, Lebensmittelabfälle, PET und gebührenpflichtige Kehrichtsäcke. Für den Restmüll ist es absurd, dass die Leute ins Auto sitzen und dann fossile Brennstoffe verbrauchen, Feinstaub ausstossen und den Verkehr verstopfen, um ein paar Kilo wiederverwertbares Material anzuliefern."

"Die Gesellschaft muss unbedingt weniger Ressourcen verbrauchen und ihr Abfallvolumen reduzieren."

Daniel Baillifard, Direktor Kehrichtverwertungs-Anlage Monthey

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Nach Ansicht des Satom-Direktors sollte ausser Sperrmüll alles oder fast alles in einem Müllsack landen, der für wiederverwertbare Gegenstände bestimmt ist und vom Bürger an derselben Sammelstelle deponiert wird wie der gewöhnliche Sack.

Dies würde die Sammlung vereinfachen, da diese Gegenstände von ein und demselben Spediteur eingesammelt würden, ohne zusätzliche Umweltbelastung.

Der Sack mit wiederverwertbaren Gegenständen hätte eine andere Farbe als der gewöhnliche gebührenpflichtige Sack, und automatisierte Sortieranlagen in den KVA, die mit den neuesten optischen Sortier- und künstlichen Intelligenztechnologien ausgestattet sind, würden alle wiederverwertbaren Materialien sortieren, um sie zentral dem besten Verwertungsweg zuzuführen.

Dies sei eine Entwicklung, die sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren vollziehen könnte und das Leben für die Bürger wesentlich erleichtern und gleichzeitig den ökologischen Fussabdruck des Abfalls weiter verringern würde, so Baillifard. Satom SA initiiere die ersten Studien zu diesem Thema.

Abfall als Ressource

Bereits heute wird die bei der Müllverbrennung entstehende Wärme zur Stromerzeugung und Versorgung von Fernwärme-Netzen oder industriellen Prozessen genutzt. Das Werk in Monthey produziert Strom für den Verbrauch von umgerechnet 35'000 Haushalten und versorgt rund 400 Gebäude mit Fernwärme (was einer Einsparung von rund neun Millionen Litern Heizöl entspricht).

Abfallverwertung

30 Anlagen in der Schweiz

4 Millionen Tonnen behandelte Abfälle pro Jahr (ein Zehntel davon wird importiert)

7,5 Millionen Tonnen endgültig deponierter Abfall (2018)

1,8 Millionen MWh erzeugte Elektrizität (knapp 3% der nationalen Stromproduktion)

(Quelle: Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungs-Anlagen)

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Für Baillifard kann es die Branche noch besser machen, wenn sie die neusten Technologien einsetzt und auf dem Interesse der Bürgerinnen und Bürger aufbaut, den ökologischen Fussabdruck des Abfalls weiter zu verringern.

"Es ist jetzt an der Zeit, dass unsere KVA zu Akteuren der Energiewende werden und einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben"

Daniel Baillifard, Direktor Kehrichtverwertungs-Anlage Monthey

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Seit den ersten Anlagen in den 1970er-Jahren hätten sich Verbrennungsanlagen stetig weiterentwickelt, betont er: "Nachdem die Luftverschmutzungs-Probleme durch die Installation eines effizienten Rauchgasreinigungs-Systems gelöst worden waren, wurde die Frage der Energie- und Wärmerückgewinnung in Angriff genommen", erzählt er.

"In jüngerer Zeit tauchten dann die Begriffe des Recyclings und der Rückgewinnung von in der Schlacke enthaltenen Materialien wie z.B. Metallen auf. Es ist jetzt an der Zeit, dass unsere KVA zu Akteuren der Energiewende werden und einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben", sagt der Direktor im Namen der industriellen Ökologie. "Bei Satom SA möchten wir den gesamten Prozess dekarbonisieren und Abfall als ein Gut behandeln."

Wasserstoff-Produktion und CO2-Abscheidung

Neben einem automatisierten, auf künstlicher Intelligenz basierenden System, das für die Sortierung von wiederverwertbarem Abfall eingesetzt wird, ist seine Vision für das nächste Jahrzehnt die einer Flotte von Müllwagen, die mit Elektrizität und/oder aus Abfall hergestelltem Wasserstoff betrieben werden.

Daniel Baillifard, Generaldirektor von Satom. Satom

Zu den möglichen Entwicklungen gehört auch die Abscheidung von CO2, das bei der Verbrennung entsteht.

Die daraus gewonnene Wärme soll an eine wenige Kilometer entfernte chemische Produktionsstätte und an Dörfer in der Region verteilt werden.

Die 35% der Emissionen, die aus den Schornsteinen kommen, sind fossilen Ursprungs, wie etwa von Kunststoff-Abfällen. Der andere Teil stammt aus Biomasse wie Holz, Sperrmüll oder Bauschutt.

"Die Tatsache, dass wir auch das von der Biomasse erzeugte CO2 auffangen, würde es uns ermöglichen, hinsichtlich der Emissionen negativ zu sein, da wir der Atmosphäre CO2 entziehen würden", sagt Baillifard.

Ein Teil des abgeschiedenen CO2 könnte zur Herstellung von Biogas durch Kombination mit Wasserstoff verwendet werden. Der Rest könnte zur dauerhaften Lagerung in alten Gasfeldern nach Nordeuropa transportiert werden.

Die Idee von Daniel Baillifard und dem Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungs-Anlagen ist der Bau eines Pipelinenetzes für den CO2-Transport von der Schweiz nach Norwegen.

Der Satom-Direktor schlägt vor, die Rhone-Ölpipeline zu nutzen, die das Wallis mit dem Hafen von Genua in Italien verbindet und seit der Einstellung des Betriebs der Tamoil-Raffinerie in Collombey im Jahr 2015 nicht mehr in Betrieb ist. Eine technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie ist bereits im Gang.

"Sollte die Abfallmenge in Zukunft aufgrund besserer Sortierung und neuer Recyclingmöglichkeiten abnehmen, wäre es möglich, dass einige KVA in der Schweiz geschlossen werden. In diesem Fall werden nur die effizientesten übrig bleiben", prognostiziert er.

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