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Glasfasernetze erleichtern Internetzugang

Dünne Glasfaserkabel können grosse Mengen von Daten transportieren. Keystone

Im internationalen Vergleich haben in der Schweiz wenig Haushalte Zugang zur Glasfaser-Technologie. Die jetzige Zahl von 300'000 könnte sich in drei Jahren aber verdreifachen. Nach "Rundtisch"-Gesprächen der Marktakteure steht dem nichts mehr im Weg.

Dieser Inhalt wurde am 24. Januar 2012 - 10:58 publiziert
Scott Capper, swissinfo.ch

Laut der Eidgenössischen Kommunikations-Kommission (ComCom) wurden nach neun Treffen am "Runden Tisch" in den letzten vier Jahren technische Standards gesetzt.

Verträge zwischen dem Schweizer Telekommunikationsriesen Swisscom und anderen Telekommunikationsfirmen, Elektrizitätswerken und Kabelanbietern werden so angepasst, dass alle Anbieter Zugang zu Glasfasernetzen haben.

"Die Entwicklung der Breitband-Infrastruktur ist für die Wirtschaft in der Schweiz lebenswichtig, sagte ComCom-Präsident Marc Furrer letzte Woche vor den Medien in Bern. "Das sollte in den kommenden Jahren eine Priorität unserer Kommunikationspolitik sein."

Erhöhter Kapazitätsbedarf

Die Notwendigkeit des Ausbaus von Telekommunikations-Kapazitäten wird auch durch die steigende Nachfrage nach Breitbandangeboten begründet: Der Bedarf nach Festnetzanschlüssen verdoppelt sich alle eineinhalb Jahre, und jener für mobile Angebote wächst noch viel schneller. Die Förderung von hochauflösbaren Fernsehprogrammen (HDTV) und mobilem Internet sind einige der Faktoren, welche diese grosse Nachfrage anheizen.

Der "Runde Tisch zu Glasfasernetzen" wurde 2008 zur Verhinderung einer unkoordinierten Entwicklung von Netzwerken ins Leben gerufen. Die Gespräche erreichten Abkommen über technische Standards und Entwicklungskriterien für die künftige Infrastruktur. Darunter die Verhinderung des Aufbaus von parallelen Netzwerken sowie die Realisierung von Multifaser-Technologie – zu Mehrkosten von 10 bis 15%.

Netzwerk-Zugang

"Die 'Rundtisch'-Gespräche waren ein wichtiger Schritt, der uns hilft, gemeinsame Kriterien für Netzwerke zu definieren", sagt Oliver Schnyder, Geschäftsführer des Branchenverbandes Glasfasernetz Schweiz, gegenüber swissinfo.ch.

"Die Multifaser-Lösung, auf die man sich einigte, bedeutet, dass Anbieter Zugang zum Netzwerk haben, und Wettbewerb für die Kunden gewährleistet ist." Jedes verbundene Kabel wird ein Bündel mit vier Fasern sein – eine für Swisscom, die drei restlichen für andere Anbieter.

Ein weiteres Resultat der "Rundtisch"-Gespräche ist, dass die neue Infrastruktur dem so genannten Fiber to the Home (FTTH)-Standard angepasst wird. Als FTTH bezeichnet man ein Fernmeldenetz, das bis in jedes Geschäfts-, Mehr- oder Einfamilienhaus über Lichtwellenleiter (Glasfaser) geführt wird.

Als ComCom-Chef-Furrer 2008 die Chefs der beteiligten Marktakteure zu einer ersten Aussprache über die Erschliessung der Haushalte mit Glasfasernetzen lud, stritten sich vielerorts die Swisscom und Elektrizitätswerke darüber, wer diese für die Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft unabdingbaren Infrastrukturen zu welchen Bedingungen bauen und später nutzen darf. Dieses Problem ist nun gelöst.

In Zukunft werden dank dem von den Beteiligten entwickelten Mehrfaser-Modell, bei dem ein Gebäude mit mehreren Glasfasern erschlossen wird, keine parallelen Netzwerke gebaut. Die Fasern sollen dabei verschiedenen Anbietern zur Verfügung stehen, so dass der Wettbewerb spielen kann.

Wer bezahlt?

Nach Ansicht von Telekommunikations-Blogger Pascal Martin macht das alles wirtschaftlich Sinn. "Jemand muss für die Infrastruktur bezahlen", sagt er gegenüber swissinfo.ch. "Swisscom muss die Rechnung dort bezahlen, wo der Wettbewerb existiert, die Gemeinden müssen Beiträge dort zahlen, wo es keinen Wettbewerb gibt."

