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Auf der Suche nach der Erhabenheit der Berge

Märjelensee am Aletschgletscher 1878.

(Jules Beck)

Jules Beck war der erste Schweizer Fotograf, der die hohen Gipfel von ganz nah aufnahm. Die Ausstellung "Photographische Seiltänzereien" im Alpinen Museum Bern zeigt nicht nur einzigartige Aufnahmen, sondern auch einen ausserordentlichen Menschen.

"Beck war ein Lebemann von elsässischer Gemütlichkeit, der leiblichen Genüssen nicht abgeneigt war, ein erheiternder, sympathischer Charakter, ein begnadeter Erzähler, der auch offen und ironisch über sich selber sprach. Er war ein fotografierender Bergsteiger, kein ehrgeiziger Gipfelstürmer. Er suchte das Erlebnis, die Schönheit und Erhabenheit der Berge, das dortige Licht, das Gehen auf dem Schnee am Morgen. Ein Romantiker war er aber nicht, sondern ein Realist, und nur bedingt abenteuerlustig, einer der das Risiko immer einkalkuliert hat."

Markus Schürpf kommt ins Schwärmen, wenn er von Jules Beck (1825-1904) und dessen Lebenswerk erzählt, fast so, als wäre er bei den Bergtouren, die der Hochgebirgsfotograf zwischen 1866 und 1890 unternommen hat, dabei gewesen. Schürpf ist Foto- und Kunsthistoriker sowie Kurator der Ausstellung "Photographische Seiltänzereien".

Der Nimbus der Bergwelt

Becks Antrieb war, neben der fotografischen Erschliessung der Alpen, vor allem das Erlebnis. Laut Schürpf war er nicht wie andere ein Bergfotograf, der schöne Ansichten lieferte, sondern ein fotografierender Bergsteiger.

"Er lieferte auch wundervolle, bezaubernde, monumentale Fotos, wollte darüber hinaus aber Touren dokumentieren. Und die Gefühle, die man dort oben hat."

Beck gehörte zu den Ersten, die auf über 4000 Meter fotografiert haben, und als Erster hat er dank der neuartigen Trockenplatten, die er verwendete, eine vorher unbekannte Mobilität in die Hochalpinfotografie eingeführt.

Während seine Kollegen, die Profifotografen, mit bis zu 250 kg schweren Ausrüstungen arbeiteten und eine Dunkelkammer mitschleppen mussten, zog der "Amateur" mit viel leichteren Tannin-Trockenplatten los, was "damals revolutionär war", sagt der Fotohistoriker.

Im Vergleich mit den heutigen Digitalkameras scheint das zwar immer noch relativ beschwerlich, aber damals war das quasi "ein Quantensprung". Beck brauchte nur die Kamera, ein Stativ und die Kassetten mit den Negativen. "Diese Trockenplatten musste er nur noch in die Kamera stecken und belichten."

Qualitätssteigerung dank Digitalisierung

Bevor der Nachlass Becks nun ans Tageslicht befördert wurde und einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird, schlummerte der Schatz über 105 Jahre lang in den Kellern des Alpinen Museums in Bern. Das Interesse an Becks Werk war laut Schürpf eher gering, "weil seinen Fotos dieses Amateurhafte anhaftete".

Aus heutiger Sicht ist es wohl ein Glück, dass die rund 1200 Bilder nicht schon vor 50 Jahren ausgegraben wurden. "Erst jetzt mit der Digitalisierung seiner Glasplatten haben wir gemerkt, welche Dichte, welcher Reichtum darin steckte. Mit dem Aufblasen der Bilder konnte die Qualität gesteigert werden."

Zu sehen sind in Bern rund 300 Aufnahmen von Gletschern, Gipfeln, Felswänden, Schneefeldern, Bergseen und Berghütten, von der Dufourspitze über den Bündner Tödi, die Spitze des Mönchs, das weniger bekannte Tschingellochtighorn im Berner Oberland bis hin zum Wetterhorn, wo Jules Beck 1866 seine ersten Fotografien machte und erstmals von einer "Seiltänzerei" sprach, was der Ausstellung den Titel gab.

"Der Grat des Wetterhorns ist ganz schmal. Sich dort mit einem Fotoapparat zu platzieren, ist eine heikle Sache. Das hat Beck dann als 'Seiltänzerei' beschrieben", erklärt Markus Schürpf.

Ein begnadeter Erzähler

Der Schweizer Hochgebirgsfotograf hat nicht nur Bilder, sondern auch eine ganze Reihe an Vortragsmanuskripten und Artikeln aus Alpenzeitschriften hinterlassen. "Aus fotografiehistorischer Sicht ist Beck ein Einzelfall. Es ist ganz selten, dass wir so viele Angaben über die Fotografien hinaus haben", betont der Kunsthistoriker.

Diese Dokumente ermöglichten es den Ausstellungsmachern, das Werk zu rekonstruieren und einzuordnen. Dank diesen Zeugnissen werden die Besucherinnen und Besucher mit Tonbandaufnahmen basierend auf Becks Schriften durch die Ausstellung geführt.

Witzig und selbstironisch gibt er Anekdoten und Pannen preis, die er auf seinen fotografischen Exkursionen erlebt hat. Damit erreicht er, was er immer wollte: "Die glanzvolle und einzig schöne Firnenwelt ins Flachland hinunter zaubern."

Achtung vor dem Berg

Der begeisterte Alpengänger bewahrte bei seinen Touren auch stets den Respekt vor dem Berg. Beck war bewusst, dass "mit dem Berggeist nie und nirgends zu spassen ist" und dass "ohne Gefahr die alpine Schönheit nicht zu haben ist".

Selber blieb er zwar vor schlimmen Erfahrungen am Berg verschont, doch er verlor am 12. September 1890 einen geliebten Neffen am Matterhorn. Laut Markus Schürpf hat ihn das geknickt. Dieser Tod bedeutete das Ende seiner Karriere. Überlebt hat sein Werk.

Jules Becks Hochgebirgsfotografie

Die Ausstellung "Photografische Seiltänzereien" im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern zeigt das Lebenswerk des ersten Schweizer Hochgebirgs-Fotografen Jules Beck (1825-1904).

Der in Bern und Biel aufgewachsene Beck, der später in Strassburg ein Mercerie-Geschäft betrieb, schaffte von 1866-1890 mit seinen 1200 Aufnahmen ein umfassendes Bild der damaligen alpinen Touren und Landschaften.

Dank seiner Technik der Tannin-Trockenplatten anstelle von nassen Kollodium-Platten konnte er das Gewicht seiner Ausrüstung massiv reduzieren und wurde dadurch mobiler.

Statt der üblichen 250 kg wog seine Ausrüstung lediglich 14 kg.

In der Ausstellung werden neben den Original-Fotoabzüge auch Abzüge der originalen Negativ-Glasplatten gezeigt.

Von Jules Beck sind auch zahlreiche Vortrags-Manuskripte und Artikel erhalten, welche es ermöglichen, die Ausstellung mit persönlichen Kommentaren anzureichern.

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Alpines Museum

Das Schweizerische Alpine Museum Bern (SAM) wurde 1905 von der Berner Sektion des Schweizerischen Alpen-Clubs eröffnet.

Seit 1933 beteiligen sich Bund, Kanton Bern, SAC Schweiz und Sektion Bern an der Stiftung SAM.

1934: Eröffnung des Neubaus am Helvetiaplatz in Bern.

1990-93: Gesamt-erneuerung des Baus und Aufstockung des Personalbestandes auf sechs Stellen.

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