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Hightech-Heirat von Wissenschaft und Theater

Jens Badura, einer der Köpfe von Sinlab. SINLAB

Die Westschweizer Fachhochschule für Theater und die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne haben ein gemeinsames Forschungslabor gegründet. Das Sinlab befasst sich mit der Weiterentwicklung von Theater und Tanz mittels neuester Technologien.

Dieser Inhalt wurde am 20. März 2012 - 10:14 publiziert
Ghania Adamo, swissinfo.ch

Seit Mitte Februar brüten im Sinlab vier Doktoranden aus Deutschland, den USA, Serbien und der Schweiz darüber, wie Hightech und Bühnenkunst am besten zusammengebracht werden können. 

Geleitet wird das auf drei Jahre angelegte Projekt von Jeffrey Huang und Koordinator Jens Badura. Unterstützt werden die Doktoranden von erfahrenen Wissenschaftlern, aber auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Domäne der Bühnenkunst.

Sein Auftrag macht das Kompetenzzentrum einzigartig in der Schweiz. Zwar gibt es laut Jens Badura mehrere Institute, an denen Medienkunst und neue Technologien zusammengeführt werden. Der Österreicher erwähnt das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM, Deutschland) und das Ars Electronica Center im österreichischen Linz. "Aber diese Programme beinhalten keine Live-Darbietungen", sagt er.

Am Sinlab sind ausser der Westschweizer Fachhochschule für Theater (HETSR) und der EPFL weitere Partner über die Region hinaus beteiligt, nämlich die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und das Institut für Theaterwissenschaften der Universität München. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) beteiligt sich mit 1,4 Mio. Franken am Projekt.

Ballet Mécanique im digitalen Zeitalter

Jens Badura warnt vor unrealistischen Erwartungen. Sinlab sei gerade erst gestartet, viele Ideen steckten noch im Anfangsstadium. "Als erstes wollen wir aber einen Prototypen entwickeln, der die Bewegungen einer Tänzerin oder eines Performers digital erfassen und in Musik verwandeln kann. Diese produziert einen Rhythmus, der wiederum die Schritte der Tänzerin oder des Performers auf der Bühne bestimmt. Das Ganze nennt sich Choreophonie", sagt der Österreicher.

Die Interaktivität von Bewegung und Ton bedingt ein hochkomplexes System. Die Forschenden sind daran interessiert, eine solche Interaktivität aus dem Sinlab auch auf die Theaterbühne zu bringen.

Bei einem zweiten Projekt gehe es darum, eine neue Dynamik in die Beziehung zwischen Bühne und Publikum zu bringen, sagt Jens Badura weiter. "Ein fliegender Roboter soll den Darstellern Reaktionen aus dem Publikum überbringen, welche diese sogleich in ihr Stück einfliessen lassen können."

Dynamik und Austausch

Der Koordinator möchte aber noch einmal darauf hinweisen, dass es sich dabei erst um Ideen handelt. Schon Realität sei hingegen die Atmosphäre von dynamischem Austausch und gegenseitiger Inspiration unter den vier beteiligten Institutionen. Dieser Geist soll auch die Workshops prägen, die Sinlab in Lausanne, Zürich und München durchführen wird.

Darüber hinaus plant Sinlab gar, in nächster Zukunft den Schritt ins Reich der Mitte zu wagen. Konkret strebt Jens Badura eine Zusammenarbeit mit der Tsinghua-Universität in Peking an. "Sie ist ein Knotenpunkt für Kunst, Technologie und Wissenschaft, deshalb sind wir an einem Austausch von Doktoranden interessiert."

Der erste Lebenszyklus von Sinlab ist vorerst auf Ende 2014 terminiert. Danach soll es aber weiter gehen. Die Beteiligten wünschen sich die Überführung des Labors in eine feste Struktur. Das bedingt aber die Erschliessung finanzieller Quellen. Allen ist klar, dass es sehr viel Geld kosten wird, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.

"Wir wollen sämtliches Wissen und alle Erkenntnisse weitergeben, zu denen wir in den kommenden drei Jahren gelangen werden, sei es in Form von Publikationen oder indem wir Theatern Technologien zur Verfügung stellen", sagt Jens Badura.

"Uns geht es keineswegs darum, unser Knowhow kommerziell auszunutzen, vielmehr sollen die Schauspielenden davon profitieren können."

Das Sinlab in Kurzform

Im Labor suchen die Forscher nach der Verbindung von Kunst, wissenschaftlichen Erkenntnissen und technologischen Entwicklungen.

Am Kompetenzzentrum sind drei Hochschulen aus der Schweiz und eine aus Deutschland beteiligt. Angestrebt wird auch eine Zusammenarbeit mit der Tsinghua-Universität in Peking.

Neben den Doktoranden arbeiten auch erfahrene Wissenschaftler sowie Künstlerinnen und Künstler aus den Sparten Performance, Choreographie und Regie im Sinlab.

Zu den Forschungsarbeiten im Labor und auf der Bühne sind Workshops, Referate und Tagungen geplant.

Sinlab ist bis Ende 2014 befristet. Ziel ist die Weiterführung in einem Spin off.

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