Für die Netzwerk-Entwicklung zählten die Partner des "Runden Tisches" auf die Marktkräfte, weil in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation nicht mit öffentlichen Geldern für ein nationales Glasfasernetz gerechnet werden könne, sagt ComCom-Chef Marc Furrer gegenüber swissinfo.ch.

"Wir haben keine andere Wahl. Swisscom und die anderen Anbieter müssen die Infrastruktur aufbauen. Was wir getan haben, ist die Schaffung der Möglichkeit zum Bau eines Netzwerkes. Wir hoffen, dass viele Anbieter das Netz nutzen werden, wenn es gebaut ist."

Nicht alle vertreten die Ansicht, dass es gut ist, den Marktkräften freie Bahn zu gewähren. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) verlangt eine Revision des schweizerischen Telekommunikations-Gesetzes. Damit soll verhindert werden, dass Swisscom und die Energieversorgungsbetriebe einen doppelten Vorteil gewinnen.

Die SKS vermutet, dass der Telekommunikationsriese und die Energieversorgungsbetriebe von den existierenden Infrastrukturen profitieren würden, zum Beispiel von mit Steuergeldern errichteten unterirdischen Leitungssystemen. Und weiter befürchtet die SKS, dass jene hohe Zugangspreise für Konkurrenz-Anbieter verlangen werden – Kosten, die auf die Endverbraucher übergewälzt würden.

Telekommunikationspreise, besonders für Dienstleistungen im mobilen Sektor, sind in der Schweiz hoch im Vergleich zum europäischen Durchschnitt.

Langfristige Investition

Niemand scheint indessen diesen Punkt weiter diskutieren zu wollen. Man zieht es vor, die Infrastruktur-Entwicklung nicht zu behindern. "Wir möchten jetzt lieber keine regulatorischen Eingriffe, weil sonst Investoren demotiviert werden", sagt Oliver Schnyder. "Es wäre besser, wenn überhaupt nötig, später zu regulieren, wenn der Markt sich entwickelt hat."

Neben der Kostenfrage gibt es noch einen anderen offenen Punkt: Wer könnte Zugang zu dieser Technologie haben. Aus wirtschaftlichen Gründen zieht sicher niemand in Betracht, jede abgelegene Berghütte in der Schweiz mit einem Hochgeschwindigkeits-Netzwerk zu verbinden, auch wenn ein Breitband-Zugang in einigen Fällen sinnvoll sein kann.

In den Städten ist das laut Furrer bereits eine langfristige Investition, in ländlichen Gegenden sogar noch mehr. "Für diese Zonen gibt es zwei Fragen: Gibt es eine billigere Technologie – Kabel oder mobil mit einer grösseren Bandbreite – und: Wer bezahlt dafür? Das ist eine politische Frage, die mit der Frage der universellen Grundversorgungsverpflichtung verbunden ist."

Konkurrierende Technologien

Zwei Technologien, Kabelmodems und das schnelle ADSL VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line), dominieren zur Zeit den Breitbandzugriff in der Schweiz.

VDSL wird über die Kupfertelefonleitungen betrieben und erlaubt schnelle Verbindungen, ist jedoch abhängig von der Distanz zwischen dem Endverbraucher und der nächsten Verteilerbuchse. VDSL wird auch eingeschränkt durch die übertragbare Datenmenge, speziell wenn es in Verbindung mit hochauflösendem Fernsehen betrieben wird.

Die grössten Kabelfernsehprovider des Landes bieten via Koaxialkabel auch Internet- und Telefondienste an. Das bedeutet aber auch, dass der Breitbandservice via Kabelnetz erhältlich ist und deshalb mobile Dienste noch nicht im Angebot inbegriffen sind.

Glasfaser-Breitbandverbindungen (FTTH) bedeuten einen Quantensprung bei der Bandbreite und der Schnelligkeit. Zum Beispiel kann ein einzelnes Telefonkupferkabel gleichzeitig sechs Telefongespräche übertragen. Dagegen kann gemäss der US-Kommunikations-Kommission ein einzelner Glasfaserstrang mehr als 2,5 Millionen Telefongespräche gleichzeitig übermitteln.

Laut Experten des in den USA ansässigen FTTH Council sind Glasfaser-Hausverbindungen die einzige Technologie, die genügend Bandweite für die Konsumbedürfnisse des nächsten Jahrzehnts zuverlässig und kostengünstig bereitstellen kann.

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