Vekselberg bestreitet Einfluss des Kremls

Viktor Vekselberg versicherte dem Publikum, seine Geschäftsentscheide treffe er unabhängig vom Kreml. Keystone

Der russische Milliardär und Investor Viktor Vekselberg beginnt, sein wachsendes Schweizer Industrieimperium auch PR-mässig ins rechte Licht zu rücken. Denn man wirft ihm vor, eine Investment-Marionette des Kremls zu sein.

Dieser Inhalt wurde am 23. Mai 2008 - 13:38 publiziert

Vekselbergs Holdingfirma Renova hat in den vergangenen Jahren einige Schockwellen durch den traditionellen Schweizer Industriesektor gejagt. Renova hat sich nämlich zwei etablierte Unternehmen, Oerlikon und Sulzer, unter den Nagel gerissen.

Vor dem Publikum des Swiss Economic Forum (SEF) in Thun ist Vekselberg nun am Donnerstag den Gerüchten entgegen getreten, wonach seine Käufe mit Geldern von russischen Staatsfonds finanziert seien. Und er eigentlich nur am schnellen Rubel interessiert sei, um die Traditionsunternehmen schnell wieder abzustossen.

Diese Vorwürfe basieren auf Vekselbergs regelmässigen Besuchen bei früheren russischen Präsidenten und jetzt Premierminister Vladimir Putin.

Direkte Drohungen aus dem Kreml

Die Schweizer Medien hatten im letzten September auch über die Drohungen des russischen Wirtschaftsministers German Gref berichtet, was die Schweizer Geschäftsinteressen in Russland betrifft, als sich die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) anschickte, Renovas aggressive Übernahmepolitik etwas zu durchleuchten. Die Aufsichtsbehörde untersucht nun, ob Meldepflichten verletzt wurden.

"Der russische Staat ist nicht an Renova beteiligt, doch in der Schweiz wird uns vorgeworfen, Renova befände sich in der Hand des Kremls", sagte Vekselberg dem Publikum des Elite-Forums der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Thun. "Meine Treffen mit dem Präsidenten wurden als Instruktionsbesuche missverstanden."

Das sei ein totaler Unsinn: "Unsere Investitionen in Schweizer Unternehmen haben nichts mit dem russischen Regierung oder mit russischen Staatsfonds zu tun."

Vekselberg gab in Thun zu, dass es in Russland als Folge seines Wachstum zur globalen Wirtschaftsmacht zu Problemen gekommen sei – nicht zuletzt auch zu Korruption. Doch bestand er darauf, dass sich Russland auf dem richtigen Weg befindet, "dieses Übel zu besiegen".

Europa und die USA hätten zwei Jahrhunderte Zeit gehabt, ihre Marktwirtschaft aufzubauen. "Russland muss dies in 15 Jahren tun", so Vekselberg. "Bei solch schnellem Wachstum ist es zu Fehlern gekommen, aber wir haben auch daraus gelernt."

Pläne zur einem "Sulzer-Oerlikon"-Gigant?

In den vergangenen Wochen hat Renova mit Erfolg seinen vorübergehenden Verbündeten punkto Aufkäufe und Übernahmen in der Schweiz, die österreichische Victory Gruppe, an die Wand gespielt. Denn Renova zielte auf die totale Kontrolle der Traditionsunternehmen Oerlikon und Sulzer.

In den Medien stand zu lesen, es gäbe heimliche Pläne, Sulzer und Oerlikon mit weiteren Schweizer Unternehmen zu vereinen und auf diese Weise einen helvetischen Industrie-Giganten aus der Taufe zu heben.

Vekselberg sagte in Thun nichts zu diesem Punkt, und konzentrierte sich darauf, die Bedenken zu zerstreuen, er sei einfach ein Spekulant, der Unternehmen kauft, zerstückelt und mit Gewinn weiterveräussert.

Vertrauen, Ehre und Respekt – und sentimental

Als Russe bestehe er darauf, dass seine Geschäftsphilosophie auf den Prinzipien Vertrauen, Ehre und Respekt baue.

"In den 18 Jahren seit die Renova gegründet wurde, habe ich nie eine bedeutende Beteiligung verkauft", so Vekselberg, "weil jedes Unternehmen mir fast schon wie ein Kind vorkommt – vielleicht bin ich sentimental. Aber ob man will oder nicht, ich gedenke, länger zu bleiben."

Er möchte in diesem gastfreundlichen Land auch ein kompleter Business-Inländer werden und gebe sich Mühe, die gesellschaftlichen, historischen und kulturellen Schweizer Traditionen zu verstehen. "Im Gegenzug dazu hoffe ich, etwas russische Tollheit und einen schnelleren Schritt einbringen zu können."

swissinfo, Matthew Allen, Thun
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Viktor Vekselberg

Viktor Vekselberg ist mit einem persönlichen Vermögen von 8,1 Milliarden Franken aus dem Öl- und Aluminium-Business der fünftreichste Russe.

Der verheiratete Vater von zwei Kindern lebt in der Schweiz, wo er kürzlich eine Luxusvilla in Zürich gekauft hat. Er ist ein passionierter Sammler von Fabergé-Eiern.

Vekselberg ist Verwaltungsrats-Präsident der Renova-Gruppe, die langezeit Verbindungen zu dem in Zug domizilierten Rohstoffkonzern Glencor (Marc Rich) hatte. 2006 begann Renova, Beteiligungen an Schweizer Industrieunternehmen zu kaufen.

Renova tat sich vorübergehend zusammen mit der österreichischen Beteiligungsfirma Victory Holding (Unaxis-Machtkampf, Georg Stumpf, Ronny Pecik) und gründete das Drittunternehmen Everest. Aber nach kurzer Zeit löste sich die Partnerschaft wegen strategischer Differenzen auf, und Renova begann Victory aus den Joint Ventures auszubooten.

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Swiss Economic Forum

Das 10. Swiss Economic Forum (SEF) fand am 14. und 15. Mai in Thun, Kanton Bern, statt.

Gründer des SEF sind Stefan Linder und Peter Stähli. An einem Spaghetti-Essen entwickelten sie 1998 die Idee des Forums zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Innovation.

1999 ging das 1. SEF mit 460 Geschäftsleuten über die Bühne. Hauptthema: Kommunikation.

An der diesjährigen Ausgabe nahmen 1200 Personen teil – doppelt so viele wie erwartet. Schwerpunktthema 2008: Höchstleistungen.

Gastredner: der russische Investor und Milliardär Viktor Vekselberg, der frühere Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani sowie Novartis CEO- und VR-Präsident Daniel Vasella.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind Betriebe, die bis zu 250 Personen beschäftigen. Sie machen 99,7% der insgesamt 307'000 Privatunternehmen in der Schweiz aus und beschäftigen 66,8% aller Arbeitskräfte.

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