Vietnam: Schweineaufzucht mit Schweizer Hilfe

swissinfo.ch

Vietnam ist ein dynamisches Land und in voller Entwicklung. Doch der Graben zwischen Stadt und Land ist gewaltig. Die Schweiz unterstützt ein Projekt zur Schweineaufzucht im Norden des Landes.

Dieser Inhalt wurde am 21. August 2008 - 16:17 publiziert

Es regnet in Strömen in Cat Thinh. Das Dorf befindet sich – eingebettet zwischen Hügeln und Reisfeldern - in der Provinz Yen Bai. Fünf Stunden dauert die Fahrt im Auto von der Hauptstadt Hanoi bis nach Cat Thinh.

Etwas ausserhalb des Dorfes treffen wir die Bäuerin Ta Thi Nhyng (43). Sie ist verheiratet, Mutter zweier Kinder und gehört zur Thai-Minderheit . Sie kam gerade von der Feldarbeit zurück. Sie bindet einen Wasserbüffel an einer Pflanze fest, bevor sie uns in den Stall bringt, in der eine Sau der berühmten Rasse Mong Cai steht.

"Im Jahr 2006 hat mich ein Mitarbeiter der Gemeinde überzeugt, im Projekt zur Aufzucht von Schweinen aktiv zu werden. Die Teilnahme erlaubte mir, eine qualitativ hoch stehende Rasse von Schweinen aufzuziehen. Das hätte ich mir früher nie erlauben können", erzählt Ta beim Gespräch in ihrem einfachen, aber würdevollen Haus in Anwesenheit ihres Ehemanns.

Die Aufzucht und der Verkauf der Schweine haben die wirtschaftliche Situation der Familie verbessert. Die Familie von Ta lebt vor allem vom Anbau von Reis, Mais und Tee.

"Der Erlös aus dem Verkauf des ersten Wurfes erlaubte mir, den Stall zu reparieren und den Kredit von einer Million Dong (66 Franken) zurückzubezahlen. Dank des Verkaufs der Ferkel aus dem zweiten Wurf konnte ich mir neue Möbel und Stühle für unser Haus kaufen", sagt Ta. Sie wartet nun voller Ungeduld auf den dritten Wurf, um das bescheidene Familienbudget aufzubessern.

Weniger Armut dank den Schweinen

Die Familie von Ta ist nur eine von 700, die am Projekt PALD teilnehmen (Poverty through Livestock Development). Dieses Projekt wird in der Periode 2005-2008 mit fast einer Million Franken von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) unterstützt.

Ziel des Projektes ist es, das Einkommen von Bauern in Berggebieten durch die Aufzucht von Vieh (Schweine und Hühner) und einen entsprechenden Veterinärservice zu verbessern. Dies im Einklang mit den Bedürfnissen der lokalen Gemeinschaften.

Bei der Umsetzung des Projekts ist der lokale Frauenverein (Women Union) federführend. Er hat die Aufgabe, die teilnehmenden Familien auf Grundlage der jeweiligen wirtschaftlichen Situation auszuwählen und die Kredite zu vergeben.

Der Kredit beläuft sich in der Regel auf eine Million Dong (66 Franken). Dies reicht aus, um die Sau der Rasse Mon Cai im nationalen Bauernhof zu erwerben. Dieser befindet sich 400 Kilometer entfernt von der Provinz Yen Bai.

Zentrale Rolle der Frauen

Die teilnehmenden Familien werden in so genannte Interessengruppen von Bauern eingeteilt (Farmers interest groups), die für den Erfolg des Projekts eine entscheidende Rolle spielen. Die Interessengruppe von Ta, die wir in Cat Thinh im Sitz der Kommunistischen Partei treffen, besteht ausschliesslich aus Frauen.

