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Weshalb die Mobiltelefonie-Tarife hoch bleiben

Ohne Mobiltelefon-Kommunikation ist das heutige Leben kaum mehr vorstellbar.

(Keystone)

Mobiles Telefonieren ist in der Schweiz immer noch um einiges teurer als in den meisten anderen europäischen Ländern. Mehr Konkurrenz wäre nötig.

Zu ihrem eigenen Vorteil verschliessen sich die drei Schweizer Mobiltelefonie-Anbieter jedoch einer weiteren Marktöffnung.

In der Schweiz haben die drei Mobiltelefonie-Anbieter Swisscom, Orange und Sunrise den Markt fest in ihrer Hand. Ihre von der Eidgenössischen Kommunikations-Kommission (ComCom) vergebenen Konzessionen würden zwar problemlos zulassen, dass weitere Anbieter an der bestehenden Infrastruktur teilhaben könnten. Die Anbieter können aber nicht zu einer Öffnung gezwungen werden.

Grossbritannien dagegen hat wie weitere europäische Länder einen anderen Weg gewählt. Dort werden Firmen gefördert, welche mobile Dienste mit eigener SIM-Karte, eigenem Vorwahlcode, eigener Mobilfunkzentrale jedoch ohne eigene Radio-Frequenz-Lizenz anbieten. Bezeichnet werden diese als MVNO (Mobile Virtual Network Operator).

Die MVNO zeigen sich als sehr engagierte Marktteilnehmer und heizen den Wettbewerb zwischen den Anbietern gehörig an. Die Folge: Die Mobiltelefon-Tarife sind viel rascher und tiefer gefallen als in der Schweiz.

MVNO statt National Roaming

Tele 2, europaweiter Anbieter von Telekommunikations-Dienstleistungen, ist MVNO in Dänemark, Holland, Österreich, Norwegen und seit kurzem auch in Frankreich. "Wir hätten das sehr gerne auch in der Schweiz gemacht", erklärt Tele2-Schweiz-Geschäftsführer Roman Schwarz gegenüber swissinfo. "Aber die drei bisherigen Anbieter zeigen daran keinerlei Interesse."

Deshalb hat Tele2 eine Mobiltelefonie-Lizenz erworben und in Zürich ein Stadt-Mobilnetz aufgebaut. Die Firma will auch in anderen Städten Mobil-Netze errichten.

Um ihre Stadtnetze miteinander zu verbinden, ist Tele2 sehr daran interessiert, mit einem so genannten nationalen Roaming die Netze der Schweizer Mobiltelefonie-Anbieter nutzen zu können.

Eine entsprechende Einigung konnte jedoch bislang noch nicht getroffen werden. "Wir setzen uns jedenfalls anlässlich der Neuverhandlungen zu den Mobiltelefonie-Konzessionen dafür ein, dass Verpflichtungen für ein nationales Roaming aufgenommen werden", sagt Schwarz.

Konzessions-Verhandlungen

2008 laufen die auf 10 Jahre befristeten Konzessionen der Mobiltelefonie-Anbieter aus. Zwei Jahre zuvor, also 2006, müssen sich die Marktteilnehmer um eine Erneuerung der Lizenzen bemühen.

Peter Bär, ComCom-Sekretär: "Dann werden die Lizenzen mit den bisherigen Teilnehmern neu ausgehandelt oder es findet eine Neuausschreibung statt, wenn Lizenzen zurückgegeben werden sollten."

Bei den Verhandlungen will sich die ComCom dafür einsetzen, dass der Wettbewerb in dieser Sparte künftig besser spielen wird. Wie sie sich das vorstellt, kann oder will sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich machen.

Gegensätzliche Ansichten

Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus weist energisch darauf hin, dass seine Firma strikte gegen zusätzliche staatliche Regulierungen sei. Gerade bei der letzten Meile und dem Netzwerk handle es sich um die kostenintensivsten Teile des Geschäfts: "Es darf keine Regulierung der bisher kommerziell geregelten Basis geben."

Für eine Regulierung kämpft dagegen der kommunistische Nationalrat Josef Zisyadis mit seiner in der grossen Parlamentskammer am 2. Juni eingereichten Motion "Mobile Telekommunikation. Erneuerung der GSM-Lizenzen".

Darin verlangt er unter anderem die Gewährung eines nationalen Roamings zu kostenorientierten Preisen, damit neue Anbieter rasch neue Netze aufbauen können. Weiter fordert er die Zulassung von virtuellen Mobilfunkanbietern (MVNO), welche die bestehenden Netze nutzen dürfen.

Zisyadis ist überzeugt, dass sich mit diesen Massnahmen der Druck auf die Konsumentenpreise erhöhen wird. Und als angenehme Nebenerscheinung könnte erst noch die gegenwärtige "Ausbreitung des Antennenwaldes" gestoppt werden.

Der Ausgang der Konzessions-Verhandlungen ist nicht vorauszusehen. Aber, egal welches Resultat sie erzielen werden, die Schweizer Mobiltelefon-Konsumentinnen und Konsumenten müssen ziemlich sicher bis 2008 warten, bis allenfalls ein frischer Wind in der Schweizer Mobiltelefonie-Branche die rekordverdächtigen Tarife in konsumentenfreundliche Sphären drücken wird.

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Der Schweizer Mobilfunkmarkt ist auch 2004 gewachsen.
Versorgungsgrad der Bevölkerung: 87,4%.
Trotz eines Rückgangs um 0,8% betrug der Swisscom-Marktanteil 61%.
2. Platz: Sunrise mit 21,3% (+0,8%)
3. Platz: Orange mit unverändert 17,7%.
In absoluten Zahlen verzeichneten alle Betreiber eine Zunahme ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
(Quelle: ComCom)

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In Kürze

MVNO: Mobile Virtual Network Operator, Virtueller Netzbetreiber mit Mobilkunden, der sein Geschäft auf dem Mobilnetz eines Operators abwickelt.

Operator: Betreiber eines Mobilnetzes (im Gegensatz zum MVNO).

Service Provider: betreibt im Gegensatz zum Operator kein eigenes Netz, sondern bietet auf bestehenden Netzen Dienste an (Deutsche Variante von MVNO)

Roaming: Nutzung eines mobilen Endgerätes in einem fremden Netz. Ist nur möglich, wenn zwischen beiden Netzbetreibern ein Roaming-Abkommen für die gegenseitige Verrechnung von Leistungen besteht.

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