Zwischen Zuversicht und Sorge

BIZ-Generaldirektor Andrew Crockett gab an der Generalversammlung seinen Rücktritt bekannt. Keystone Archive

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) lobt die Widerstandskraft von Weltwirtschaft und Finanzsystem, warnt aber vor Gegenwinden.

Dieser Inhalt wurde am 08. Juli 2002 - 13:58 publiziert

"Es könnte sich durchaus eine Eigendynamik entwickeln, die alles zum Guten wendet, es könnte aber auch alles ziemlich schief gehen", schreibt der Generaldirektor der Bank der Zentralbanken, Andrew Crockett, im Jahresbericht, der am Montag in Basel anlässlich der BIZ-Generalversammlung veröffentlicht wurde

Die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik seien gut beraten, mit "Gegenwinden" zu rechnen. Die Geldpolitik könne im Falle einer deflationären Entwicklung gar an ihre Grenzen stossen, warnt der Bericht.

Robuste Konsumausgaben

Die Abschwächung der Weltwirtschaft in der zweiten Hälfte 2001 war gemäss BIZ nicht wie in früheren Zyklen auf eine verschärfte Geldpolitik zurückzuführen, sondern war die Folge sinkender Unternehmensgewinne.

Dass der Abschwung dennoch relativ mild ausfiel, sei der "ausserordentlichen Robustheit der Konsumausgaben" zu verdanken.

Zur Jahresmitte 2002 diagnostiziert die BIZ eine breit abgestützte weltweite Erholung, die am deutlichsten in Nordamerika erkennbar sei, aber in Ostasien und in Europa ebenfalls Kontur gewinne.

Krisen gut gemeistert

Die BIZ betont in ihrem Bericht die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft. So habe sich die Infrastruktur des Weltfinanz-Systems nach dem 11. September als stressresistent erwiesen. Auch nach dem Zusammenbruch des US-Energiehandels-Konzerns Enron habe der Energiemarkt reibungslos weiter funktioniert. Zu panikartigen Reaktionen wie nach dem Zusammenbruch des Hedgefunds LTCM und der Russlandkrise 1998 sei es nicht gekommen.

Die Widerstandsfähigkeit des Weltwirtschafts-Systems basiert nach Einschätzung der BIZ auf einer Reihe von Gründen: Neben einer expansiven makroökonomischen Politik dürften auch die Liberalisierungs-Schritte der Vergangenheit eine positive Wirkung entfaltet haben. Die geringe Teuerung habe den Währungsbehörden zudem beträchtliche Spielräume für Zinssenkungen verliehen.

Problematische Verschuldung

Doch jede Medaille hat eine Kehrseite. Inflations-Druck sieht die BIZ weiterhin nicht. Eher könnte es Deflations-Probleme geben. Denn die lange Phase niedriger Zinsen habe vor allem in den englischsprachigen Ländern zu einer wachsenden Verschuldung geführt. Sollten die Zinsen wieder auf ein üblicheres Niveau ansteigen, könnte es problematisch werden.

Sorgen bereiten der BIZ auch die Aktienkurse und die Entwicklung des Dollar-Wechselkurses. Die Aktienmärkte, vor allem in den USA, seien weiterhin hoch bewertet.

Folgen von Enron und WorldCom

Der Konkurs von Enron und das WorldCom-Debakel zeigten deutlich, wie an sich wirksame Führungs- und Überwachungsmechanismen in Unternehmen durch unvollständige oder irreführende Informationen unterlaufen werden könnten.

Gründliche Untersuchungen über die angemessene Bilanzierung von Aktienoptionen für Angestellte, die undurchsichtigen Mechanismen zur Verschleierung von Schulden sowie der fiktiven Geschäfte zur Aufblähung der Umsätze seien am Platz.

"Es könnten durchaus energische Massnahmen notwendig werden", sagte BIZ-Präsident Nout Wellink an der Generalversammlung vom Montag in Basel.

Schuldenkrise

Die Krise in Argentinien unterstreiche die Notwendigkeit, Methoden zu einer geordneten Umschuldung staatlicher Verbindlichkeiten zu entwickeln, erklärte Generaldirektor Crockett vor den Vertretern von mehr als 100 Zentralbanken und internationalen Organisationen.

Insgesamt seien bei der Bewältigung von Schuldenkrisen in den vergangenen zwölf Monaten aber wohl grössere Fortschritte erzielt worden als in den letzten fünf Jahren.

In ihrer eigenen Domäne, der Geldpolitik, können die Zentralbanken gemäss dem BIZ-Generaldirektor zu Recht stolz auf die Erfolge bei der Inflationsbekämpfung sein, dennoch stehe die Geldpolitik vor schwierigen Entscheiden (siehe Link "Grenzen der Geldpolitik").

Rücktritt von Crockett

Nach der Generalversammlung gab Generaldirektor Crockett bekannt, er habe die Notenbank-Gouverneure davon informiert, dass er sein Amt im März nächsten Jahres abgeben wolle.

swissinfo und Agenturen

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