Angelina Jolie - Augen auf für Menschenrechte

Angelina Jolie am WEF-Open Forum. Keystone

Publikumsattraktion am Freitag am WEF Open Forum in Davos war der Hollywood-Star Angelina Jolie an einem Podiumsgespräch über die Menschenrechte.

Dieser Inhalt wurde am 27. Januar 2006 - 22:47 publiziert

In der Kritik standen die USA, korrupte Regierungen, aber auch die Weltbank und die passive Weltöffentlichkeit.

"Sonst kann der Ghadaffi oder weiss der Kuckuck wer kommen, es hat immer Platz", frotzelt eine Frau. "Jeder Kindergärtler weiss, dass die Jolie kommt." Der Saal ist diesmal zu klein. Mehrere Hundert Leute müssen draussen bleiben.

Drinnen gesteht die Sonderbotschafterin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UHNCR: "Ich schäme mich zutiefst, dass die USA die Charta für Kinderrechte nicht ratifiziert haben. Als Amerikanerin finde ich das schrecklich." Damit ist das Gespräch am Open Forum eröffnet.

Kenneth Roth, USA-Direktor der Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch, diagnostiziert einen Rückschritt in den vergangen vier Jahren. Der Weltpolizist USA foltere im Namen der Terrorismus-Bekämpfung.

"Die USA werden zudem von andern Staaten als Vorwand genommen, um Menschenrechte zu missachten", beanstandet Roth. So habe ihm ein ägyptischer Minister gesagt. "Warum sollen wir das nicht tun, die USA tun es ja auch?"

Vom Versagen des Weltgewissens

Noorkhanom Ahmadzai, Leiterin des Mütterhilfsprogramms des Schweizer Hilfswerks Terre des Hommes in Afghanistan berichtet von hungernden Kindern und von Frauen, die beim Gebären keinen Zugang zum Gesundheitswesen haben.

Reinhardt Fichtel arbeitet für Terre des Hommes in Nepal. Dort herrscht seit zehn Jahren Krieg. "Die Weltöffentlichkeit nimmt davon kaum Kenntnis. Wo ist unsere Einmischung, wo ist unsere Sorge?", fragt er.

Katherine Marshall, Direktorin bei der Weltbank, plädiert für die Beendigung des Hungers, das Recht auf Bildung und konkrete Reformen.

Die Runde ist sich einig: Das Elend muss bekämpft, Menschen- und demokratische Rechte und die Freiheit der Medien müssen erkämpft werden. Durch Reden hier in Davos, aber auch durch Taten. Nur: Welche?

Zwei verschiedene Sprachen

Kenneth Roth kennt ein Rezept: Die Wahrheit muss ans Licht kommen. Unsere Regierungen müssen andere nicht lediglich besuchen, sondern auch über deren Machenschaften sprechen. "Wir können den Hebel ansetzen, nur tun wir es nicht."

Ein wirkungsvolles Instrument sei der internationale Strafgerichtshof. "Diese Kerle in Darfur sind an der Spitze einer Regierung. Die möchten frei sein und haben Angst vor einem Gericht. Die wollen nicht ins Gefängnis gehen."

Reinhardt Fichtel stellt fest, dass sich bei Staatsbesuchen "Leute aus der gleichen Kaste treffen und anschliessend Krokodilstränen vergiessen. Die Leute aus dem einfachen Volk hingegen werden abgeschirmt. Nichtregierungs-Organisationen (NGO) und Regierungen sprechen zwei verschiedene Sprachen".

Katherine Marshall spricht sich für eine engere Zusammenarbeit zwischen der Weltbank und den NGO aus. "Wir brauchen die Informationen der NGO. In zahlreichen Fällen hat die Weltbank korrupten Staaten Zahlungen verweigert." Allerdings könne die Bank, weil sie den Regierungen gehörte, die NGO nicht direkt unterstützen.

Öffentlichkeit herstellen

Angelina Jolie relativiert ihren Einfluss. "Wenn ich mit der Regierung in Darfur über Flüchtlingsprobleme spreche, dann sagen die 'wunderbar'. Am andern Tag kommt jemand von der US-Regierung - und alles sieht wieder anders aus."

Auf ihren Reisen in die Krisengebiete habe sie dem Schrecken zum Trotz viele wichtige Erfahrungen gemacht. "Die persönlichen Kontakte mit Überlebenden standen im Mittelpunkt. Ich habe selber zwei Adoptivkinder. Sie sind mein Leben", so der Hollywood-Star.

Darum will Jolie ihre Augen weiterhin offen halten, "informieren und Öffentlichkeit herstellen".

swissinfo, Andreas Keiser, Davos

In Kürze

2002 reagierte das WEF mit dem Open Forum auf die Demonstrationen von Globalisierungs-Kritikern und NGO, es sei das "Hochamt des Kapitalismus".

Veranstalter ist das WEF, zusammen mit den evangelischen Landeskirchen.

Idee des Open Forums ist, auch Stimmen der Globalisierungs-Kritiker ins WEF einzubinden.

Im Gegensatz zu den Veranstaltungen im hermetisch abgeschirmten Kongresszentrum ist das Open Forum öffentlich zugänglich.

Angelina Jolie stellte am Freitag allein mit ihrer Präsenz die Diskussionen der Wirtschaftsführer in den Schatten. Trotz der medialen Aufregung machte Jolie klar, dass es um Menschenrechte ging.

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