Zwischen Stuhl und Bank

Produzenten von Bio-Produkten würden profitieren, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen würden. Keystone

Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen in der Landwirtschaft zugelassen werden, gewinnen Bio-Produkte und Produkte mit genveränderten Organismen Marktanteile. Verlierer wären hingegen 90 Prozent der Schweizer Bauern. Dies zeigt eine Studie des WWF.

Dieser Inhalt wurde am 18. September 2001 - 16:52 publiziert

Die rund 90 Prozent der Schweizer Bauern, die nach konventioneller oder integrierter Produktion (IP) arbeiten, würden zwischen Stuhl und Bank fallen, wenn Gentechnik in der Landwirtschaft zugelassen wird, sagte Guido Beltroni, Verfasser der vom WWF in Auftrag gegebenen Studie "Marktchancen gentechnikfreier Produktion", am Dienstag vor den Medien in Zürich.

Die Studie zeige in diesem Fall eine klare Polarisierung des Marktes auf Produkte mit genveränderten Organismen (GVO) und auf biologische Erzeugnisse. IP- und konventionelle Produkte wären dann laut Beltroni von zwei Seiten bedrängt: Einerseits von den umweltbewussten und gentechnik-kritischen Konsumenten, anderseits von jenen Konsumenten, die auf die neuen gentechnisch veränderten Lebensmittel setzen.

"Gentechfreie Insel Schweiz"

Dieser Trend zeichne sich zwar auch ab, wenn die Schweiz gentechfrei bleiben würde, allerdings weniger stark. Sollte die Schweiz eine gentechfreie Insel bleiben, so könnten die Schweizer Bauern mit ihren Produkten vor allem Marktanteile in der EU gewinnen, sagte Beltroni. Denn noch sind die Konsumentinnen und Konsumenten sowohl in der Schweiz als auch in Europa den GVO gegenüber kritisch eingestellt.

"Die gentechfreie Insel Schweiz" propagiert denn auch der WWF, zusammen mit anderen Umwelt- und Konsumenten-Organisationen. Die Schweizer Landwirtschaft könnte sich mit einem Gen-Moratorium im Europäischen Markt profilieren, sagte Bernadette Oehen vom WWF.

Nebeneinander kaum möglich

Die Zulassung dagegen würde laut Oehen die Glaubwürdigkeit von gentechfreien Produkten in Frage stellen. "Die Gefahr von Auskreuzungen ist in der kleinflächigen Schweizer Landwirtschaft sehr gross", sagte sie. Das Nebeneinander von GVO und gentechfreier Produktion sei von anderen Studien bereits angezweifelt worden.

Damit sich gentechfreie Pflanzen nicht mit gentechnisch veränderten vermischten, müssten die Produzenten einen grossen finanziellen Aufwand betreiben. Das bestätigt auch Michael Kleinert von Hiestand. Der Hersteller von Tiefkühl-Backwaren setzt voll auf Rohstoffe aus IP- und Bio-Produktion.

Trotzdem will Hiestand nicht von seiner Linie abweichen. "Wir sind schon heute rund 20 Prozent teurer als unsere Konkurrenz, aber die Konsumenten sind bereit, den Preis zu bezahlen", sagte Kleinert.

Gen-Lex im Ständerat

Der Ständerat hat ein Moratorium in einer ersten Beratung im Juni abgelehnt. Er setzt auf strenge Zulassungsregelungen. Die vorberatende Kommission hatte ein eigenes Gentechnikgesetz ausgearbeitet. Dieses liegt nun wieder bei der Kommission und soll in diesem Herbst erneut im Ständerat und im Frühling 2002 dann im Nationalrat behandelt werden.

Bernadette Oehen vom WWF sieht die Chancen für ein Referendum als gross an, wenn die Gen-Lex in den Räten abgesegnet werden sollte: "Wir stehen mit der Forderung nach einem Moratorium nicht alleine da." Andere Umwelt- und Konsumenten-Organisationen sowie ein Grossteil der Bauern stünden ebenfalls dahinter, sagte sie.

swissinfo und Agenturen

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