"Anfänglich war ich sehr in Sorge und wenig überzeugt, es zu schaffen. Ich hatte kein Geld und keinerlei Wissen. Dank der Teilnahme an dem Projekt konnte ich die Sau kaufen und die adäquate Aufzucht erlernen. Heute fühle ich mich sicher. Ich kann anderen Familien nur empfehlen, an dem Projekt teilzunehmen", sagt die Sprecherin der Gruppe von Cat Thinh. Dank des Verkaufs der Ferkel konnte sie sich ein Mofa anschaffen.

Ein wichtige Rolle für den Netzwerkcharakter des Projekts kommt auch dem Veterinär zu. Er ist für die künstliche Insemination verantwortlich und hat die Aufgabe, sein Wissen an andere Personen weiterzugeben, die am Projekt teilnehmen.

"Die Teilnahme an diesem Projekt war auch für mich sehr positiv. Ich erhielt eine Ausbildung im Bereich der künstlichen Insemination sowie eine Unterstützung für die Anschaffung eines Ebers der Rasse Yorkshire. Die Preise der Schweine sind gestiegen, und wir haben gut verdient", sagt Bui Duc Hoa, Veterinär der Gemeinde Cat Thinh.

Wissen teilen

Das Projekt bietet aber auch immaterielle Vorteile. "In der Vergangenheit fand die Aufzucht der Schweine durch die Bauern statt, ohne je Erfahrungen und Wissen mit anderen zu teilen. Heute können wir dank der Interessengruppen schnell voneinander lernen", fügt der Veterinär von Cat Thinh an.

Auch in der Gemeinde Tan Thinh besteht die Interessengruppe ausschliesslich aus Frauen. Doch an der Sitzung nimmt ein Mann teil. "Ich nehme an Stelle meiner Frau an dem Treffen teil. Sie konnte wegen der Arbeit nicht kommen: Gestern hat unsere Sau zum dritten Mal geworfen. 14 kleine Ferkel wurden geboren", erzählt uns dieser Mann.

Der Enthusiasmus für das Projekt ist auch in diesem Dorf gross. "Ich habe gelernt, die Schweine allein zu impfen und Krankheiten frühzeitig zu erkennen", sagt eine Bäuerin, die uns unbedingt ihr Haus und ihren kleinen Zuchtbetrieb mit den rosaroten Schweinchen zeigen will. "Ich bin froh, weil ich das verdiente Geld in die Ausbildung meiner Kinder investieren kann", sagt die Frau.

swissinfo, Andrea Arcidiacono, Provinz Yen Bai
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Das Projekt PALD

Die Schweiz unterstützt Vietnam in seinen Anstrengungen der Armutsbekämpfung und Wirtschaftsförderung in ländlichen Gebieten.

Das Projekt PALD (Poverty Allevation through Livestock Development) wird in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Landentwicklung Vietnams in drei Provinzen des Nordens durchgeführt: Yen Bai, Phu Tho, Son La.

Priorität hat dabei die Aufzucht von Schweinen, an der 700 Bauernfamilien in 26 Interessengruppen beteiligt sind . Das Projekt zur Hühneraufzucht kommt wegen der Vogelgrippe nur schleppend vorwärts. Der Virus trat im Mai 2007 erneut auf.

Das Projekt richtet sich an arme Familien, die keine Möglichkeit haben, auf Finanzierungen des vietnamesischen Bankensystems zurückzugreifen.

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Jahreskonferenz zur Mekong-Region

Die Jahreskonferenz 2008 der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) sowie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) findet am 22.August in Bern statt. Die Konferenz ist der Entwicklung in der Mekong-Region gewidmet. Thematisch geht es um die Nahrungsmittelsicherheit und die Auswirkungen der Globalisierung auf die Region.

Die Region Mekong umfasst die Staaten Vietnam, Kambodscha, Laos und Myanmar. Die Schweiz ist seit 1970 in dieser Region aktiv. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wurde die Region Mekong zu einer prioritären Region im Rahmen der Schweizer Entwicklungshilfe.

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