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Unverantwortliche Konzerne an den Pranger

"Public Eye" und WEF: Stets ungleiche Kontrahenten in Davos.

(Keystone)

Grosskonzerne sollen die negativen Auswirkungen für ausschliesslich Profit orientiertes Management verantworten und dafür haftbar gemacht werden.

Die WEF-Gegenveranstaltung "Public Eye on Davos" tritt mit fünf Preisen für unverantwortliches Konzernverhalten an die Öffentlichkeit.

"Public Eye on Davos", die Gegenveranstaltung zum Weltwirtschafts-Forum (WEF), rügt mit ihrer "Public Eye-Awards" schweizerische und internationale Grossunternehmen, die ihrer Ansicht nach in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsrecht, Umwelt oder Steuern ihre Verantwortung nicht wahrnehmen.

Die Nichtregierungs-Organisationen (NGO) Erklärung von Bern und Pro Natura, zusammengeschlossen in "Public Eye on Davos", wollen die Preise in den genannten vier Kategorien sowie einen fünften, den Publikumspreis, am 26. Januar in Davos verleihen.

Für den Publikumspreis kann ab sofort bis am 24. Januar im Internet die Stimme abgegeben werden.

Mächtige Konzerne

"Die im WEF in Davos vereinigten Konzerne sind ungeheuer mächtig und stark", sagt Mathias Herfeldt, Koordinator von "The Public Eye on Davos", gegenüber swissinfo.

Und wenn man dann beobachte, "wie sie bei der jetzigen Tsunami-Katastrophe ihre Hilfspakete und Hilfsleistungen in den Vordergrund stellen", sei es wichtig, dass man auch weitere, ihr Kerngeschäft betreffende Aspekte nennen müsse, so Herfeldt.

"Und ich denke, das kann man nur mit pointierten Massnahmen wie den 'Public Eye-Awards'."

Verantwortlicher Umgang

Die Awards sollen die Mitglieder des WEF und andere Konzerne daran erinnern, das die Öffentlichkeit von ihnen einen verantwortlichen Umgang mit der Umwelt verlangt.

Sonja Ribi von Pro Natura, welche die Awards gemeinsam mit der Erklärung von Bern vergibt, ist überzeugt, dass es rechtlich verbindliche internationale Regeln zur Unternehmens-Verantwortung braucht.

"Der Global Compact und andere freiwillige Initiativen sind ungenügend, da sie keine Umsetzungs-Vorschriften, Überprüfungs- und Sanktions-Mechanismen enthalten", sagt Sonja Ribi.

Vier Kategorien

Nichtregierungs-Organisationen aus aller Welt haben ihre Nominierungs-Vorschläge für die "Public Eye Awards" eingereicht. Award-Anwärterinnen sind Firmen wie Bayer, BP, Shell, Nestlé, Danzer, Dow Chemical, Monsanto, Syngenta, Tchibo, Vodafone oder Wal-Mart.

In den vier Kategorien Menschrechte, Arbeitsrechte, Umwelt und Steuern hat die "Public Eye"-Trägerschaft jeweils einen Preisträger ermittelt, der durch die Tragweite seines unverantwortlichen Verhaltens besonders hervorsteche.

Nestlé wurde zum Beispiel nominiert, weil die Firma gegen den internationalen Kodex zur Vermarktung von Babynahrung der Weltgesundheits-Organisation (WHO) verstossen habe. Nestlé konkurrenziere damit das Stillen – mit tödlichen Folgen: Laut WHO sterben jährlich 1,5 Mio. Babies, weil sie nicht gestillt werden.

Herfeldt nennt aber auch ein Beispiel einer Schweizer Firma, die nicht mit einem Award "bestraft" werden müsse: "Wir haben zum Thema Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie stets Kontakte zu Unternehmen in der Schweiz. Die Firma Switcher ist sehr fortschrittlich, was Arbeits-Bedingungen und Umweltanliegen betrifft."

Selbst-Beweihräucherung

Der "Public Eye on Davos"-Koordinator erklärt: "Es ist wichtig, gerade die schlechten Beispiele ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen."

Das WEF selbst und die Unternehmer und ihre in Davos anwesenden Verbände beweihräucherten sich selbst ziemlich exzessiv, sagt Herfeldt.

"Meiner Meinung nach ist es wichtig, ein vollständiges Bild zu bekommen und auch Transparenz zu schaffen über die negativen Fälle und über die Konzerne, die dafür verantwortlich sind", so Herfeldt.

Ohne PR-Schiene

Das "Public Eye on Davos"-Projekt präsentiert sich dieses Jahr in seiner sechsten Auflage. Am Anfang gab es einige Kontakte zum World Economic Forum in Davos.

Das erste "Public Eye on Davos" war ein Streitgespräch mit einem Vertreter von NGO aus Entwicklungsländern und Klaus Schwab, dem Präsidenten des WEF.

Herfeldt: "Dort haben wir bemerkt, dass eine vertiefte Auseinandersetzung nicht möglich ist. Vor allem dann nicht, wenn die Fragen stets auf einer PR-Schiene beantwortet werden. Wir wollen daher in Davos eine Gegenöffentlichkeit bieten."

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Nominiert für den "Public Eye-"Award 2005:

Kategorie Menschenrechte:
Nestlé S.A.
Bechtel Corp.
Dow Chemical

Kategorie Umwelt:
Royal Dutch/Shell Group
Danzer-Gruppe
Monsanto

Kategorie Arbeitsrechte:
Wal Mart
Tchibo

Kategorie Steuern:
KPMG
Volcafé Holding Ltd.

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In Kürze

"The Public Eye on Davos" ist eine globalisierungs-kritische Veranstaltung, welche heuer zum 6. Mal, jeweils Ende Januar, zeitgleich zum Jahrestreffen des Weltwirtschafts-forums WEF, in Davos stattfindet.

Diese Alternativ-Konferenz ist ein Projekt mehrerer entwicklungs- und politischer NGOs aus allen Kontinenten. Sie wird von der "Erklärung von Bern" koordiniert.

2005 werden erstmals die "Public Eye-Awards" für unverantwortliches Konzernverhalten vergeben.

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