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"Hotel Angst" beendet Ära Marthaler in Zürich

Direktor Christoph Marthaler und Chefdramaturgin Stefanie Carp bei der Medienorientierung über ihre letzte Spielzeit.

(Keystone)

Mit der letzten Aufführung der Schweiz-Satire "Hotel Angst" endet am Schauspielhaus Zürich die Ära Marthaler.

Christoph Marthaler gab vor vier Jahren mit "Hotel Angst" seinen Einstand als Regisseur und künstlerischer Leiter.

Man hatte einen "Messias" gerufen, und es kam ein Mensch. Christoph Marthaler sollte Zürich mit leichter Hand zu einer europäischen Metropole der Bühnen-Kunst machen. Doch man hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht, hatte dessen künstlerische Kompromisslosigkeit und Gradlinigkeit, dessen Ansprüche an die Solidarität der Gesellschaft unterschätzt.

Schwärmerei und Ablehnung

Sehr schnell schieden sich am neuen Schauspielhausdirektor die Geister: Schwärmerei auf der einen Seite, wütende Ablehnung auf der anderen. Teile des Publikums blieben weg, ein neues kam nicht, und Finanzlöcher gähnten.

Sie unbeschränkt zu stopfen, war die Stadt nicht bereit. Und so kam es, dass die Ära schon nach vier spannenden und spannungsvollen, statt nach fünf oder sechs problemlosen, aber vermutlich langweiligeren Jahren zu Ende geht.

Heimatabend in Schweizer Dialekt

Dabei hatte alles so hoffnungsfroh begonnen. Zum Startschuss, zur Premiere "Hotel Angst", strömte nicht nur die gesamte Presse auch der umliegenden Länder in den soeben eröffneten Schiffbau. Ein Stelldichein gab sich auch die nationale und Zürcher Prominenz aus Politik und Kultur.

Und die Begeisterung war gross. Marthaler und seine Co-Direktorin Stefanie Carp hatten ein Stück ganz für die Schweiz geschrieben, einen Heimatabend in Schweizerdialekt. Für ihn hatte Anna Viebrock, das dritte Direktionsmitglied, eine ihrer wunderbaren Hallen gebaut. Frech und lustig kam der Abend daher, aber auch schmuddelig, muffig, deprimierend.

Harmonie und Zerstörung

Musik, vielstimmiger Gesang und eine skurrile Sprach- und Bühnenakrobatik sind Marthalers Markenzeichen - in der "Schönen Müllerin", in "O.T. Eine Ersatzpassion", in "Groundings", im "Goldenen Zeitalter", vor allem auch im "Hotel Angst".

Wunderschöne Volkslieder ertönen, das Ensemble windet sich, vollführt die unmöglichsten Slapsticks, während einem die Sprüche der männlichen Hotelkundschaft die Haare im Nacken sträuben lassen.

Harmonie und deren Zerstörung blieben die ganzen vier Jahre die Konstanten in Marthalers Inszenierungen. Im Gegensatz zu anderen Stücken dieser Zeit waren sie permanent ausverkauft, wie jetzt wieder "Hotel Angst". Nun empfängt die Herberge nochmals ihre Gäste: zum allerletzten Mal.

swissinfo und Karl Wüst, sfd

In Kürze

Christoph Marthaler wurde 1951 in Zürich geboren.

Als Regisseur gewann Marthaler zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Europäischen Theater Preis.

Im September 200 wurde Marthaler Direktor des Schauspielhauses Zürich.

"Hotel Angst" wird am 29. Juni zum letzten Mal aufgeführt.

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